Der 16-jährige Ahmad Hammad trägt einen mehr als zehn Kilogramm schweren Vorschlaghammer durch die Trümmer eines zerbombten Hauses in Gaza. Er klettert über Trümmerhaufen und zerbricht die Steine in Stücke, die klein genug sind, um sie wegzuschleppen.
„Ich möchte meiner Familie helfen“, sagte er gegenüber Mondoweiss. „Ich bin bereit, jede Arbeit anzunehmen, die meiner Familie genug zu essen für den Tag sichert. Es ist mir egal, ob die Arbeitszeiten lang oder die Bedingungen schwierig sind. Das Leben in Gaza ist voller Entbehrungen, und wir sind ein Teil dieses Lebens.“
Ahmad lebt mit seiner sechsköpfigen Familie in einer Notunterkunft in Tal al-Hawa, westlich von Gaza-Stadt. Er arbeitet von 9 bis 17 Uhr zusammen mit drei anderen gleichaltrigen Jugendlichen. Der Hausbesitzer, bei dem sie beschäftigt sind, stellt um 13 Uhr eine einzige Mahlzeit bereit. Während des Arbeitstages gibt es sonst keine weitere Verpflegung.
Sie arbeiten direkt in der prallen Sonne, sagt Ahmad, und müssen dabei gegen Hunger und Erschöpfung kämpfen. Dennoch sieht er sich zu dieser Qual gezwungen, da er keine andere Arbeit finden konnte. Ahmad und seine Kollegen erhalten 30 Schekel pro Tag (US$ 10).
Seit dem Waffenstillstand im Oktober 2025 und dem Ende der darauf folgenden Massenflucht haben Palästinenser wie Ahmad zunehmend damit begonnen, die Trümmer ihrer Häuser von Hand wegzuräumen, da sich der Wiederaufbau weiterhin verzögert und schwere Maschinen zur Beseitigung der Trümmer Mangelware sind.
Manche Menschen, deren Häuser nur teilweise vernichtet wurden, entfernen die Trümmer aus den bombardierten Bereichen, um die noch intakten Räume ihres Heims wieder bewohnbar zu machen, damit sie nicht länger in Lagern leben müssen. Andere haben ihre Häuser in Gebieten außerhalb der sogenannten „Gelben Linie“ verloren, die den Gazastreifen unmittelbar nach dem Waffenstillstand im Oktober 2025 grob in zwei Hälften teilte und in den folgenden Monaten auf weitere palästinensische Gebiete ausgedehnt wurde. Bei den Häusern, in die die Palästinenser*innen zurückkehren konnten, sieht sich die überwiegende Mehrheit mit einem weiteren Hindernis konfrontiert: Die zurückgelassenen Trümmer hindern sie daran, ihr Land zu nutzen.
Um die Trümmer zu beseitigen, zählen einige Hausbesitzer nun auf Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren. Die Jugendlichen arbeiten viele Stunden lang für sehr niedrige Löhne unter kräftezehrenden Bedingungen. In manchen Fällen stellen die Arbeitgeber ihnen während eines zwölfstündigen Arbeitstages nur eine Mahlzeit zur Verfügung.
„Ich wünschte, es gäbe einen anderen Job, der zwar genauso wenig bezahlt, aber weniger ermüdend ist und weniger körperliche Anstrengung erfordert“, sagte Ahmad.
„Gegen 18 Uhr komme ich nach Hause, nachdem ich am Ende eines langen und anstrengenden Arbeitstages zu Fuß zu meinem Zelt zurückgegangen bin. Manchmal falle ich ins Bett, ohne noch etwas zu essen. Manchmal bin ich sogar zu erschöpft, um zu duschen. Das Einzige, woran ich am Ende des Tages denke, ist, mich auf den Boden zu legen, zu schlafen und am nächsten Tag aufzuwachen, um wieder dieselbe Arbeit zu verrichten.“
Ahmad macht diese Arbeit nun schon seit drei Monaten. Er hat nicht vor, damit aufzuhören. Denn wenn er das tut, sagt er, wird seine Familie Hunger leiden.
Außerdem ist er der ältere von zwei Brüdern in seiner Familie. Sein Bruder ist zwei Jahre jünger als er, während der Rest der Familie aus Mädchen besteht.
„Wenn mein jüngerer Bruder und ich nicht arbeiten, wer sorgt dann für das Essen für meine Familie und meine Schwestern?“ fragt Ahmad. „Es sind junge Mädchen und können diese Art von Arbeit unmöglich verrichten. Ich würde nicht zulassen, dass sie solch körperlich anstrengenden Beschäftigungen nachgehen wie mein Bruder und ich.“
Sein jüngerer Bruder arbeitet als Straßenverkäufer und betreibt einen kleinen Stand, an dem er Süßigkeiten an Kinder verkauft sowie Lebensmittel wie Teigwaren, Instant-Nudeln und andere Artikel, die er zu günstigeren Preisen einkaufen kann, um einen kleinen Gewinn zu erzielen.
„Ich verdiene 30 Schekel [US$ 10] am Tag, während mein Bruder täglich zwischen 20 und 30 Schekel nach Hause bringt“, erklärte Ahmad. „Mit diesem geringfügigen Geldbetrag können wir die Würde meiner Schwestern und meiner Familie wahren. Zumindest können wir ihnen unter den harten Bedingungen der Armut, in denen wir leben, Nahrung verschaffen.“
Ahmad und sein jüngerer Bruder tragen nun die gesamte Last, ihre Familie zu versorgen. Ihre Eltern verließen den Gazastreifen, nachdem sie während des Krieges verletzt worden waren, und ihr Vater reiste in Begleitung ihrer Mutter zur medizinischen Behandlung nach Ägypten, wobei sie die Kinder zurückließen.
Infolgedessen ist Ahmad nun sowohl Ernährer als auch Vaterfigur für seine Geschwister – und das in einem Alter, in dem er eigentlich zur Schule gehen und sich auf das neue Schuljahr vorbereiten sollte.
Eigentlich sollte er sich im nächsten Jahr auf den Tawjihi vorbereiten, die Abschlussprüfungen der Sekundarstufe in Palästina, doch aufgrund der familiären Umstände ist seine Ausbildung auf seiner Prioritätenliste weiter nach unten gerutscht.
„Wenn die Situation so bleibt, wie sie ist, werde ich mich nicht auf das nächste Schuljahr vorbereiten können“, erzählte Ahmad. „Stattdessen werde ich mich noch mehr anstrengen, damit meine jüngeren Schwestern ihre Ausbildung fortsetzen und die Schule abschließen können.
Ich kann auf keinen Fall aufhören zu arbeiten und meine Familie einem ungewissen Schicksal überlassen“, fügte er hinzu.
In Khan Younis sieht die Lage für den 48-jährigen Khalil Abu Odeh und seinen 14-jährigen Sohn Abdul Rahman nicht viel anders aus.
Abu Odeh räumt die Trümmer seines Hauses weg, damit er und seine Familie aus einem Zelt im Vertriebenenlager in ein Zelt auf dem Grundstück umziehen können, auf dem einst ihr Haus gestanden hatte, das durch israelische Bombardements vollständig zerstört wurde.
Diesmal bleibt die Arbeit ganz in der Familie. Abu Odeh setzt seinen minderjährigen Sohn ein, um ihm beim Abriss und bei der Beseitigung der Trümmer des Hauses zu helfen, da er es sich nicht leisten kann, andere Arbeiter einzustellen oder deren Löhne zu bezahlen.
Die Trümmer erstrecken sich über eine Fläche von etwa 140 Quadratmetern. Abu Odeh möchte auf diesem Gelände vier Zelte für sich, seine Familie und seine Verwandten aufstellen, die unter rauen Bedingungen im Stadtteil al-Mawasi in Khan Younis leben, wo die Lager stark überbelegt sind.
„Wir leben in al-Mawasi unter schwierigen Bedingungen“, sagte Abu Odeh. „Es wimmelt nur so von Nagetieren in unseren Zelten. Es gibt Abwasser, und es gibt Insekten. Die dortigen Bedingungen sind nicht mehr zum Leben geeignet. Deshalb haben wir beschlossen, die Trümmer unseres Hauses wegzuräumen, auf unser Land zurückzukehren, unsere Zelte aufzuschlagen und hier zu leben.“
Abu Odeh macht keinen Hehl aus seiner tiefen Sorge um seine Kinder. Die Aufräumarbeiten der Trümmer fordern allmählich ihren Tribut, und er berichtet, dass sie bereits Unfälle hatten, die sie fast das Leben gekostet hätten. Aber, so sagt er, dies sei die einzige verfügbare Möglichkeit.
„Mein Sohn ist mehr als einmal dem Tod nahe gekommen, als er mit mir am Haus gearbeitet hat“, sagte er. „Aber Gott sei Dank wurde er nicht verletzt. Wir arbeiten unter stetiger Bedrohung des Todes. Jeden Moment könnte ein Teil des Hauses auf uns einstürzen.“
Für den 14-jährigen Abdul Rahman fühlt sich die Arbeit an, als würde er „Seite an Seite mit dem Tod arbeiten“. Er sagte, er könne in seinem Alter die langen Stunden anstrengender Arbeit körperlich kaum mehr bewältigen, fühle sich aber verpflichtet, seinem Vater und seinen Geschwistern dabei zu helfen, die Trümmer ihres Hauses zu beseitigen, damit die Familie einen besseren Ort zum Leben habe als die Bedingungen in al-Mawasi.
„Eines Tages, während ich arbeitete, stürzte das beschädigte Dach über uns ein“, erzählte Abdul Rahman. „Wenn ich nicht weggerannt und aus großer Höhe auf den Boden gesprungen wäre, wäre das Dach auf mich gefallen, und ich wäre jetzt tot.“
Abdul Rahman wird in wenigen Wochen die neunte Klasse der Sekundarstufe beginnen. Doch genau wie Ahmad Hammad sagt auch er, dass ihn seine Lebensumstände dazu zwingen, seine Zukunft neu zu überdenken.
„Ich werde meine Familie nicht allein arbeiten lassen, während ich zur Schule gehe“, sagte er. „Ich werde bei ihnen bleiben, auch wenn ich dafür die Schule aufgeben muss.“
Abdul Rahmans Traum war es gewesen, die Schule abzuschließen und Jura zu studieren.
„Ich träume davon, eines Tages Anwalt zu werden“, berichtete er. „Aber die Umstände zwingen mich dazu, das aufzugeben.“
Tareq S. Hajjaj ist Gaza-Korrespondent für Mondoweiss und Mitglied des Palästinensischen Schriftstellerverbandes. Folge ihm auf Twitter/X unter @Tareqshajjaj.
