Labor

Türkische Kuriere protestieren für Lohnerhöhungen und Gewerkschaftsrechte

Die in die Höhe geschnellte Inflation hat türkische Beschäftigte hart getroffen — vor allem diejenigen, die in der so genannten Gig-Economy selbständig aktiv sind. Jetzt streiken sie für höhere Löhne und das Recht, eine Gewerkschaft zu gründen.
Die Lieferfahrer*innen des Online-Lebensmittellieferdienstes Yemeksepeti Banabi protestieren seit Anfang des Monats und fordern ein Nettogehalt von 5500 Türkischen Lira, ein Ende des Geschäftsmodells der selbständigen Kuriere und die Anerkennung ihres Rechts auf gewerkschaftliche Organisierung.
Die Lieferfahrer*innen des Online-Lebensmittellieferdienstes Yemeksepeti Banabi protestieren seit Anfang des Monats und fordern ein Nettogehalt von 5500 Türkischen Lira, ein Ende des Geschäftsmodells der selbständigen Kuriere und die Anerkennung ihres Rechts auf gewerkschaftliche Organisierung.

Anmerkung der Redaktion: Die sich verschärfende Wirtschaftskrise in der Türkei war in den letzten Wochen einer der Hauptauslöser für die Proteste der Kuriere. Zu Beginn des neuen Jahres gab das türkische Statistikamt (TUİK) eine offizielle Inflationsrate von 36,08 % bekannt, während unabhängige Expertinnen die tatsächliche Inflationsrate auf 80 % beziffern. Viele Unternehmen haben sich jedoch auf die offizielle Inflationsrate verlassen, um die Lohnerhöhungen für Beschäftigte auf ein Minimum zu beschränken. So kündigte beispielsweise der Lebensmittellieferant Yemeksepeti Banabi eine Lohnerhöhung von lediglich 10 % für seine Beschäftigten an. Dies führte zum jüngsten Ausbruch von Protesten. Viele andere Kuriere ähnlicher Unternehmen wie Trendyol Express, Yurtiçi Cargo, Scotty, Aras Cargo, Sürat Cargo und Migros Warehouse begannen, gegen die geringe Lohnerhöhung zu protestieren, die sie erhielten. Während die Beschäftigten von Trendyol Express eine Lohnerhöhung von 11 % auf 39 % durchsetzen konnten, kämpfen viele andere noch weiter. So erreichte der Protest der Beschäftigten von Yemeksepeti Banabi am 14. Februar 2022 seine zweite Woche.*

Die Beschäftigten von Yemeksepeti Banabi versammelten sich vor der Unternehmenszentrale in Levent, um eine höhere Lohnerhöhung zu fordern. Die Kuriere verlangten außerdem, dass ihre Rechte respektiert werden, zündeten Fackeln an und riefen Parolen. Auch in İzmir, Eskişehir und Ankara organisierten die Kuriere Proteste. 

Die Arbeitenden erklärten, dass ihre Löhne unter der offiziellen Inflationsrate liegen und sie “einen Nettolohn von 5500 Türkischen Lira” fordern. Darüber hinaus erklärten sie, dass sie im Rahmen des Geschäftsmodells der selbständigen Kurierdienste ohne soziale Absicherung arbeiten, ihnen jegliche soziale Rechte vorenthalten werden und sie gezwungen sind, ihre eigenen Rentenbeiträge an den Sozialversicherungsträger Bağ-Kur zu zahlen.

Mehrheitliche Vertretung der Gewerkschaften

Die Gewerkschaft der Beschäftigten in der Schifffahrt (TÜMTİS) erklärte, sie habe sich organisiert, um eine gewerkschaftliche Vertretung bei Yemeksepeti zu erreichen, und die gesetzlich vorgeschriebene Mehrheit erzielt, um den Betrieb gewerkschaftlich zu organisieren. Der Arbeitgeber nutzt jedoch rechtliche Schlupflöcher, um die Einführung von Gewerkschaftsrechten zu verhindern.

Kampf um die Zukunft

Der Vorsitzende der Transportarbeitergewerkschaft (Nakliyat-İş) Ali Rıza Küçükosmanoğlu unterstützte den Protest in İstanbul und sagte: “Heute schließen sich Tausende von Motorradkurieren, Parkwächtern und Lagerarbeitern diesem Protest an. Dieser Widerstand, dieser Kampf für Rechte ist der Kampf für die Zukunft all unserer Freunde, aller Arbeiter und ihrer Kinder. Dieser Kampf ist auch der Kampf um den Stolz der Arbeiterklasse. Jemeksepeti zieht es weiterhin vor, in dieser Frage zu täuschen und zu betrügen”. Nach einer Presseerklärung wählten die Kuriere vier Vertreter*innen aus und betraten den Firmensitz, um dort zu verhandeln.

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Date
15.02.2022

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