Sudanesische Regierungen haben immer wieder Rebellen und Oppositionsgruppen aus all seinen Nachbarländern aufgenommen, bewaffnet oder geduldet, von Ägypten und Libyen bis Uganda und Äthiopien. Die Nachbarn haben sich daraufhin revanchiert, und inzwischen sind zahlreiche externe Akteure in den sudanesischen Bürgerkrieg verwickelt.
Zu den wichtigsten Unterstützern der Rapid Support Forces (RSF) zählen der Tschad, Äthiopien, Uganda, Kenia und der Südsudan. Ägypten, Saudi-Arabien und Eritrea helfen den Sudanesischen Streitkräften (SAF) und der De-facto-Regierung. Unter allen externen Akteuren sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die einflussreichsten, obwohl sie am wenigsten Grund haben, sich einzumischen.
Alle anderen externen Akteure haben im Sudan Interessen, die sich aus der Geografie, aus Sicherheitsrisiken oder aus dem Zustrom sudanesischer Flüchtlinge ergeben. Selbst Saudi-Arabien, das zwar kein Landnachbar ist, teilt mit dem Sudan die Küste des Roten Meeres und hat ein unmittelbares Interesse daran, seine westliche Seegrenze zu stabilisieren.
Die VAE hingegen haben kein Sicherheitsinteresse, keine gemeinsame Grenze oder Fluss mit dem Sudan, und sie müssen auch nicht befürchten, dass Flüchtlinge das Staatsgebiet der VAE erreichen. Ihre Rolle im Sudan lässt sich nur als Teil eines umfassenderen subimperialen Vorhabens verstehen, das sich auf vier miteinander verbundenen strategischen Säulen stützt.
Die erste Säule ist die wirtschaftliche Hegemonie. Aus von der RSF kontrollierten Minen in Darfur stammt nämlich das Gold, das nach Dubai geschmuggelt wird, oft über den Südsudan, Ägypten, den Tschad oder die Zentralafrikanische Republik. Dieses Gold lässt sich in Devisen umwandeln, die den Krieg finanzieren, und verschafft den VAE zugleich Einfluss auf die wirtschaftliche und politische Entwicklung des Sudan.
Abgesehen vom Gold ist der Sudan auch ein wichtiger Knotenpunkt in der kontinentweiten Strategie der VAE zur Sicherung der Vorherrschaft im Hafen- und Logistikbereich. Das zugehörige Investitionsprogramm umfasst inzwischen mehr als US$ 110 Milliarden auf dem gesamten Kontinent, mit Dutzenden Hafenkonzessionen, Trockenhäfen und Logistikzentren. Die Kontrolle über die sudanesischen Häfen, das Land und die Bodenschätze ist einer der Gründe, warum der Krieg den Interessen Abu Dhabis dient.
Die zweite Säule ist die politische Expansion. Der Sudan ist eine strategische Grenzregion im umfassenderen Bestreben der VAE, in ganz Afrika politischen Einfluss auszuüben, ohne die Kosten eines formellen Imperiums zu tragen. Eine subimperiale Macht ist keine globale imperiale Kraft; sie agiert vielmehr als imperialer Akteur innerhalb ihres eigenen regionalen Einflussbereichs und richtet ihr Vorgehen zugleich an den übergeordneten Interessen einer Weltmacht wie den Vereinigten Staaten aus. Das Gold, das fruchtbare Ackerland, die Küste am Roten Meer und die enorme Größe des Sudan machen das Land zu einem zentralen Testfeld für dieses Vorhaben**.**
Die dritte Säule ist der Wunsch der VAE, islamistische politische Bewegungen und den Einfluss des Iran zurückzudrängen. Abu Dhabi war stets bereit, mit islamistischen Regierungen zusammenzuarbeiten, darunter dem Regime von Omar al-Baschir im Sudan, sofern es den eigenen Interessen diente. Ebenso fungiert das Land seit Langem als Drehscheibe, über die der Iran internationale Sanktionen umgeht. Die Führung der VAE lehnt nicht den politischen Islam oder den Iran als solche ab, sondern jegliche politische Kraft, ob islamistisch, säkular, sozialistisch oder demokratisch, die die von ihr bevorzugte regionale Ordnung bedroht.
Die letzte Säule ist die Besorgnis um den Fortbestand des Regimes und die Angst vor einer Ausbreitung der Demokratie. Die Wurzeln dieser Sorge reichen bis ins Jahr 2011 zurück, als die arabischen Aufstände die VAE mit einer existenziellen Bedrohung für ihr eigenes Regierungsmodell konfrontierten. Sie reagierten darauf, indem sie zu einer organisierten konterrevolutionären Kraft in der gesamten Region wurden und in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Mitteln eingriffen.
Zu diesen Eingriffen zählten die Finanzierung des Putsches, der Abdel Fattah al-Sisi in Ägypten an die Macht brachte, und die Unterstützung der Miliz von Khalifa Haftar in Libyen. In jedem dieser Fälle bedrohte eine Volks- oder Revolutionsbewegung eine regionale Ordnung, die Abu Dhabi bewahren wollte, und sie handelten, um dies zu verhindern.
Die sudanesische Revolution vom Dezember 2018 löste denselben Reflex aus. Das lag nicht etwa daran, dass der Sudan die VAE materiell bedroht hätte. Vielmehr könnte ein erfolgreicher demokratischer Übergang direkt neben den Golfstaaten, herbeigeführt von einfachen Menschen statt von Eliten, ein gefährliches Vorbild für die eigene Bevölkerung und für die Region darstellen, die die VAE zu prägen versuchen.
Die meisten Staaten, die der RSF als Wegbereiter dienen, handeln nicht allein aus eigenen Interessen an den Vorgängen im Sudan. Sie handeln in unterschiedlichem Maße im Auftrag der VAE, als Teil eines Netzwerks, zu dem auch Akteure wie Ruanda und der somalische Teilstaat Puntland gehören.
Über mehr als ein Jahrzehnt haben die VAE enge finanzielle und diplomatische Beziehungen zur Führung dieser Staaten aufgebaut. Diese Beziehungen gründen auf Investitionen, Infrastrukturfinanzierung, Sicherheitskooperation und, in einigen dokumentierten Fällen sogar auf direkte Einflussnahme auf einzelne Regierungsmitglieder.
Die Einzelheiten variierenvon Land zu Land. In Libyen nutzen die VAE das Territorium, den Luftraum und die Militärstützpunkte von Khalifa Haftars Miliz, um Waffen und Kämpfer in den Sudan zu transportieren. In Äthiopien hat Reuters ein geheimes, von den VAE finanziertes Lager nahe der sudanesischen Grenze identifiziert, das zur Ausbildung von RSF-Kämpfern errichtet wurde. Berichten zufolge verlaufen weitere mit den VAE verbundene Nachschubrouten für die RSF über Ruanda, Uganda, Kenia, die Zentralafrikanische Republik und darüber hinaus. Hinzu kommen Einrichtungen im Tschad und im Südsudan, die unter humanitärem oder medizinischem Deckmantel betrieben werden, in der Praxis aber Waffenlieferungen und die Behandlung verwundeter RSF-Kämpfer erleichtern.
Einige weitere externe Akteure verdienen in diesem Gesamtbild ebenfalls einen Platz, auch wenn sie weniger Gewicht haben als die VAE. Katar hat das ehemalige islamistische Regime und damit auch die SAF in der Vergangenheit unterstützt, doch es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass es heute eine aktive Rolle spielt.
Iran und die Türkei haben sich als Lieferanten und Vermittler für die SAF positioniert, da es kein globales Waffenembargo gegen die reguläre sudanesische Armee gibt. Ankara geht es um Handel, diplomatischen Einfluss und die Ausweitung der Rüstungsindustrie sowie um Zugeständnisse im Agrarbereich und den Zugang zu Häfen. Teheran betrachtet den Korridor am Roten Meer hingegen vor dem Hintergrund seiner Rivalität mit Israel, den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien. Beziehungen im Sudan, die diesen Rivalen das Leben erschweren, haben für den Iran strategischen Wert.
Israel unterhält diskrete Kontakte sowohl zu Abdel Fattah al-Burhan von der SAF als auch zu Hemedti von der RSF, im Rahmen seines Ziels, sein Verhältnis zu arabischen Staaten zu normalisieren, und seiner engen Annäherung an die VAE. Russland begann über die Wagner-Gruppe, sich an der sudanesischen Goldwirtschaft zu beteiligen, neigte zu Beginn des Krieges zur RSF, orientierte sich dann aber wieder in Richtung der Armee, um sich einen möglichen Marinestützpunkt am Roten Meer offenzuhalten.
Keines der großen westlichen Länder ist ein unbeteiligter Zuschauer. Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und Kanada haben die Kunst perfektioniert, Besorgnis zu äußern und zugleich ihren Beziehungen zu den Golfstaaten, in diesem Fall vor allem zu den VAE, Vorrang einzuräumen.
Diese Regierungen wussten seit Langem genau, was die VAE taten. Ihre eigenen Geheimdienste und Beamt*innen hatten Zugang zu den nötigen Informationen, und Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch veröffentlichten detaillierte Untersuchungsberichte. Medien wie die New York Times, das Wall Street Journal und Le Monde haben die Unterstützung der VAE für die RSF dokumentiert.
Das Yale Humanitarian Research Lab informierte die US-amerikanische und die britische Regierung sowie den UNO-Sicherheitsrat mehr als einmal und warnte, eine Belagerung von El Fasher durch die RSF werde über eine Million Zivilist*innen einschließen und die Zeit knapp werde. In Washington und London wusste man, dass die RSF kurz davorstand, El Fasher einzunehmen, und dass darauf Massenverbrechen folgen würden. Die USA richteten genau in dem Moment, als El Fasher fiel, Gespräche mit Vertretern der RSF und der sudanesischen Regierung aus, unternahmen aber nichts.
Frankreich und Kanada erhielten Berichte, wonach die RSF in Darfur französische und kanadische Waffen einsetzte, die an die VAE geliefert worden waren, was einen direkten Verstoß gegen das UNO-Waffenembargo darstellt, und blieben dennoch untätig. Als es schließlich zu Sanktionen kam, trafen sie nur kolumbianische Staatsbürger, die als Söldner angeworben worden waren, nicht aber die emiratischen Unternehmen und Amtsträger, die diese Anwerbung finanziert und ermöglicht hatten.
Die Geschichte des Sudans im Zusammenhang mit international vermittelten Friedensprozessen ist eine deutliche Warnung vor der Versuchung zu glauben, die eigentliche Rolle der internationalen Gemeinschaft bestehe darin, eine Lösung herbeizuführen oder zu erzwingen, sei es durch Verhandlungen, Machtteilung oder von außen konzipierte Übergangsregelungen.
Dieser Ansatz wurde wiederholt erprobt, vom Umfassenden Friedensabkommen (CPA) über das Dokument von Doha für den Frieden in Darfur bis zum Rahmenabkommen, das diesem Krieg vorausging. Jedes Mal führte er zum selben Ergebnis: zu Abkommen, die Macht und Posten unter bewaffneten Fraktionen verteilen, Entwicklung versprechen, die nur selten die bedürftigen Gemeinschaften erreicht, und die Verantwortlichen für die Massengewalt in ihren Positionen belassen, sodass sie erneut kämpfen können, sobald sich die Anreize verschieben.
Die Rolle, die die internationale Gemeinschaft tatsächlich übernehmen kann, ist enger gefasst und nützlicher als die, die sie immer wieder auszuüben versucht. Sie kann die Staaten stoppen, die den Krieg durch Waffen, Geld und Logistik am Laufen halten. Das hieße, die Regierungen, die die RSF unterstützen, beim Namen zu nennen und ihnen spürbare Kosten aufzuerlegen, allen voran, mit großem Abstand, die VAE.
Die Einzelpersonen, Unternehmen und Finanzkanäle, die Waffen und Gold befördern, müssen sanktioniert werden, nicht bloß die Söldner, die ganz unten in der Kette angeworben werden. Die Vermögenswerte der VAE und der mit den Emiraten verbundenen Unternehmen lassen sich nachverfolgen und sind in den Bankensystemen und den Immobilienmärkten jeder größeren westlichen Hauptstadt vertreten. Sie könnten als Druckmittel genutzt werden, statt als unantastbar zu gelten.
Das grundlegende Muster der regionalen Einmischung hat sich seit 2023 nicht wesentlich geändert. Was sich verändert hat, ist, dass ein Akteur ohne unmittelbares Eigeninteresse, aber mit unvergleichlichen Fähigkeiten in der Lage war, praktisch ohne Kosten einzugreifen. Die Akteure, die ihm Kosten hätten auferlegen können, sei es Saudi-Arabien als regionaler Konkurrent der VAE oder westliche Regierungen mit echtem Einfluss auf das Land, haben entweder zu spät reagiert oder sich bewusst entschieden, gar nicht zu handeln.
Die westlichen Regierungen in diesem Zusammenhang können nicht behaupten, es hätte ihnen an Informationen gefehlt. Sie verfügten über Geheimdienstinformationen, Berichte und direkten Warnungen, und dennoch entschieden sie sich für das Schweigen. Das ist eine Entscheidung, kein politisches Versagen, die in voller Kenntnis der Folgen getroffen wurde. Diese Regierungen und die Personen in ihren Reihen, die diesen Beschluss gefasst und aufrechterhalten haben, sollten zur Rechenschaft gezogen und als Mitschuldige für die in diesem Krieg begangenen Verbrechen belangt werden.
Husam Mahjoub ist Mitgründer von Sudan Bukra, einem unabhängigen, gemeinnützigen sudanesischen Fernsehsender.
