Labor

Streikende Ölarbeiter*innen fordern bessere Löhne und Arbeitsbedingungen im Iran

Großer Streik der Petrochemiearbeiter*innen im Iran.
Zehntausende von Vertragsarbeiter*innen streiken im Iran und fordern bessere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, kürzere Arbeitszeiten und eine angemessene soziale Absicherung sowie das Recht auf kostenlose Gesundheitsversorgung, kostenlose Bildung, bezahlbaren Wohnraum und eine Gewerkschaft.
Zehntausende von Vertragsarbeiter*innen streiken im Iran und fordern bessere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, kürzere Arbeitszeiten und eine angemessene soziale Absicherung sowie das Recht auf kostenlose Gesundheitsversorgung, kostenlose Bildung, bezahlbaren Wohnraum und eine Gewerkschaft.

Der Streik hat sich über das ganze Land ausgebreitet. Tausende von Arbeiter*innen in mehr als 22 Raffinerien und Projekten in den Öl- und Gaszentren, darunter Jahan Pars, Gachsaran Petrochemicals, die Teheran Raffinerie und die Abadan Raffinerie, zwangen eine Reihe von Projekten zur Einstellung des Betriebs.

Die Streiks begannen am 22. Juni und wurden hauptsächlich von Zeit- und Vertragsarbeiter*innen in der Petrochemie angeführt, haben sich aber seitdem auf Arbeiter*innen in der Öl- und Erdgasindustrie ausgeweitet. Es ist geplant, dass die regulären Angestellten der staatlichen Einrichtungen in den kommenden Tagen ihren eigenen Streik beginnen werden.

Die Arbeiter*innen sind bei Zulieferfirmen angestellt, die Arbeitskräfte für Entwicklungsprojekte in den Öl- und Gasfeldern zur Verfügung stellen und versuchen, die Forderungen der Arbeiter*innen zu kontrollieren, indem sie sie mit laufenden Kurzzeitverträgen beschäftigen.

Die streikenden Arbeitenden sagen, die Bedingungen in den Schlafsälen seien schlecht und unhygienisch, das Essen in den Kantinen sei minderwertig und die Löhne seien niedrig.

Der Streik wird als "Kampagne 1400" bezeichnet, in Bezug auf das aktuelle iranische Kalenderjahr 1400. Außerdem fordern sie nicht gezahlte Löhne und die Wiedereinstellung von 700 Mitarbeiter*innen, die während des Streiks entlassen wurden.

In der iranischen Energie- und Petrochemiebranche gibt es rund 154.000 Beschäftigte mit befristetem oder Vertragsstatus, die nicht in den Genuß der Leistungen regulärer Angestellter kommen.

Derzeit erhalten nicht regelmäßig Angestellte weniger als 300 Dollar pro Monat, und sie fordern etwa 500 Dollar, um über die Runden zu kommen. Der Iran hat mit einer jährlichen Inflationsrate von fast 50 Prozent zu kämpfen, seit die USA 2018 erneut brutale Sanktionen gegen das Land verhängt haben und sich einseitig aus dem Atomabkommen von 2015 zurückgezogen haben, das dem Iran Sanktionserleichterungen im Gegenzug für die Einschränkung des Atomprogramms des Landes bieten sollte.

Da unabhängige Gewerkschaften von der Regierung nicht anerkannt und systematisch eingeschränkt werden, wird die Streikaktion von Streikkomitees der Arbeiter*innen koordiniert, die bisher 3 Erklärungen veröffentlicht haben, in denen sie ihre Forderungen darlegen.

Im Folgenden finden Sie eine Übersetzung der ersten dieser Erklärungen, die am 20. Juni 2021 veröffentlicht wurde:

Erklärung der Vertragsarbeiter*innen in Irans Raffinerien, petrochemischen Betrieben und Kraftwerken

Wir treten in den Streik, um unsere Forderungen durchzusetzen.

Wir, die Vertragsarbeiter*innen der Raffinerien, der petrochemischen Betriebe und der Kraftwerke, nehmen, wie angekündigt, unsere massiven Generalstreiks wieder auf, um gegen das niedrige Lohnniveau, die tägliche Reduzierung unserer Kaufkraft und den Bruch von Versprechen zu protestieren. Wir verfolgen unsere Forderungen, indem wir uns vor unseren Arbeitszentren versammeln. Am 29. Khordad* (19. Juni 2021) traten unsere Projektkolleg*innen in der Farab Bidkhoon Kraftwerksfirma in den Streik, forderten eine Lohnerhöhung sowie einen Zeitplan von 20 Arbeitstagen und 10 Urlaubstagen, der als Zwanzig-Zehn-Plan bezeichnet wird, und verließen kollektiv das Kraftwerk in Richtung ihrer Häuser. Diese Arbeiter*innen haben erklärt, dass sie nicht in das Kraftwerk zurückkehren werden, bis ihre Forderungen erfüllt sind.

Unser Streik ist ein Warnstreik und wird eine Woche lang andauern. Am 9. Tir* (30. Juni 2021) werden wir uns in die Reihen unserer regulären Kolleg*innen stellen, die ihren Protest angekündigt haben. Während dieser Protestwoche versammeln wir uns an unseren Arbeitsplätzen, um zu versuchen, kollektive Entscheidungen zu treffen und unseren Stimmen unter den Kolleg*innen überall hörbar zu machen.

Unsere erklärten Forderungen sind:

  • Der Lohn aller Arbeiter*innen im Ölsektor sollte nicht weniger als 12 Millionen Tomans betragen,* und die Löhne sollten sofort und gleich mit dem Anstieg der Warenpreise steigen. Darüber hinaus müssen andere Lohnniveaus mit den gewählten Vertretern der Arbeiter*innen vereinbart werden.
  • Verzug bei der Lohnzahlung ist ein Verbrechen und ein offensichtlicher Diebstahl. Die Löhne müssen jeden Monat pünktlich gezahlt werden.
  • Wir lehnen Zeit- und Vertragsarbeit ab. Wir wollen, dass die Hände der Unternehmer [von unserer Arbeit] ferngehalten werden, und wir wollen Arbeitsplatzsicherheit und unbefristete Arbeitsverträge. Nein zur Entlassung von Arbeiter*innen.
  • Die Sklavengesetze der Sonderwirtschaftszonen müssen sofort abgeschafft werden, da sie eine Grenze zwischen uns und anderen Arbeitsbereichen der Gesellschaft darstellen und parasitäre Arbeitgeber dadurch jede Art von Vergehen gegen unser Leben und unseren Lebensunterhalt begehen dürfen,
  • Wir wollen, dass unsere Arbeitsumgebung sicher ist. Unsere Arbeitsumgebungen sind wie Sprengbomben: Schreckliche Brände, Abstürze, Lärmbelästigung durch die Explosion von Erdölprodukten, das Einatmen von giftigen und chemischen Substanzen sowie nicht normgerechte Gesundheitsbedingungen und Kliniken verursachen bei den Arbeiter*innen viele psychische Schäden und Verluste. Das Arbeiten in der brütenden Hitze des Sommers ohne notwendige Kühlvorrichtungen und Standard-Klimaanlagen hat den Arbeitsdruck um das Hundertfache erhöht. Die Ölindustrie ist ein großer, profitabler Teil der Gesellschaft. Unsere Arbeitsstätten müssen sicher und mit den höchsten Umweltstandards ausgestattet sein. In der Ölindustrie sollten ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden, um die Arbeitsumgebung zu sichern und die Arbeitsplätze mit den erforderlichen Kühl- und Heizungsanlagen und Klimaanlagen auszustatten - so viele wie nötig - und um die Gesundheitsstandards in Schlafsälen und öffentlichen Räumen wie Toiletten und Bädern usw. zu verbessern.
  • Wir Ölarbeiter*innen haben die Überwachung unserer Arbeitsumgebungen satt, und diese Situation muss ein Ende haben. Sich zu organisieren, zu versammeln und zu protestieren sind unsere unbedingten Rechte.

Abschließend bringen wir unsere feste Unterstützung für unsere fest angestellten Kolleg*innen im Ölsektor zum Ausdruck, die angekündigt haben, dass sie am 9. Tir (30. Juni 2021) protestieren werden, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden, und sie rufen dazu auf, sich an diesem Tag zu versammeln.

Die Forderungen, die wir aufgezählt haben, sind die Forderungen aller Ölarbeiter*innen, einschließlich unserer fest angestellten Kolleg*innen. Darüber hinaus protestieren diese gegen die Lohnerhöhung von 1400, die in Wirklichkeit ein Angriff auf ihr Leben und ihren Lebensunterhalt ist, gegen die Auferlegung von hohen Steuern auf ihre Gehälter und gegen die Nichtumsetzung von Artikel 10, was zur Entfernung einiger ihrer Lohnbestandteile führt.

Im Mittelpunkt der Proteste unserer regelmäßigen Kolleg*innen, sowie unsere, der Vertragsarbeiter*innen, steht die Frage der Löhne da diese nicht ausreichend für unseren Lebensunterhalt sind. Die schwindelerregende Verteuerung von Gütern und Wohnraum, und der Entzug von Grundbedürfnissen wie kostenlose medizinische Behandlung und Bildung für alle, sowie das Recht auf Wohnraum, haben uns und allen Menschen in unserer Gesellschaft das Leben schwer gemacht. Wir wollen, dass diese Grundrechte verwirklicht werden und fordern freie medizinische Behandlung und Bildung für alle Menschen. Ein menschenwürdiges Leben ist das Recht von uns allen, dem Volk.

Rat zur Organisation der Proteste von Öl-Vertragsarbeiter*innen

30 Khordad 1400 (20. Juni 2021)

*Khordad ist der dritte Monat des solaren Hijri-Kalenders, der der offizielle Kalender des Iran ist.

*Tir ist der vierte Monat des solaren Hijri-Kalenders, der der offizielle Kalender des Irans ist.

*Der US-Dollar steht heute auf dem freien Devisenmarkt in Teheran bei fast 24.700 Tomans.

Foto: fair use

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Support
Available in
EnglishFrenchGermanSpanishItalian (Standard)
Translator
Nicole Millow
Date
16.07.2021

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