Pakistan: Aufbau der Macht der Arbeiter*innen

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Für „Building the Future“, eine Forschungsreihe zum zeitgenössischen sozialistischen Aufbau, werfen wir einen Blick auf die Haqooq-e-Khalq-Partei – eine Studentenbewegung, die sich zu einer politischen Partei der pakistanischen Arbeiterklasse entwickelte.

„Wir hatten Marx gelesen, wir hatten Mao gelesen, wir hatten Fidel gelesen. Aber als wir in Chungi ankamen, sahen wir, dass Menschen, die diese Namen noch nie gehört hatten, Marx bereits kannten. Sie lebten Marx.“

— Dr. Alia Haider

In die Städte kam ich zu der Zeit der Unordnung,

als da Hunger herrschte.

Unter die Menschen kam ich zur Zeit des Aufruhrs,

und ich empörte mich mit ihnen.

— Bertold Brecht

Einleitung: Die Grenzen des Reformismus

Am 29. November 2019 veranstalteten Studierende in über fünfzig Städten in ganz Pakistan Protestmärsche. Der Students Solidarity March – der erste Massenaufstand von Studierenden seit Jahrzehnten – forderte die Wiedereinführung der studentischen Vereinigungen, ein Ende der Gebührenerhöhungen und die Entmilitarisierung der Hochschulgelände. Er wurde vom Student Action Committee organisiert, mit Unterstützung der Haqooq-e-Khalq Movement (HKM), Gewerkschaften und Bauernorganisationen. Tausende gingen auf die Straße. Innerhalb weniger Tage reagierte der Staat. Anklagen wegen Aufwiegelung wurden gegen die Organisator*innen erhoben, darunter den HKM-Gründer Ammar Ali Jan und den Gewerkschaftsorganisator Farooq Tariq. Ali Jan wurde vom stellvertretenden Kommissar von Lahore als „Gefahr für die öffentliche Sicherheit“ eingestuft und gemäß der kolonialzeitlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung festgenommen.

Der Marsch hatte aber auch einige Erfolge zu verzeichnen. Eine Provinz kündigte sogar an, das Verbot von Studentenvereinigungen aufzuheben. Dennoch zeigte die Reaktion des Staates die Grenzen der Bewegungspolitik innerhalb der bestehenden politischen Struktur Pakistans auf. Insgesamt wurde auf die Appelle nicht eingegangen. Die Proteste schwollen an und ebbten dann ab. Die Anklagen wegen Aufwiegelung blieben bestehen und die staatliche Repression setzte sich mit jeder neuen Protestwelle fort. In einer solchen Pattsituation kann eine Bewegung auf die trügerischen Sicherheiten des Reformismus zurückgreifen. Oder sie nimmt ihren Auftrag ernst und überdenkt die Taktiken, Strategien und Theorien, die sie antreiben – ein Prozess, der die Aktivist*innen dazu zwingen, zu Archäolog*innen zu werden, um die Vergangenheit auszugraben und neue Pläne für die Gegenwart zu entwerfen.

Für die HKM wurde diese Sackgasse zum Scheideweg. Jahrelang wurde die Studentenbewegung von den wohlhabenderen Schichten der pakistanischen Gesellschaft dominiert – eine höhere Bildung bleibt für die Arbeiterklasse und die Bauernschaft größtenteils unerreichbar. Aber eine Politik, die von den tatsächlichen Lebensbedingungen der Arbeitenden losgelöst ist, kann kaum die tiefgreifenden strukturellen Probleme der pakistanischen Gesellschaft lösen. Die notwendige Transformation, um ein würdevolles Leben für die Menschen in Pakistan zu gewährleisten, würde nicht von oben herab erfolgen; sie musste von und für die Arbeiterklasse und die Bauernschaft des Landes aufgebaut werden. Diese Erkenntnisse brachte die Organisator*innen der Bewegung im Januar 2023 in die schlammigen Straßen von Chungi Amar Sidhu, einem verarmten Arbeiter*innenviertel in Lahore – und von dort aus entwickelte sich eine neue Art politischer Organisation.

So wurde die Haqooq-e-Khalq-Bewegung zur Haqooq-e-Khalq-Partei (HKP) – der Partei für die Rechte des Volkes. Die HKP entstand aus der Erkenntnis, dass die Transformation Pakistans nicht nur darin besteht, an Institutionen zu appellieren, sondern alternative Strukturen der Volksmacht aufzubauen, durch die arbeitende Menschen ihre eigenen politischen Forderungen formulieren und voranbringen können. Eine Bewegung für die Unterdrückten würde keinen Wandel herbeiführen – stattdessen wurde eine neue Bewegung der Unterdrückten gebraucht, die ihre gemeinsamen Bestrebungen verkörpern und vorantreiben kann.

In Pakistan ist die politische Landschaft eine sorgfältig konstruierte „Patronage-Maschine“, in der verschiedene Fraktionen der herrschenden Klasse – das Militär, die Feudalherren und die Kompradoren-Kapitalisten – um die Macht kämpfen, während Arbeitende systematisch von jeglicher sinnvollen Mitwirkung ausgeschlossen werden. Dieser Ausschluss ist strukturell und wurzelt in den materiellen Machtverhältnissen, die seit der Teilung des Subkontinents entstanden sind und sich weiterentwickelt haben. Der pakistanische Staatsapparat, der aus der Kolonialverwaltung übernommen und später durch militärisch-bürokratische Strukturen weiterentwickelt wurde, dient in erster Linie dazu, zwischen konkurrierenden Eliteinteressen zu vermitteln und gleichzeitig die Grundarchitektur der Ausbeutung aufrechtzuerhalten.

Hier zeigen sowohl reformistische als auch rein humanitäre Ansätze des zeitgenössischen sozialen Aktivismus ihre wesentlichen Grenzen. Ein Staat, der darauf ausgelegt ist, arbeitende Menschen von der Macht auszuschließen, kann nicht angefochten werden – zumindest nicht auf eine Weise, die dauerhafte Veränderungen bewirkt. Und obwohl humanitäre Maßnahmen eine gewisse Linderung verschaffen können, bekämpfen solche Interventionen nicht die systemische Reproduktion von Armut und Unterdrückung. Das Wissen um diese Einschränkungen schafft die objektiven Bedingungen, um sich von der Politik der Nichtregierungsorganisation oder der reformistischen Bewegung – die lange Zeit die politische Landschaft der pakistanischen Opposition dominierte – zugunsten revolutionärer Alternativen abzuwenden.

Die Gründung der HKP stellt somit mehr dar als lediglich eine weitere politische Partei, die Pakistans Wahlarena betritt. Sie ist ein Versuch, eine politische Organisation aufzubauen, die in der Lage ist, die Bestrebungen der arbeitenden Massen weiterzuentwickeln und voranzutreiben, während sie diese zugleich auf die Aufgabe der Regierungsführung vorbereitet. Und sie ist eine bewusste Maßnahme, um die Pattsituationen früherer politischer Strategien zu überwinden. „In der pakistanischen Linken gab es früher entweder anarchistische Typen, die sagten: ‚Alles auf der Welt und alles, was in der Geschichte der Linken passiert ist, ist falsch‘“, sagte Ammar Ali Jan, „oder es gab diejenigen, die nostalgisch waren.“ Die Partei versuchte, beide Tendenzen zu überwinden, indem sie ein neues politisches Vehikel aufbaute, das fest in der pakistanischen Arbeiterklasse verwurzelt sein sollte.

Der Kampf für den Kommunismus in Pakistan

Die linke politische Tradition Pakistans erreichte ihren Höhepunkt in den 1960er Jahren, einer Zeit, die von kämpferischer Mobilisierung und ehrgeizigen Visionen für gesellschaftlichen Wandel geprägt war. In dieser Zeit wurden ausgefeilte Analysen von Pakistans Stellung innerhalb der globalen kapitalistischen Strukturen formuliert und konkrete Strategien zur Bewältigung der verwobenen Herausforderungen des Feudalismus, Kapitalismus und der neokolonialen Abhängigkeit entwickelt.

Bis zu den 1980er und 1990er Jahren war jedoch die sozialistische Alternative, die einst unmittelbar bevorzustehen schien, weitgehend demontiert. Diese Transformation stellte einen doppelten Übergriff dar – angetrieben von sowohl globalen als auch inländischen Kräften –, der das Schlachtfeld des politischen Kampfes auf den Kopf stellte. Weltweit kappte der Zusammenbruch der Sowjetunion eine entscheidende Lebensader ideologischer und materieller Unterstützung und leitete einen langen Winter für sozialistische Bewegungen auf der ganzen Welt ein. In Pakistan selbst entwickelten herrschende Klassen zunehmend ausgefeilte Strategien der Kooptation, die die politische Organisation der Arbeiterklasse wirksam neutralisierten.

Diese Kooptationsstrategien wirkten durch „eine riesige Patronage-Maschine“, die darauf abzielte, Arbeiter*innen und Landwirt*innen von einer sinnvollen Beteiligung an der Volksmacht auszuschließen. Neben der direkten Konfrontation spielte der Staatsapparat ein raffinierteres Spiel: Er absorbierte den Volksunmut und leitete ihn in klientilistische Netzwerke um, die von lokalen Machtvermittlern streng kontrolliert wurden. Um etwas zu erreichen, mussten die richtigen Personen bezahlt oder angesprochen werden – eine Politik, die die Volksorganisierung untergrub.

Der pakistanische Staat, der in diesem Prozess Gestalt annahm, spiegelte ein komplexes Geflecht aus konkurrierenden, aber dennoch gemeinsamen Interessen der herrschenden Klasse wider. Kapitalistische, feudale und neokoloniale Elemente existierten an der Oberfläche und waren in permanentem Widerspruch zueinander, während sie sich grundlegend einig waren, die Systeme der Ausbeutung und Ausgrenzung aufrechtzuerhalten. Diese Übereinkunft führte zu häufigen Wechseln der Amtsträger*innen, ohne dass sich die Bedingungen für die pakistanische Bevölkerung entsprechend änderten. Der militärisch-bürokratische Apparat fungierte weiterhin als oberste Instanz bei politischen Konflikten und behielt seine Rolle als Königsmacher bei, während er sich an veränderte Umstände anpasste.

Die Folgen der Fragmentierung der Linken reichten über den organisatorischen Niedergang hinaus. Als die Bewegungen der Arbeiterklasse zusammenbrachen, füllten rechte Kräfte die entstandene Lücke. Das Gleiche war in ganz Südasien zu erkennen. In Mumbai hatte die Shiv Sena die kommunistischen Textilgewerkschaften ersetzt. In Westbengalen begannen ehemalige kommunistische Hochburgen für die hindu-nationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) zu stimmen. Diese Analyse prägte von Anfang an die strategische Ausrichtung der HKP. Die Partei wies die weit verbreitete Annahme zurück, dass soziale Bewegungen zwangsläufig zu progressiver Politik tendieren. Stattdessen wird der politische Gehalt einer Bewegung von Organisationen bestimmt, die in den Massen verankert sind – Organisationen, die verschiedene Formen annehmen und unterschiedliche Ideologien vertreten können. Die Lehre für Pakistan war eindeutig: Wichtiger als auf einen sozialen Aufstand zu warten, war es, die organisatorische Arbeit zu leisten – Institutionen aufzubauen, in der Arbeiterklasse präsent zu sein – bevor ein sozialer Umbruch oder eine revolutionäre Situation auftritt.

In diesem Kontext nahm die HKP allmählich Gestalt an. Die Wahl von Chungi als Standort für den Parteiaufbau spiegelt dieses historische Bewusstsein wider. Anstatt zu versuchen, die Linke innerhalb der intellektuellen oder studentischen Kreise wiederaufzubauen, die lange das Terrain der oppositionellen Politik gewesen waren, erkannten die Gründer*innen der HKP die Notwendigkeit, revolutionäre Politik in den Erfahrungen der am stärksten unterdrückten Menschen Pakistans zu verankern. Dies stellte eine bewusste Abkehr von den Mustern dar, die zur Fragmentierung und Isolation der früheren Linken beigetragen hatten – und einen Versuch, die längst verlorenen Traditionen der radikalen politischen Bewegung Pakistans wiederzubeleben.

Von der Studentenbewegung zur Arbeiterorganisation

Diese Umwandlung der HKM in die HKP verlief in mehreren Phasen. Im Zuge der Studentenmobilisierungen von 2019 und der darauf folgenden staatlichen Repression wurde die Frage, ob die HKM eine Bewegung bleiben oder sich als Partei formalisieren sollte, zum Gegenstand intensiver interner Debatten. Die Covid-19-Pandemie, die Pakistan im Jahr 2020 traf, beschleunigte die Antwort. Als der Staat die arbeitenden Gemeinschaften dem Virus und der damit verbundenen wirtschaftlichen Verwüstung überließ, organisierte die HKM Lebensmittelaktionen, Feldspitäler und Impfaufklärungskampagnen.

In Chungi meldeten Schulen einen Rückgang der Anmeldungen um 15 Prozent, als die Wirtschaftskrise die Arbeiterfamilien traf. Die HKM organisierte Büchersammlungen, mobilisierte internationale Spenden, vergab Stipendien, veranstaltete Sommerlager und betrieb eine kostenlose Abendschule für Kinder, die die Schule abgebrochen hatten. Diese Erfahrungen bestätigten, was die Blockade von 2019 angedeutet hatte: Die Bewegung benötigte eine institutionelle Form. Im März 2022 verkündete die HKM auf einer Massenversammlung in Lahore, die arbeitende Menschen aus der ganzen Stadt und den umliegenden Gebieten zusammenbrachte, dass sie sich als politische Partei registrieren und an Wahlen teilnehmen werde. Die Partei wurde im November 2022 offiziell bei der Wahlkommission Pakistans registriert. Im Januar 2023 bereisten Ammar Ali Jan und eine kleine Gruppe von Organisator*innen die Arbeitergemeinschaften von Chungi, um mit dem Aufbau der Parteibasis zu beginnen.

Die strategische Bedeutung von Chungi geht über ihre demografischen Merkmale hinaus und umfasst ihre Lage innerhalb des Ballungsgebiets von Lahore. In unmittelbarer Nähe zu den Bezirken der Defence Housing Authority (DHA), in denen Pakistans Militär- und Berufseliten wohnen, offenbart Chungi die Klassenwidersprüche, die die pakistanische Gesellschaft prägen – mit so prekären Lebensbedingungen, dass sie das Leben der Bewohner*innen verkürzen. Als HKM-Organisator*innen beispielsweise die Wasserversorgung in Chungi und den umliegenden Vierteln testeten, stellten sie fest, dass sie mit Abwasser verunreinigt war. In der benachbarten Siedlung Shareef Pura, als Dr. Alia Haider – die Gesundheitssekretärin der Partei in Punjab – kostenlose Feldspitäler leitete, bemerkte sie ein Muster. Ein Mädchen kam zu ihr zur Untersuchung. Nach ihrem Aussehen zu urteilen, nahm Dr. Haider an, dass sie neun oder zehn Jahre alt war. Sie war siebzehn. Dies war kein Ausnahmefall. Kinder der gesamten Umgebung hatten Wachstumsstörungen, geschwärzte Zähne und geschwollenes Zahnfleisch. Frauen berichteten von häufigen Fehlgeburten und Totgeburten.

Die HKP holte Dr. Nousheen Zaidi, Krebsbiologin an der Punjab University und Parteimitglied, die ein Team von Studierenden zusammenstellte, um Blut-, Wasser- und Bodenproben aus dreihundert Haushalten zu prüfen. Die Ergebnisse waren verheerend: 52 Prozent der Bewohner*innen von Shareef Pura waren anämisch; im nahegelegenen Shadipura, wo Gießereien Altmetall mit Bleianteil einschmolzen, litten 82  Prozent der Kinder an Anämie und 36  Prozent der Frauen hatten Fehlgeburten erlitten. Der Bleigehalt im Boden von Shadipura erreichte 22.900 Teile pro Million – fast das Sechzigfache des Grenzwerts, ab dem die United States Environmental Protection Agency Kindern das Spielen im Freien verbietet. Als Dr. Zaidis Team die Ergebnisse der Water and Sanitation Authority (WASA) unterbreitete, wurde ihnen mitgeteilt, dass die Kontamination nicht in den Zuständigkeitsbereich der WASA falle. Das Team schickte daraufhin der WASA Proben von Marken-Flaschenwasser mit zugesetztem Blei; staatliche Labore erklärten es für sauber und sicher.

Die Bleikrise wurde zu einem entscheidenden Anstoß für die Frage der Parteibildung der HKP. Die von ihnen eingerichteten Feldspitäler behandelten Symptome und verbreiteten zugleich politisches Wissen über die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse in diesen Gemeinschaften – sowie über die verkettete unternehmerische und staatliche Komplizenschaft, die diese Zustände aufrechterhielt. Die Partei verwandelte dieses Wissen in Forderungen – nach Wasseraufbereitungsfiltern, Bodensanierung und der Durchsetzung von Umweltvorschriften – und begann, rechtliche Schritte einzuleiten, um den Staat zur Rechenschaft zu ziehen. Diese Methodologie stützte sich klar auf erfolgreiche revolutionäre Erfahrungen in Kuba und China, wo Massenbewegungen durch Koalitionen entstanden, die Bauern, Intellektuelle, Frauen, Arbeiter und Jugendliche vereinten, um die konkreten Probleme des alltäglichen Lebens unter feudalen, kolonialen und imperialistischen Strukturen anzugehen. Wie Dr. Alia Haider, eine HKP-Organisatorin, erklärte: „Wir hatten Marx gelesen, wir hatten Mao gelesen, wir hatten Fidel gelesen. Aber als wir in Chungi ankamen, sahen wir, dass Menschen, die diese Namen noch nie gehört hatten, Marx bereits kannten. Sie lebten Marx.“

Der Übergang von der Bewegung zur Partei spiegelte die Erkenntnis wider, dass eine bloße äußere Repräsentation nicht ausreichte, um das Klassenbewusstsein der Arbeiter*innen zu wecken oder den Protagonismus der Arbeitenden zu stärken. Wie Ali Jan sagte: „Die pakistanische Arbeiterklasse existiert nicht als eigenständiges politisches Subjekt. Sie existiert in einem Zustand des Nicht-Seins und ist unfähig, ihre Interessen durchzusetzen. Um die Arbeiterklasse zu wecken, war es notwendig, den subjektiven Faktor der Revolution – die Partei – mit all der Geduld, Konsequenz und dem Mut aufzubauen, den dies erfordert.“

Dieser theoretische Rahmen basiert auf der marxistischen Analyse politischer Parteien als Vehikel zur Vertretung von Klasseninteressen. In den meisten Fällen fehlen in kapitalistischen Gesellschaften politische Parteien, die die Arbeiterklasse vertreten – stattdessen gibt es eine Vielzahl von Parteien, die verschiedene Fraktionen der herrschenden Klasse repräsentieren. Deshalb ist es unerlässlich, eine Partei der Arbeitenden zu gründen. Die historische Aufgabe einer solchen Partei besteht darin, die Bestrebungen der arbeitenden Massen aufzugreifen, weiterzuentwickeln und voranzubringen. Ohne solche organisatorischen Vehikel bleibt die politische Aktivität der Arbeiterklasse fragmentiert und schlussendlich der bürgerlichen politischen Logik untergeordnet. Die Partei dient als institutioneller Mechanismus, durch den verstreute individuelle Erfahrungen von Ausbeutung und Widerstand zu einer kohärenten politischen Strategie und kollektiven Aktion zusammengefasst werden können.

Die praktische Umsetzung dieser theoretischen Erkenntnisse erforderte die Entwicklung von Strategien, die langfristig die politische Arbeit leisten und gleichzeitig eine Verbindung zu den dringendsten Bedürfnissen der Gemeinschaft aufrecht erhalten können. Die frühen Aktivitäten der HKM konzentrierten sich beispielsweise darauf, Gesundheitskrisen mittels Mobilisierung der Gemeinschaft für die Straßenreinigung und Kanalwartung anzugehen. Diese Initiativen erfüllten mehrere Funktionen: Sie sorgten für unmittelbare materielle Verbesserungen, demonstrierten das Potenzial kollektiven Handelns und schufen Räume für politische Diskussion und Bildung.

Die Organisation der Arbeitenden von Lahore: Praktische Strategien für die Volksmacht

Der Ansatz der HKP integriert Institutionalisierung – den Prozess des Aufbaus von Strukturen, die in der Lage sind, Menschen zu organisieren, um auf die unmittelbaren Bedürfnisse ihrer Gemeinschaft zu reagieren – mit politischer Bildung und Mobilisierung.

Die Einrichtung wöchentlicher Feldspitäler im Jahr 2022 unter der Leitung von Dr. Alia Haider verkörperte diesen Ansatz. Diese Initiativen entstanden aus der Erkenntnis, dass die Probleme der Gemeinschaften der Arbeiterklasse nicht einfach durch humanitäre Bemühungen behoben werden können. Wie Dr. Alia erklärte: „Als wir begannen, das erste unserer kostenlosen Feldspitäler zu organisieren, erkannten wir, dass das Ausmaß der Misere, mit der die Arbeiterklasse zu kämpfen hat, unsere Möglichkeiten als Bewegung überstieg. Wir mussten also nicht nur die Infrastruktur entwickeln, um diese Menschen zu unterstützen, sondern auch eine Politik der Solidarität fördern.“

Die Eröffnung der Khalq Clinic im August 2023 stellte einen bedeutenden Fortschritt in diesem Prozess dar. Sie richtete kostenlose Feldspitäler in Arbeitervierteln in ganz Lahore ein. Über die Bereitstellung einer Grundversorgung hinaus verfolgte die Klinik ein politisches Ziel: Sie zeigte die Möglichkeit auf, die Gesellschaft nach Prinzipien des kollektiven Wohlergehens statt individuellen Profits zu organisieren. Die Anwesenheit des kubanischen Botschafters bei der Eröffnungszeremonie der Klinik verband diese lokalen Bemühungen symbolisch mit den umfassenderen Traditionen des medizinischen Internationalismus und des sozialistischen Aufbaus.

Die Bildungsinitiativen der Partei folgten einer ähnlichen Logik. In Chungi gründete die HKP fünf Berufsschulen, die Kurse in Englisch, Informatik, Finanzmanagement und Wirtschaft anbieten. Diese Programme sprachen unmittelbare Bedürfnisse nach Kompetenzentwicklung an, während sie gleichzeitig Räume für politische Bildung schufen, die das Bewusstsein sowohl der Arbeiter*innen in Chungi als auch der Universitätsstudent*innen, die sich mit der HKP organisierten, stärkten. Die Wahlkampagne im Februar 2024 bot eine Plattform, um diese organisatorischen Ansätze zu erproben und auszuweiten. Die Mobilisierung von siebenhundert Wahlkampfhelfer*innen, darunter siebzehnjährige Absolvent*innen der Berufsschulen, die komplexe Wählerregistrierungsprozesse meisterten, zeigte den Erfolg der Partei bei der Entwicklung lokaler Führungskompetenzen und Governance-Fähigkeiten.

Obwohl die Kampagne insgesamt nur 2.174 Stimmen an mehreren Wahllokalen erzielte, interpretierte die Führung der HKP diese Ergebnisse im Rahmen breiterer strategischer Ziele korrekt. Die Kampagne hatte ihre Hauptziele erreicht: den Ausbau der organisatorischen Kapazitäten, die Vertiefung der Beziehungen zur Gemeinschaft und den Nachweis der Möglichkeit alternativer politischer Ansätze. Im Gegensatz zu den etablierten Parteien, die das Viertel nur während Wahlkampagnen besuchten, unterhielt die HKP eine dauerhafte Präsenz und weitete ihre Aktivitäten kontinuierlich aus.

Der Erfolg der Partei bei der Organisierung am Arbeitsplatz zeigte die zentrale Bedeutung der Entwicklung einer organischen Führung der Arbeiterklasse. Wesentlich bei diesem Prozess war Baba Latif Ansari. Baba Latif hat seine Schulbildung nie abgeschlossen. Er stammte aus einfachen Verhältnissen und begann als religiöser Aktivist, bevor er sein Verständnis von Kampf neu definierte – und „jihad“ als Gerechtigkeit am Arbeitsplatz neu interpretierte. Im Jahr 2003 gründete er die Labour Qaumi Movement, um die Ausbeutung von Industriearbeiter*innen zu bekämpfen. Im Jahr 2014 versuchten Fabrikbesitzer, ihn zu ermorden; er überlebte. Als er Präsident der Punjab-Sektion der HKP wurde, war er bereits ein einflussreicher Gewerkschaftsführer und eine der wichtigsten Stimmen der Arbeiterklasse in Pakistan.

Neben Baba Latif trat ein zweiter organischer Anführer aus der Chawla-Fabrik hervor: Maulana Shahbaz, ein Arbeiter und ein religiöser Geistlicher. Der Kampf in der Chawla-Fabrik begann mit einem Skandal: Die Arbeiter*innen erhielten 16.000 pakistanische Rupien pro Monat – etwa US$ 60 –, während der gesetzliche Mindestlohn 32.000 betrug. Die Arbeiter*innen waren ratlos. Da griff die HKP ein und arbeitete mit ihnen zusammen, um ihre Forderung nach höheren Löhnen zu formulieren. Ein anschließender staatlicher Eingriff steigerte die Löhne auf 23.000 Rupien – die größte Erhöhung seit 2001. Als die Regierung einen neuen Mindestlohn von 37.000 Rupien ankündigte, folgte eine weitere Phase der Aufklärung und Organisierung. Shahbaz stach als führende Stimme hervor und sprach auf der ersten Arbeiterkonferenz der HKP in Kot Lakhpat im Juli 2024, zusammen mit Arbeiter*innen aus anderen Fabriken. Am nächsten Tag wurde er entlassen. Innerhalb von fünf Minuten stellten die Arbeiter*innen die Produktion ein und verließen aus Solidarität die Fabrik – ein Akt, der in der Gegend nach übereinstimmenden Berichten beispiellos war.

Die HKP kämpfte dann an drei Fronten gleichzeitig: Sie unterstützte die Protestaktion der Fabrikarbeiter*innen, verteidigte deren Unterkünfte im Hostel, nachdem der Eigentümer versuchte, Massenräumungen durchzusetzen, und baute genügend medialen und öffentlichen Druck auf, um Verhandlungen zu erzwingen. Das Ergebnis übertraf jegliche Erwartungen. Arbeiter*innen, denen als Abfindung der Mindestlohn angeboten worden war – 23.000 Rupien – erhielten schließlich zwischen 200.000 und einer Million Rupien (etwa US$ 700 bis 3200), je nach Dienstalter. Dies stellt laut Jan „den größten goldenen Handschlag im Industriesektor seit mindestens den siebziger Jahren“ dar.

Der Chawla-Sieg löste ein Lauffeuer aus. Bis Mitte 2024 war die Partei in acht bis zehn Fabriken in ganz Lahore aktiv, wobei die Organisierung sich auf Gujranwala und Faisalabad ausbreitete. In den Textilfabriken von Gujranwala zwangen wochenlange Streiks die lokalen Behörden dazu, bei den Vereinbarungen einzugreifen, die Lohnkürzungen rückgängig machten. In Faisalabad, wo Arbeiter*innen die Fabrikkorridore blockierten und riefen: „Kam do ya jaan do!“ – „Gebt Arbeit oder gebt den Tod!“ – reagierten die Fabrikbesitzer mit der Aussperrung der Arbeiter*innen von über dreihundert Fabriken, verriegelten die Tore und froren die Löhne ein. Ein Arbeitsgericht erklärte die Aussperrung der Arbeitnehmer*innen später für illegal.

Die Jhang-Kissan-Konferenz im Oktober 2024 markierte die Hinwendung der HKP zur ländlichen Dimension der Klassenstruktur Pakistans. Mitveranstaltet mit dem Pakistan Kissan Rabita Committee (PKRC) – einem Netzwerk von 26 kleinen Bauernorganisationen und dem einzigen pakistanischen Mitglied der internationalen Bauernbewegung La Via Campesina – versammelte die Konferenz Tausende von Kleinbauern, landlosen Landwirt*innen, Landarbeiter*innen, Gewerkschafter*innen und Jugendlichen aus ganz Punjab und Sindh. Baba Latif Ansari warnte die Menge in seiner Ansprache: „Unser angestammtes Land, unsere Lebensgrundlage und unsere Identität stehen auf dem Spiel. Konzernlandwirtschaft wird nur zu Ausbeutung, Vertreibung und Verwüstung unserer Gemeinschaften führen. Wir sind das Rückgrat dieser Nation, die das Volk ernähren, und es ist an der Zeit, dass unsere Stimmen gehört werden.“

Die Konferenz verabschiedete ein 23-Punkte-Programm für die Agrarreform. Zu den Forderungen gehörten unter anderem: die sofortige Festlegung von Mindeststützpreisen für Weizen, Baumwolle, Zuckerrohr, Reis und Mais sowie der direkte Ankauf von Weizen von den Landwirten. Und sie enthielten auch strukturelle Maßnahmen: Beendigung der Konzernlandwirtschaft und Verteilung von staatlichen und privaten Grundstücken unter Bauern, Kleinbauern sowie der landlosen ländlichen Bevölkerung; Abschaffung von Politiken, die dem Privatsektor erlauben, Getreide zu importieren und es in Konkurrenz zu lokalen Produzenten auf den Markt zu bringen; Beendigung der vom IWF und der WTO geleiteten offenen Marktpolitiken; Umstrukturierung des Bewässerungssystems und Festsetzung der Strompreise für Kleinbauern auf zehn Rupien pro Einheit. Das Programm stellte eine kohärente Alternative zur Green Pakistan Initiative der Regierung dar, die von Bauernorganisationen beschuldigt wurde, Tausende von Familien von ihrem Land zu vertreiben, um Unternehmensinteressen zu begünstigen.

In den darauffolgenden Monaten organisierte das Bündnis zwischen PKRC, HKP und gleichgesinnten Formationen landesweite Mobilisierungen – darunter am Internationalen Tag des bäuerlichen Widerstands im April 2025, mit Großversammlungen in Depalpur in Punjab und in ganz Sindh. Diese Aktionen stellten ausdrücklich eine Verbindung zwischen der Agrarkrise und allgemeineren Mustern her: der Förderung der industriellen Landwirtschaft durch die Regierung, dem Bau von Kanälen am Indus, die drohten, den unteren Flussanrainerregionen das Bewässerungswasser abzuschneiden, und den vom IWF auferlegten Strukturanpassungsprogrammen, die systematisch die Großgrundbesitzer und Unternehmensinteressen gegenüber den Kleinbauern bevorzugen, obwohl diese die Mehrheit der landwirtschaftlichen Bevölkerung Pakistans ausmachen.

Diese Kämpfe wurden von einer strukturellen wirtschaftlichen Analyse untermauert, die die Partei programmatisch vorantrieb. Pakistan, so argumentierte die Partei, habe „vorzeitig deindustrialisiert“ – nicht weil die Arbeiter*innen zu viel gefordert hätten, sondern weil die Eliten produktive Investitionen zugunsten von Spekulationen mit Land, Bodenschätzen, Aktien und Immobilien aufgegeben hätten. Kürzlich hat sich die Partei dem wichtigsten Oppositionsbündnis des Landes, der Tehreek-Tahaffuz-e-Aaine-Pakistan (Bewegung zum Schutz der Verfassung), angeschlossen, um eine breite Front gegen die derzeitige militärgestützte Regierung in Pakistan aufzubauen. Nach jahrzehntelanger Isolation ist die Linke in Pakistan in die Mainstream-Politik des Landes getreten. Dennoch liegt der Schwerpunkt der Partei weiterhin darauf, starke ideologische Kader im ganzen Land als Grundlage für politisches Bewusstsein auszubilden.

Während all dieser Aktivitäten hielt die HKP ausdrücklich an ihrem internationalistischen Engagement fest. Die Partei organisierte regelmäßige Proteste in Solidarität mit Palästina und Libanon, äußerte gegenüber der iranischen Widerstandsbewegung gegen zionistisch-imperialistische Angriffe ihre bedingungslose Unterstützung, kämpfte gegen den neuen Kalten Krieg gegen China, bekundete ihre Freundschaft mit Kuba und positionierte sich innerhalb einer umfassenderen Analyse von Pakistans Rolle in der sich wandelnden globalen Ordnung. Dieser Internationalismus spiegelte das theoretische Verständnis wider, dass lokale Kämpfe gegen Ausbeutung mit globalen Mustern von Imperialismus und Widerstand verbunden sind. Der Aufbau eines revolutionären Bewusstseins erfordert das Verständnis dieser Zusammenhänge, anstelle der Einschränkung politischer Horizonte auf die Landesgrenzen.

Fazit

Die Gründung und die Entwicklung der Haqooq-e-Khalq Party stellen einen bedeutenden Beitrag zum zeitgenössischen Verständnis revolutionärer Strategien unter den Bedingungen des Kapitalismus des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar. Die Erfahrungen der Partei in Chungi liefern praktische Belege dafür, dass das Studium der Geschichte vergangener Kämpfe und die Anwendung theoretischer Erkenntnisse auf zeitgenössische Bedingungen zum Aufbau der kollektiven Macht der Arbeiterklasse nach wie vor der einzige gangbare Weg zu strukturellem Wandel ist.

Der strategische Ansatz der HKP geht auf grundlegende Fragen revolutionärer Bewegungen ein, die innerhalb formal-demokratischer politischer Systeme, welche von bürgerlichen Parteien und Patronage-Netzwerken beherrscht werden, agieren. Wie kann das politische Bewusstsein der Arbeiterklasse in Gesellschaften entwickelt werden, in denen der politische Diskurs systematisch die Klassenanalyse ausschließt? Wie können revolutionäre Organisationen eine langfristige strategische Vision aufrechterhalten, während sie sich gleichzeitig mit unmittelbaren materiellen Bedürfnissen auseinandersetzen müssen? Wie können lokale Organisierungsbemühungen mit umfassenderen transformativen Projekten verknüpft werden, ohne die Verankerung in konkreten Kämpfen zu verlieren?

Wie viele radikale Bewegungen vor ihr hat die HKP Antworten in der geduldigen Arbeit der Gemeinschaftsorganisation gefunden, die sie als dialektisch untrennbar von der langfristigen Aufgabe betrachtet, die Arbeiterklassen-Subjektivität wieder aufzubauen und sich neu zu behaupten. Die Menschen werden mobilisiert, um einen Kanal zu säubern oder eine Klinik zu bauen. Im Verlauf dieses Prozesses entwickeln sie die Fähigkeiten, Kapazitäten und das Selbstvertrauen, ihre eigenen Lebensbedingungen zu verändern. So werden atomisierte Individuen, die Ausbeutung erfahren, zu politischen Subjekten, die nicht länger den Launen der herrschenden Klasse ausgeliefert sind. Das ist der Ablauf der revolutionären Entwicklung, so entstehen der Sozialismus und die Demokratie. Der Prozess ist nicht einfach, und er hängt auch nicht von politischen Subjekten ab, die bereits vollkommene „Sozialisten“ oder „Kommunisten“ sind. Es ist tatsächlich ein dialektischer Prozess, bei dem Menschen durch den Akt der politischen Konstruktion selbst geformt und transformiert werden.

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Translators
Nathalie Guizilin and ProZ Pro Bono
Published
07.04.2026
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