Labor

US-Farmer und Aktivist*innen: Solidarität mit den Landwirt*innen in Indien!

Es sind dieselben neoliberalen Kräfte, die Landwirt*innen weltweit unterdrücken — in Indien genauso wie in den USA.
Mehr als 85 Organisationen, die Landwirt*innen, Agrarökolog*innen und Aktivist*innen für Ernährungsgerechtigkeit in den Vereinigten Staaten vertreten, drücken ihre Unterstützung für die mutigen und historischen Proteste in Indien aus.
Mehr als 85 Organisationen, die Landwirt*innen, Agrarökolog*innen und Aktivist*innen für Ernährungsgerechtigkeit in den Vereinigten Staaten vertreten, drücken ihre Unterstützung für die mutigen und historischen Proteste in Indien aus.

Anmerkung der Redaktion: Wir veröffentlichen hier eine Solidaritätsbekundung mit den Protesten in Indien. Die Original-Erklärung, einschließlich der vollständigen Liste der Unterzeichnenden, kann hier eingesehen werden. Mehr über die Proteste gibt es in unserem Fotoessay, der die ersten Tage der Proteste im Punjab dokumentiert.

"Wir werden nicht weggehen — das liegt uns nicht in den Genen. Die Landwirtschaft hat sich in Gift verwandelt. Es ist besser, hier kämpfend zu sterben." — Ringhu Yaspal, ein Demonstrant im indischen Ghazipur.

US-amerikanische Bäuer*innen sowie verbündete Aktivist*innen für Ernährungsgerechtigkeit bekunden ihre Solidarität mit den Bauernprotesten in Indien gegen die ungerechten Landwirtschaftsgesetze, die den Würgegriff der Agrarindustrie über das indische Lebensmittelsystem verstärken werden. Indiens Landwirt*innen haben zu einem der lebhaftesten und größten Proteste in der Geschichte mobilisiert und campieren seit mehr als zweieinhalb Monaten am Stadtrand von Neu-Delhi. Sie fordern die Aufhebung der drei ungerechten Gesetze, die ohne ihr Wissen und ohne Rücksprache mit ihnen verabschiedet wurden. Wir solidarisieren uns mit den zahllosen Bäuer*innen, die friedlich und mutig für ihre Rechte und ihre Würde eintreten, gemeinsam mit anderen Landwirten aus der ganzen Welt.

Eine der Hauptforderungen der Bewegung ist, dass die Landwirte einen Mindeststützungspreis (Minimum Support Price, MSP) — der derzeit nur für einige wenige Feldfrüchte zugesichert wird — künftig für alle Produkte erhalten, einschließlich Gemüse, das für eine gesunde Ernährung unerlässlich ist. Dies würde sicherstellen, dass die indischen Landwirt*innen, die bereits unter hohen Schulden leiden, einen fairen Preis für ihre Produkte erhalten. Der MSP ist der Preis, zu dem die indische Regierung auch Grundnahrungsmittel wie Weizen und Reis von den Bäuer*innen für ihre staatlichen Ernährungsprogramme kauft, damit die Armen Zugang zu subventioniertem Getreide haben. Obwohl die indische Regierung nur einen kleinen Prozentsatz für ihre Nahrungsmittelprogramme beschafft, ist der MSP ein wichtiges Preissignal für andere Händler in Indien und stellt sicher, dass die Landwirt*innen einen fairen Preis für diese jeweiligen Erzeugnisse erhalten.

Wir verstehen die Rolle der US-Regierung bei der Schaffung der Bedingungen, die zu diesen repressiven Gesetzen geführt haben. Die USA waren einer der Hauptgegner von Indiens begrenztem Einsatz des MSP bei der Welthandelsorganisation (WTO). Die USA haben zusammen mit Australien, Kanada und europäischen Verbündeten behauptet, dass Indiens MSP den Handel verzerre.

Das ist jedoch nicht überraschend: Die amerikanische Regierung hat daheim in den USA das Konzept der Parität (ähnlich dem MSP in Indien) seit Jahrzehnten ausgehöhlt. Die Biden-Regierung hätte nun die Möglichkeit, die US-Handelspolitik so zu verändern, dass andere Länder faire Märkte für ihre Landwirte unterstützen können, und die Agrarpolitik so zu gestalten, dass unsere Lebensmittelproduzenten einen existenzsichernden Lohn erhalten.

Während der US-Agrarsektor im Vergleich zu vielen anderen Ländern überdurchschnittlich viel Unterstützung erhält, bleibt der Zugang zu dieser Unterstützung ungleich. Insbesondere schwarze, indigene, lateinamerikanische, asiatisch-pazifische und andere PoC-Produzent*innen, denen es an sicherem Landbesitz mangelt und die sich auf den Gemüse- und Kleinviehsektor konzentrieren, wurden in der Vergangenheit immer wieder ausgeschlossen. Die Unterstützung fließt an größere landwirtschaftliche Unternehmen statt an die unabhängigen Familienbetriebe, deren Stimmen wir stärken wollen.

Wir wollen klar machen: Was die indischen Bäuerinnen jetzt ertragen müssen, geschah in den USA vor fast vier Jahrzehnten. Die Reagan-Ära förderte die Landwirtschaftskrise durch gezielte Änderungen der Bundespolitik, mit systematischer Aushöhlung der Paritätspreise und anderen Deregulierungsbemühungen. "Get big or get out" war das Mantra unserer Regierung. Landwirt\innen, die ausreichende Mittel hatten, wurden für den Anbau von Monokulturen belohnt. Indigene Völker und traditionelle Erzeuger*innen sowie Kleinbäuerinnen, die schon immer eine diversifizierte agrarökologische Landwirtschaft betrieben oder zu dieser übergegangen sind, haben den US-Landwirtschaftssektor effektiv subventioniert. Es ist aber selten, dass diese Nahrungsmittelproduzenten ihren Lebensunterhalt ohne zusätzliches Einkommen bestreiten können. Es überrascht nicht, dass die Zahl der Selbstmorde unter Landwirtinnen im ländlichen Amerika um 45% höher ist als im Rest der Bevölkerung.

Die WTO hat tatsächlich die ohnehin schon ungleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden verschlechtert. Nun kann und sollte jeder Nationalstaat mindestens Kleinbäuer*innen vor Deregulierungsbestrebungen wie den drei Landwirtschaftsgesetzen in Indien schützen, die die begrenzte Verhandlungsmacht der Landwirt*innen schmälern und sie von ihren Höfen verdrängen. In den USA hatte sich derweil die Agenda der vorherigen Regierung "hauptsächlich auf Deregulierung und die Erhöhung der Hilfen für Rohstofffarmer konzentrierte, während die Nahrungsmittelhilfe für bedürftige Familien gekürzt wurde, [was] lang anhaltende Auswirkungen haben wird."

Die Biden-Harris-Regierung hat einen vielversprechenden Start hingelegt, doch es bleibt noch viel zu tun in Bezug auf Gleichberechtigung, Umwelt- und ethnische Gerechtigkeit in der Ernährungs- und Agrarpolitik, sowohl in den USA als auch international. Die US-Regierung muss endlich aufhören, den Interessen der Agrarindustrie Vorrang vor denen der Kleinbäuer*innen einzuräumen und damit die weitere Konzernisierung des Lebensmittelsystems hier und in anderen Ländern zu unterstützen. Die USA müssen außerdem multilaterale Governance-Normen unterstützen, die Indiens Übergang zu klimaresistenten, biodiversen und wassersparenden Nahrungsmittelsystemen unterstützen. Das würde auch bedeuten, dass die Handelsregeln harmonisiert werden müssen, um Paritätspreise und die öffentliche Beschaffung von Nahrungsmitteln einzubeziehen.

Wir haben großen Respekt vor den vereinten Kämpfen, die die Bäuer*innen sowie Landarbeiter*innen von Samyukt Kisan Morcha aufgebaut haben, und wir stehen an ihrer Seite. Wir fordern beide Regierungen auf, unabhängige Familienbetriebe und lokale Lebensmittelsysteme zu unterstützen, die Ernährungssouveränität zu gewährleisten und den Lebensunterhalt von Millionen von Menschen zu sichern. Dies ist die Grundlage für die Ernährungssicherheit und das Wohlergehen der Bevölkerung.

Unterstützt von:

A Growing Culture

Abanitu Organics

AFGE Local 3354

Agri-Cultura Cooperative Network

Agricultural Justice Project

Agroecology Commons

Agroecology Research-Action Collective

Alabama State Association of Cooperatives

Alianza Nacional de Campesinas

Alliance for Progressive South Asians (Twin Cities)

American Sustainable Business Council

Americana World Community Center

Ancestor Energy

Association for Farmers Rights Defense, AFRD Georgia

Black Farmers & Ranchers New Mexico/National Latino Farmers and Ranchers Trade Association

Buttermilk Falls CSA

Center for Regional Agriculture Food and Transformation

CoFED

Community Agroecology Network

Community Alliance for Global Justice

Community Alliance with Family Farmers

Community Farm Alliance

Community Food and Justice Coalition

Compassionate Action for Animals

Disparity to Parity

Earth Ethics Actio

East Michigan Environmental Action Council/Cass Commons

Echo Valley Hope

Ecologistas en Acción

Ecosocialist Working Group, International Committee, Democratic Socialists of America

Fair World Project

Family Farm Action Alliance

Family Farm Defenders

Farm Aid

Farm and Ranch Freedom Alliance

Farmers On The Move

Farmworker Association of Florida

Ground Operations

Health of Mother Earth Foundation

i4Farmers

Imagining Transnational Solidarities Research Circle

Institute for Agriculture and Trade Policy

Institute for Earthbound Studies

Just Transition Alliance

Land Core

National Latino Farmers & Ranchers Trade Association

National Family Farmers Coalition

Natures Wisdom

NC Climate Justice Collective

NeverEndingFood

North Carolina Association of Black Lawyers Land Loss Prevention Project

Northeast Organic Farming Association—Vermont

Northeast Organic Farming Association, Mass. Chapter

Northeast Organic Farming Association-Interstate Council

OPEIU 39

Peoples Architecture Commonwealth

Pesticide Action Network North America

Philadelphia Community farm

Real Food Media

Regenerative Organic Alliance

Regenerative Rising

Rural Advancement Foundation International-USA

Rural Advancement Fund of the National Sharecropper Fund

Rural Coalition

Rural Development Leadership Network

Rural Vermont

Safe Food and Feed Foundation

Santa Cruz Permaculture

Science for the People

Science for the People —Twin Cities

Seeds for All

Shaping Change Collaborative

Sierra Club-USA

Southeastern African-American Farmers' Organic Network

Steward Foundation

Texas Drought Project

The Carbon Underground

United People Community Organization, Market, and Farms

University of MN Food Recovery Network

Uprooted & Rising

US Food Sovereignty Alliance

Utopia Cornucopia

Vision for Change Foundation

Vitis and Ovis Farm

Washington Biotechnology Action Council

Wisconsin Network for Peace and Justice

Women’s Environmental Institute

Foto: Rohit Lohia

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Translators
Nicole Millow and Tim Steins
Date
04.03.2021

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