Briefing

PI-Rundbrief | Nr. 21 | „A Predatory State“ - Neuer Bericht zu Israels Foltertaktiken

Der zionistische Kolonialismus stützt sich seit seinen Anfängen auf sexuelle Gewalt gegen Palästinenser*innen.
Im einundzwanzigsten Rundbrief der Progressiven Internationale des Jahres 2026 befassen wir uns mit einem bahnbrechenden neuen Bericht des Palestinian Feminist Collective (PFC).

„Es war der tiefste Abgrund der Hölle.“

So beschrieb Mohammed Qaoud, ein Journalist aus Gaza, seine Inhaftierung durch israelische Streitkräfte im berüchtigten Konzentrationslager Sde Teiman. In einem Webinar, das im Mai von der Progressiven Internationale veranstaltet wurde, schilderte er ausführlich die verschiedenen Formen der Misshandlung und Demütigung, denen er und andere politische Gefangene regelmäßig ausgesetzt waren.

Die „schwerste“ Form der Folter, so Qaoud, sei sexuelle Folter. In Sde Teiman „wurde sexuelle Folter gezielt an Gefangenen aus dem Gazastreifen ausgeübt; später wurde sie an allen Inhaftierten angewendet, doch zunächst konzentrierte sie sich auf jene aus dem Gazastreifen.“ Zu den zahlreichen demütigenden Ritualen, die nicht nur darauf abzielten, die Gefangenen zu brechen, sondern auch die Fortpflanzung der palästinensischen Bevölkerung zu verhindern, gehörten Leibesvisitationen, Schläge auf die Genitalien der Gefangenen „mit dem Ziel der Kastration“ sowie Vergewaltigungen mit abgerichteten Tieren.

Sexuelle Gewalt gegen Palästinenser*innen ist das Thema eines wegweisenden neuen Berichts des Palestinian Feminist Collective (PFC), der in Zusammenarbeit mit der Progressiven Internationale veröffentlicht wurde. „A Predatory State“ vereint Aussagen von Überlebenden und Zeug*innen, freigegebene israelische Archivunterlagen, mündliche Überlieferungen von Palästinenser*innen, wissenschaftliche Forschungsergebnisse, Medienberichte, Menschenrechtsdokumentationen und Unterlagen der Vereinten Nationen zu einer einheitlichen Darstellung.

In den vergangenen drei Jahren haben sich die Beweise für den Völkermord in Gaza – und die zahlreichen damit einhergehenden Verbrechen gegen die Menschlichkeit – angehäuft und sind nicht mehr zu ignorieren. Dennoch hielten viele weiterhin an der Überzeugung fest, dass diese Gewalt eine Ausnahmeerscheinung sei: dass sie das Ergebnis einer bösartigen Regierung sei und nicht zum imperialistischen und kolonialen System in seiner reinsten Form gehört.

Viele waren der Ansicht, dass eine gewisse Gerechtigkeit wiederhergestellt werden könnte, wenn Benjamin Netanjahu einfach abgelöst würde oder „progressive“ Israelis politische Erfolge erzielen würden.

Der PFC-Bericht widerlegt diese Vorstellungen. Vielmehr zeigt er, dass sexuelle Gewalt von Anfang an ein fester Bestandteil des zionistischen Kolonialismus in Palästina war. „Sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt war historisch gesehen ein wesentlicher Bestandteil des zionistischen Projekts und treibt nach wie vor den systematischen Krieg gegen die Körper, die Intimsphäre, das Privatleben und die Lebensräume der Palästinenser*innen voran“, heißt es in dem Bericht. Der Status quo – von Ben-Gurion bis Netanjahu – ist geprägt von ritueller Gewalt, die darauf abzielt, die Lebensgrundlage des palästinensischen Volkes zu zerstören.

Der Bericht dokumentiert sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt im Zusammenhang mit Inhaftierungen, Verhören, Kriegshandlungen, Überwachungen, Familientrennungen, Zerstörung von Wohnraum und der Vorenthaltung der Verstorbenen. In israelischen Gefängnissen und Haftanstalten werden Fälle von erzwungener Nacktheit, sexueller Erniedrigung, Genitalfolter, Vergewaltigung mit Gegenständen und Vergewaltigung durch dressierte Hunde dokumentiert. Was Gaza betrifft, so zeichnet der Bericht die Zerstörung der reproduktiven Gesundheitsversorgung nach, die Vorenthaltung von Wasser, Nahrungsmitteln, Treibstoff und Medikamenten sowie die Angriffe auf die Geburtshilfe, die die Geburt selbst zu einem Schauplatz der Belagerung machen.

So wird in dem Bericht beispielsweise darauf hingewiesen, dass die größte Fertilitätsklinik im Gazastreifen, das Basmah-IVF-Zentrum, im Dezember 2023 direkt getroffen wurde, wodurch Berichten zufolge rund 3.000 Embryonen zerstört wurden. In einem in dem Bericht dokumentierten Fall unterzog sich Rania Abu Anza zehn Jahre lang einer IVF-Behandlung, bevor sie Zwillinge zur Welt brachte. Beide Babys kamen zusammen mit ihrem Vater bei einem israelischen Luftangriff ums Leben.

Der Bericht zeigt auf, wie im gesamten besetzten Palästina „Esqat“ – sexualisierte Erpressung, Überwachung und Nötigung – eingesetzt wird, um Informant*innen zu rekrutieren, Gemeinschaften zu spalten und Palästinenser*innen mit Bloßstellung oder erfundener Schande zu bedrohen.

Der Bericht zeichnet die Kontinuität dieser Praktiken über die gesamte Geschichte des zionistischen Projekts hinweg nach. Die gleichen Methoden tauchen über Jahrzehnte hinweg und an verschiedenen Orten immer wieder auf – von der Nakba bis zur Intifada, vom kolonialen Kontrollpunkt bis nach Sde Teiman. Und sie gelten für alle Sicherheitsbehörden der Kolonialmacht: von Gefängniswärtern und Soldaten bis hin zu Polizisten und Geheimdienstmitarbeitenden. Das Ziel besteht darin, die Opfer zu demütigen, zu nötigen, zu vertreiben und letztendlich zu vernichten.

Dieser Einsatz sexueller Gewalt deutet auf ein weitaus umfassenderes und weitreichenderes Völkermordvorhaben hin als der Angriff auf Gaza. Sie stellt einen systematischen Versuch dar, das palästinensische Volk daran zu hindern, sich „biologisch und kulturell“ fortzupflanzen – um den Fortbestand der palästinensischen Gesellschaft nicht nur unerträglich, sondern letztendlich unmöglich zu machen.

Der PFC-Bericht ist ein Aufruf. Er erinnert uns daran, dass es kein Zurück zu einem gerechteren, fortschrittlicheren Kolonialismus gibt. Der Prozess, einer Gesellschaft die Struktur einer anderen aufzuzwingen, ist zwangsläufig ein gewalttätiger Prozess. Wie Franz Fanon in „Die Verdammten dieser Erde“ schrieb*:* „Der Kolonialismus ist weder eine Denkmaschine noch ein mit Vernunftfähigkeiten ausgestatteter Körper. Er ist Gewalt in ihrer reinsten Form, und sie wird nur nachlassen, wenn sie mit noch größerer Gewalt konfrontiert wird.“

Für die Palästinenser*innen kann Gerechtigkeit nur durch die Entkolonialisierung erreicht werden – durch die endgültige und unumkehrbare Rückgabe des palästinensischen Landes an das palästinensische Volk. Erst dann können die jahrzehntelangen Folterungen ein Ende finden.

Hier findest du den wegweisenden Bericht. Bitte teile ihn.

Das Neueste aus der Bewegung

Sieg in der Flamingo-Revolution steht kurz bevor

Von Tirana bis Brüssel steht Edi Rama unter immer größerem Druck, gegen die Landnahme der Familie Trump in Albanien vorzugehen. Jared Kushners Projekt sei „nirgends in Sicht“, sagte der Ministerpräsident diese Woche, als er einräumte, dass das Luxusbauprojekt „wahrscheinlich nicht zustande kommen wird“.

Am 14. Juli 2026 bekräftigte Edi Rama noch seine Absicht, die „Einstufung als strategischer Investor“ in seinem Land aufzuheben – einen Rechtsstatus, den der Ministerpräsident selbst eingeführt hatte. Eine Woche zuvor hatte die Progressive Internationale in ihren Edi-Rama-Akten aufgedeckt, wie diese Scheinklassifizierung herangezogen wurde, um Kushners Zvërnec-Projekt umfassenden rechtlichen Schutz zu gewähren.

Unterstützt junge palästinensische Journalist*innen in Gaza

Das Al-Bayan-Projekt, eine gemeinsame Spendenaktion von angehenden palästinensischen Reporter*innen in Gaza und Communiqué – früher bekannt als Al-Fidai Media, einer gemeinnützigen, von den Mitarbeitenden geführten Medienorganisation – versucht dringend, bis August € 15.000 (~ US$ 17.000) zusammenzubringen, um den unabhängigen Journalismus inmitten einer verheerenden Krise aufrechtzuerhalten, in der über 200 lokale Reporter*innen getötet wurden, ausländische Journalist*innen weiterhin nicht einreisen dürfen und die explodierenden Lebenshaltungskosten sowohl das Überleben als auch die Berichterstattung bedrohen. Die Mittel dienen der Bereitstellung monatlicher Zuwendungen (geschätzt auf € 300 pro Reporter*in) zur Deckung der Grundbedürfnisse, zur Anschaffung unverzichtbarer Ausrüstung wie Kameras, Mikrofone und Schutzausrüstung sowie zur Sicherung der Stromversorgung, Internetverbindung und Transportmöglichkeiten, während etwaige Überschüsse in einen Notfallfonds fließen, mit der langfristigen Vision, die Zusammenarbeit auf eine professionelle Ebene auszuweiten und Mentoring-Programme aufzubauen. Hier geht es zur Spendenaktion.

Unsere Geschichte

17. Juli 1936 – Der Spanische Bürgerkrieg

Der Spanische Bürgerkrieg begann am 17. Juli 1936. Anlässlich dieses Jahrestags veröffentlichen wir erneut die Abschiedsrede an die Internationalen Brigaden, die Dolores Ibárruri, auch bekannt als „La Pasionaria“, am 28. Oktober 1938 in Barcelona gehalten hat. Es war Ibárruis letzte Rede, bevor sie Spanien verließ, um in die Sowjetunion zu ziehen.

Hier sind einige Ausschnitte, die du auf Instagram abrufen und teilen kannst:

„Aus allen Völkern, aus allen Rassen seid ihr wie Brüder, wie Söhne des unsterblichen Spaniens zu uns gekommen; und in den schwersten Tagen des Krieges, als die Hauptstadt der Spanischen Republik bedroht war, wart ihr es, tapfere Genossen der Internationalen Brigaden, die mit eurem Kampfeswillen, eurem Heldentum und eurem Opfergeist dazu beigetragen habt, die Stadt zu retten.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Volkskämpfe bot sich das in seiner Erhabenheit atemberaubende Schauspiel der Bildung der Internationalen Brigaden, um die Freiheit und Unabhängigkeit eines bedrohten Landes zu retten – die Freiheit und Unabhängigkeit unseres spanischen Landes.

Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten, Republikaner – Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, unterschiedlicher Weltanschauung, gegensätzlicher Religionen – und doch alle von ganzem Herzen der Freiheit und Gerechtigkeit verbunden: Sie kamen und stellten sich uns bedingungslos zur Verfügung.

Sie haben uns alles gegeben – ihre Jugend oder ihre Reife; ihr Wissen oder ihre Erfahrung; ihr Blut und ihr Leben; ihre Hoffnungen und Träume – und sie haben nichts von uns verlangt. Aber ja, man muss es sagen: Sie wollten tatsächlich im Kampf fallen, sie strebten nach der Ehre, für uns zu sterben.“

¡No Pasaran!

Kunst der Woche

Frantz Fanon, der große Gelehrte des Kampfes gegen den Kolonialismus, wurde am 20. Juli 1925 in Fort-de-France, der Hauptstadt von Martinique, geboren, das damals eine französische Kolonie in der Karibik war.

Als junger Mann meldete er sich während des Zweiten Weltkriegs freiwillig zum Dienst bei den Freien Französischen Streitkräften – eine Erfahrung, die ihm den bitteren Widerspruch einer Metropole vor Augen führte, die von ihren Kolonialuntertanen Loyalität verlangte, sie aber gleichzeitig als minderwertige Rasse behandelte.

Nach dem Krieg studierte er Medizin und Psychiatrie in Lyon und veröffentlichte 1952 „Schwarze Haut, weiße Masken“, eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den psychischen Wunden, die der Kolonialismus den Kolonisierten zufügt.

In Algerien trat er 1953 eine Stelle in der psychiatrischen Klinik Blida-Joinville an. Angesichts der Patienten, die durch Folter und die Gewalt der französischen Herrschaft gebrochen waren, legte er schließlich sein Amt nieder und engagierte sich im algerischen Unabhängigkeitskrieg, wobei er zu einem Aktivisten und Sprecher der Nationalen Befreiungsfront (FLN) wurde.

Sein letztes und einflussreichstes Werk, „Die Verdammten dieser Erde“, das er 1961 kurz vor seinem Leukämie-Tod vollendete, bot eine schonungslose Analyse der Entkolonialisierung, des revolutionären Potenzials der Bauernschaft, der Fallstricke des Nationalbewusstseins und der Rolle der Gewalt beim Sturz der Kolonialmacht. Dieses Plakat von Gabriel Silveira, des Creative Directors bei PI, würdigt Fanons Leben.

Available in
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Date
18.07.2026
Progressive
International
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