Entrevistas

New Yorker Pflegekräfte treten in ihren bislang größten Streik

15.000 New Yorker Pflegekräfte streiken und fordern sichere Personalbesetzungen, Schutz vor Gewalt am Arbeitsplatz und keinerlei Kürzungen bei den Gesundheitsleistungen.
In diesem Interview schildern streikende Pflegekräfte, wie die Verhandlungen von einer ablehnenden Haltung und unfairen Taktiken seitens der Krankenhausleitung erschwert wurden, was im Vorfeld des Streiks zu einer Eskalation der Disziplinarmaßnahmen und Überwachungsmaßnahmen führte. Die Pflegekräfte erläutern außerdem, dass dieser Streik eine notwendige Schutzmaßnahme gegen den systemischen Personalmangel und die landesweiten Bemühungen zur Schwächung der Gewerkschaften darstellt, und betonen, dass ein Krankenhausumfeld geschaffen werden muss, das auf Zusammenarbeit, Sicherheit und Respekt basiert.

Am Montag, dem 12. Januar 2026, traten fast 15.000 Pflegekräfte in drei privaten Krankenhaussystemen in New York City in den Streik. Die von der New York State Nurses Association (NYSNA) vertretenen Krankenpfleger*innen legten an mehreren Standorten des Montefiore Einstein Medical Center, des Mount Sinai Health System und des New York-Presbyterian Hospital die Arbeit nieder. Es handelt sich um den größten Streik von Pflegekräften in der Geschichte der Stadt und einen der größten in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

Das Pflegepersonal sagt, dass die Krankenhäuser zentrale Vorschläge blockieren. Dazu gehören Forderungen nach einer sicheren Personalbesetzung. Laut den Pflegekräften stellt Personalmangel ein großes Problem dar und führt zu Burnout und einer Verschlechterung der Patientenversorgung. Sie versuchen außerdem, unter anderem einen besseren Schutz vor Gewalt am Arbeitsplatz für das Krankenhauspersonal zu gewährleisten und sich gegen Kürzungen ihrer Gesundheitsleistungen zu wehren.

Sara Wexler, Mitarbeiterin beim Magazin Jacobin, begab sich zu den Pflegekräften, die vor dem Krankenhaus Mount Sinai Morningside protestierten. Sie sprach mit ihnen über ihre wichtigsten Vertragsforderungen, warum die Verhandlungen gescheitert sind und wie sie sich gegen die gewerkschaftsfeindlichen Maßnahmen ihres Arbeitgebers wehren.

SARA WEXLER

Warum streikt ihr heute?

SIMONE WAY

Wir streiken derzeit, weil unsere Arbeitgeber den Pflegekräften keine Gesundheitsleistungen garantieren. Sie garantieren keine Investitionen in unsere Altersvorsorge. Sie garantieren keinen Schutz vor Gewalt am Arbeitsplatz für alle Beschäftigten hier.

Sie garantieren keine sichere Personalbesetzung für die Pflegekräfte hier. Und wir wissen ganz genau, dass Pflegekräfte bei Personalmangel Fehler machen und die Patientenversorgung darunter leidet. Die Geschäftsleitung geht derzeit auch nicht auf unsere Lohnforderungen ein.

YASHIRA MARTINEZ

Wir setzen uns aktuell für eine sichere Personalbesetzung ein. Es ist unfair, aber es gibt keine Vorgaben für das Verhältnis von Patient*innen zu Pflegekräften in der Notaufnahme. Somit kämpfen wir für die Sicherheit der Patient*innen. Wir kämpfen dafür, dass wir am Ende unserer Schicht noch bei klarem Verstand sind und dass unsere Gesundheitsversorgung unverändert bleibt. Wir haben Pflegekräfte, die kurz vor der Pensionierung stehen und hier täglich dafür kämpfen, dass ihre Altersrente weiterhin angemessen ist.

Selbstverständlich kämpfen wir auch für bessere Löhne, da wir eindeutig unterbezahlt und überlastet sind. Es war mein Traum, Krankenschwester in der Notaufnahme zu werden, und in dieser Hinsicht fühle ich mich erfüllt. Noch besser wäre es jedoch, wenn wir Gehör finden würden, wenn man uns wertschätzen würde und wenn wir einen fairen Tarifvertrag hätten.

MARVIN DUNCAN

Wir machen uns ernsthafte Sorgen um die Arbeitsbedingungen und die mangelnde Patientensicherheit. Deshalb sind wir heute und möglicherweise die ganze Woche über hier: Wir wollen angemessene Bedingungen für die Patienten sicherstellen – Bedingungen, die zu ihrer Genesung beitragen und die es ermöglichen, ihnen die notwendige Versorgung in dieser Stadt zukommen zu lassen.

Dass eine Pflegekraft sich um fünfzehn Patienten kümmern muss, die wegen Traumata behandelt werden müssen, übersteigt meine Vorstellungskraft. Pflegekräfte sollten mit einem angemessenen Personalschlüssel arbeiten können und nicht mit einem, der ihre Zulassung gefährden könnte.

SARA WEXLER

Wie liefen die Vertragsverhandlungen bis jetzt?

SHELLA DOMINGUEZ

Die Verhandlungen haben im vergangenen September begonnen. Bislang hat unser Arbeitgeber nicht viele Zugeständnisse gemacht. Es gibt noch viele Punkte, die diskutiert werden müssen, wie beispielsweise die sichere Personalbesetzung; darüber haben wir noch keine Einigung erzielt. [Oder auch] den Schutz vor Gewalt am Arbeitsplatz, den wir dringend benötigen, da viele Pflegekräfte – nicht nur das Pflegepersonal, sondern auch andere Beschäftigte – von Gewalt innerhalb des Krankenhauses betroffen sind.

Unser Arbeitgeber legt [während der Verhandlungen] manchmal längere Pausen ein – wir warten dann zwei bis drei Stunden am Verhandlungstisch. Und in den letzten Tagen der Verhandlungen hat sich die Geschäftsleitung nicht wirklich an den Verhandlungstisch gesetzt und mit uns gesprochen.

SIMONE WAY

Es war sehr interessant, uns mit unserer Geschäftsleitung um einen Tisch zu versammeln. Wir haben im September [mit den Vertragsverhandlungen] begonnen. Aber wir haben jeden Monat Treffen mit der Geschäftsleitung zu Personal- und Arbeitsfragen. Eines [dieser Treffen] ist eine Auflage des Staates New York, an den anderen nehmen wir als Pflegekräfte im Exekutivkomitee der Gewerkschaft teil.

Bei unseren monatlichen Sitzungen mit der Geschäftsleitung werden häufig dieselben Themen angesprochen. Jeden Monat diskutieren wir über die Personalbesetzung. Wir haben Krankenpfleger*innen aus verschiedenen Abteilungen gebeten, persönlich auszusagen und über die Situation in ihren jeweiligen Abteilungen zu berichten, und wir setzen uns dafür ein, dass das Personal in diesen Abteilungen aufgestockt wird. Oft geht es dabei um Krankenpfleger*innen, manchmal aber auch um Hilfspersonal wie Pflegehelfer*innen, die uns bei unserer Arbeit unterstützen. Die Geschäftsleitung reagiert darauf mit Unverständnis. Sie hat keine Antworten auf die von uns vorgebrachten Anliegen und geht nicht darauf ein.

Dass wir an diesem Punkt angelangt sind, ist für sie nicht neu. Wir haben ihnen am Verhandlungstisch lediglich immer wieder die gleichen Punkte vorgelegt, die im Laufe des Jahres ungelöst geblieben sind, in der Hoffnung, dass wir einige dieser Probleme lösen könnten, aber sie sind nicht bereit, darüber zu diskutieren. Alles, was diese Einrichtung finanziell belastet, wird von ihnen abgelehnt. Wenn wir ihnen mitteilen, dass wir uns eine bessere Personalbesetzung wünschen, lautet ihre Antwort: „Das ist eine wirtschaftliche Frage, und wir diskutieren keine wirtschaftlichen [Anliegen].“ Wenn wir mit der Geschäftsleitung über nicht-wirtschaftliche Themen sprechen, kann es zwei bis drei Sitzungen dauern, bis wir eine Kleinigkeit geklärt haben, und sie kritisieren jedes einzelne Wort.

Wir haben versucht, ihnen einen Vorschlag zu unterbreiten, der sich auf das bezieht, was wir als „nicht-pflegerische Aufgaben“ bezeichnen: Pflegekräfte wenden nämlich viel Zeit für Tätigkeiten auf, die eigentlich nicht in ihren Aufgabenbereich fallen, da es im Krankenhaus andere Stellen gibt, die diese Arbeit übernehmen sollte, beispielsweise Betten reinigen. Das ist die Aufgabe des Reinigungsdienstes. Warum machen Pflegekräfte das also? Wir haben sehr lange mit ihnen darüber gesprochen. Drei Sitzungen lang haben wir diskutiert, aber wir konnten keine Einigung erzielen. Sie hängten sich an dem Wort „oder” auf, weil wir dort geschrieben hatten, dass man etwas nur in Notfällen tun müsse, und sie wollten, dass wir das Wort „oder” einfügen oder entfernen.

Damit haben sie drei Sitzungen verschwendet. Und wenn ich drei Sitzungen sage, heißt das: Die Geschäftsleitung kommt herein – wir treffen uns morgens um zehn Uhr – wir präsentieren ihnen bis Mittag unsere Anliegen, sie gehen raus und sagen: „Wir gehen jetzt Mittag essen, wir werden das besprechen.“ Dann kommen sie vielleicht um 14 Uhr zurück und gehen um 15 Uhr wieder, weil jemand behauptet: „Ich habe ein Meeting.“ Jemand muss zu einer Sitzung und sie gehen, ohne dass eine Entscheidung getroffen wurde, und dann rufen sie uns um 17 Uhr an und sagen: „Wir kommen nicht mehr zurück.“

Wir können also zwei bis drei Stunden lang intensiv diskutieren, aber es wird nichts erreicht. Das machen sie seit September so. Das ist ihre Vorgehensweise.

Wenn die Gouverneurin Dinge sagt wie: „Die Pflegekräfte müssen verhandeln, und die Krankenhäuser müssen mit den Pflegekräften verhandeln“, dann weiß sie nicht, wovon sie spricht. Wir sind jeden Tag da. Wir kommen pünktlich und gehen spät. Wir gehen um acht, neun Uhr. Die Geschäftsleitung ist nicht mehr da, sie hat das Gebäude verlassen und sie geht nicht auf uns ein, auch nicht über eine Vermittlungsperson.

Den Pflegekräften bleibt nichts anderes übrig, als zu streiken. Sie haben uns in diese Lage gebracht, weil sie überhaupt nicht verhandeln wollen. Das Einzige, worüber sie sprechen wollen, ist die Kürzung unserer Gesundheitsversorgung. Und sobald wir dem zustimmen, schaffen wir einen Präzedenzfall für den Staat New York, der es großen Unternehmen erlaubt, die Gesundheitsleistungen ihrer Beschäftigten in allen Gewerkschaften zu kürzen.

SARA WEXLER

Wie verlief die Organisation im Vorfeld? Wie habt ihr euch organisiert, sodass nun 15.000 Pflegekräfte zusammenkamen?

SHELLA DOMINGUEZ

Wir haben die Pflegekräfte von Anfang an in die Verhandlungen miteinbezogen. Die Gewerkschaft hat ein Team für Vertragsverhandlungen, das sich seit Beginn der Verhandlungen einmal pro Woche trifft. Vor Beginn der Verhandlungen traf sich das Team einmal im Monat. Als wir mit den Verhandlungen anfingen, trafen wir uns einmal pro Woche und besprachen die Themen mit unserem Team für Vertragsverhandlungen, damit dieses die Informationen an unsere Pflegekolleg*innen weitergeben konnte. Wir haben unsere Verhandlungen so transparent wie möglich gestaltet. Zu diesem Zweck haben wir einen Zoom-Link für alle Pflegekräfte eingerichtet und bitten alle, persönlich daran teilzunehmen. Wenn sie nicht teilnehmen können oder gerade arbeiten, bitten wir sie, sich bei Zoom anzumelden und die Verhandlungen mitzuverfolgen.

SIMONE WAY

Das Team für Vertragsverhandlungen [setzt sich aus] Freiwilligen aus allen Abteilungen zusammen. Wir versuchen, drei oder vier Personen aus jeder Abteilung für unsere Sache zu gewinnen. Je mehr, desto besser, davon sind wir überzeugt. Wir halten wöchentliche Treffen mit dem Führungsteam ab, aber je näher der Streik rückte, desto häufiger gab es auch täglich Zusammenkünfte, falls es sein muss. Das Führungsteam informiert das Team für Vertragsverhandlungen über die aktuellen Entwicklungen, damit dieses die Informationen weitergeben kann, sei es mündlich oder schriftlich. Wir kommunizieren über Gruppenchats und Gruppen-SMS, wir haben Flyer, Broschüren und Infoblätter. Wir übermitteln den Mitgliedern alle möglichen Informationen.

Zusätzlich zu den Informationen, die wir unserem Team für Vertragsverhandlungen zukommen lassen, halten wir wöchentliche – und seit kurzem sogar tägliche – Besprechungen ab, die wir als „Tarifverhandlungsgruppe“ bezeichnen. Die Verhandlungsgruppe umfasst die gesamte Mitgliedschaft. Jede Pflegekraft in unseren beiden [Krankenhäusern], die Mitglied der NYSNA ist, wird zu einer Zoom-Konferenz eingeladen. Letztens nahmen 700 bis 800 Pflegekräfte an der Konferenz teil, weil sie wissen wollten, was vor sich geht. Alle unsere Mitglieder nehmen zusammen mit ihrem Führungsteam daran teil, und wir informieren sie über alle aktuellen Entwicklungen.

Es ist also ein sehr umfangreiches [Unterfangen], die Menschen zu erreichen, nicht nur eine Sache. Bei der Organisation kommt Vielerlei zusammen. Manchmal habe ich mich in meiner Mittagspause mit meinem Team für Vertragsverhandlungen getroffen. Ich sagte: „Lasst uns alle um diese Zeit zu Mittag essen gehen. Wir treffen uns in diesem Raum. Ich lade euch alle zu Pizza ein und wir besprechen unsere Strategie.”

Das tun wir, weil das Krankenhaus alles daran setzt, unsere Kommunikation zu behindern. Sie möchten nicht, dass wir auf einer anderen Station Informationen weitergeben, wenn wir nicht gerade Pause haben. Und selbst wenn wir in der Pause sind – ich habe schon erlebt, dass meine Vorgesetzten, wenn sie mich in meinem Krankenhaus mit einem einfachen, unbeschrifteten Umschlag mit Informationen herumlaufen sahen, fragten: „Was ist in diesem Umschlag, Simone?“ Und ich antworte jeweils: „Was haben Sie in Ihrer Tasche? Warum fragen Sie mich das?“ Daraufhin erwidern sie: „Ich frage mich nur, was da drin ist. Wohin gehen Sie heute?“ Ich entgegne dann: „Ich habe etwas zu erledigen. Denken Sie daran, ich bin eine Vertreterin der NYSNA. Das heißt, ich vertrete Pflegekräfte. “ Und ich belasse es dabei, denn manchmal möchten sie wissen, in welche Abteilung ich gehe, damit sie den oder die dortige Leiterin anrufen können, um herauszufinden, ob ich die Wahrheit sage oder nicht.

Sie bespitzeln uns also. Sie versuchen, uns zu überwachen. Sie versuchen, unsere Handlungsfreiheit einzuschränken, und das dürfen wir nicht zulassen. Sie wollen diese Gewerkschaft zerschlagen. Ich glaube, dass dies eine landesweite Initiative ist, um Gewerkschaften zu zerschlagen.

YASHIRA MARTINEZ

Für die meisten von uns war es beängstigend, sich zu organisieren. Wir hatten monatelang Angst: Angst vor Vergeltungsmaßnahmen, Angst, ohne Gesundheitsversorgung dazustehen, Angst, nicht bezahlt zu werden, und vor allem Angst, am Ende nicht gehört zu werden. Die NYSNA hat hervorragende Arbeit geleistet, indem sie uns mit Informationen und unseren gesetzlichen Rechten [versorgt hat], und sie hat uns Mut gegeben, so lange hier zu bleiben, wie es nötig ist.

MARVIN DUNCAN

Ich bin eine neue Pflegekraft in diesem System und habe noch nie gestreikt, aber die NYSNA trat vor und hat es geschafft, uns unsere Ängste zu nehmen. Sie hat uns trotz ausbleibender Gehaltszahlungen mehr Zuversicht gegeben, denn wir wissen, wofür wir kämpfen: für eine bessere Patientensicherheit und eine bessere Patientenversorgung.

SARA WEXLER

Wie hat die Geschäftsleitung seit Beginn des Streiks reagiert? Gab es Vergeltungsmaßnahmen gegen die Mitglieder?

SIMONE WAY

An einigen unserer Krankenhausstandorte gab es definitiv Vergeltungsmaßnahmen wegen des Streiks. An unserem zentralen Krankenhauscampus an der East Side mussten fast alle Mitglieder des Exekutivkomitees, das die NYSNA vertritt, Disziplinarmaßnahmen und Suspendierungen [auf sich nehmen]. In diesem Krankenhaus gab es keine [Disziplinarmaßnahmen] gegen unser Exekutivkomitee, aber ich kann sagen, dass in dieser Vertragsperiode einige Pflegekräfte im Krankenhaus disziplinarisch belangt wurden.

Innerhalb von zehn Tagen nach unserer Streikankündigung hat die Geschäftsleitung in verschiedenen Fällen strenge Disziplinarmaßnahmen gegen Pflegekräfte ergriffen. Sie wissen, dass die Pflegekräfte nicht angemessen vertreten werden können, da wir, die sie normalerweise bei diesen Anhörungen vertreten, in Verhandlungen stehen. Die Pflegekräfte brauchen jemanden von der Gewerkschaft, der die Fakten ermittelt – beispielsweise, wenn jemand behauptet, eine Pflegekraft habe sich mit jemandem auf dem Flur gestritten oder Ähnliches. Wenn jemand behauptet, man sei zu einem bestimmten Zeitpunkt dazugekommen, müssen wir dies untersuchen. Einige dieser Vorfälle sind vielleicht geringfügig, aber anstelle einer mündlichen oder schriftlichen Verwarnung, die einem geringfügigen Vorfall entsprechen würde, endet es mit einer letzten Verwarnung oder einer Suspendierung, bis die Untersuchung abgeschlossen ist. Es ist schwierig, eine Verbindung zu gewerkschaftlichen Aktivitäten herzustellen, da dies verschleiert wird, jedoch wurden Pflegekräfte in dieser Zeit streng diszipliniert. Wir können nicht direkt behaupten, dass dies darauf zurückzuführen ist, dass wir einen Streik angekündigt haben oder dass die Pflegekräfte streiken, aber wir können sagen, dass es etwas übertrieben gewesen ist – und zwar so sehr, dass die NYSNA das Krankenhaus kontaktieren und es darüber informieren musste, dass alle Aktivitäten für einen bestimmten Zeitraum eingestellt werden müssten. Wenn Pflegekräfte oder Führungskräfte Vertreter*innen für die Ermittlung des Sachverhalts oder für andere Zwecke benötigten, musste dies alles zurückgestellt werden. Jegliche Disziplinarmaßnahmen mussten ausgesetzt werden, da wir die Pflegekräfte nicht vertreten können – wir sitzen am Verhandlungstisch.

SHELLA DOMINGUEZ

Sofort nachdem wir die Streikankündigung eingereicht hatten, schickte die Geschäftsleitung einen Brief an unsere Gewerkschaftsvertreter*innen, in dem sie ihnen mitteilte, dass sie das Krankenhausgelände nicht mehr betreten dürfen. Daher müssen wir als Exekutivkomitee unser Bestes tun, um jegliche Informationen an unsere Mitglieder weiterzugeben. Und die Mitglieder des Exekutivkomitees müssen sehr darauf achten, dass sie nicht an ihren freien Tagen oder in ihrer Pause im Krankenhaus sind und nicht in eine andere Abteilung [gehen], in der sie nicht arbeiten, da sie sonst verwarnt werden könnten.

SIMONE WAY

Ich bin froh, dass Shella das angesprochen hat, denn ich habe vergessen zu erwähnen, dass unseren bezahlten Mitarbeitenden der NYSNA gesagt wurde, dass sie das Gebäude nicht betreten dürfen und dass das Krankenhaus sie festnehmen lassen würde, wenn man sie beim Betreten des Gebäudes erwischen würde. Dies wurde in einer E-Mail mitgeteilt. Darin hieß es auch, dass die Vorstandsmitglieder ebenfalls mit Disziplinarmaßnahmen rechnen müssten, wenn sie außerhalb ihrer Arbeitszeiten im Krankenhaus angetroffen würden, obwohl sie Angestellte des Krankenhauses sind. Das ist also eine direkte Drohung.

SARA WEXLER

Was braucht ihr, damit das Krankenhausumfeld so wird, wie ihr es euch wünscht und für das ihr euch einsetzt?

SIMONE WAY

Wir brauchen echte Zusammenarbeit und Respekt für die Arbeit, die die Pflegekräfte jeden Tag leisten – dass wir mitwirken und unsere Erfahrungen mit Patient*innen einbringen dürfen. Dass unsere Vorgesetzten sich für unsere Meinung interessieren und diese schätzen und dass sie sich die Zeit nehmen, zu prüfen, ob unsere Informationen praktisch sind und dazu beitragen können, die gesamte Organisation zu einem besseren Arbeitsplatz und zu einem besseren Ort für die Patientenversorgung zu machen.

Ich bin davon überzeugt, dass Pflegekräfte gerne zur Arbeit kommen, wenn sie sich erhört und respektiert fühlen. Sie machen ihre Arbeit mit Freude. Das zeigt sich daran, wie sie sich um ihre Pflegefälle kümmern, und das kommt den Patient*innen zugute.

SHELLA DOMINGUEZ

Als Ergänzung zu dem, was Simone gesagt hat: eine bessere Personalbesetzung und bessere Schutzmaßnahmen gegen Gewalt am Arbeitsplatz. Viele unserer Mitarbeitenden wurden Opfer von Gewalt am Arbeitsplatz. Sie konnten deswegen wochen- oder manchmal sogar monatelang nicht zur Arbeit kommen. Bessere Gesundheitsleistungen und Renten[leistungen] für unsere Pflegekräfte im Ruhestand.

YASHIRA MARTINEZ

Wir brauchen eine sichere Pflegeaufteilung. Wir brauchen angemessene Löhne. Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das, wenn es schon nicht verbessert wird, zumindest so bleibt, wie es jetzt ist. Keine Änderungen an unserem Gesundheitssystem oder unserer Altersvorsorge. Das heißt, dass wir uns sicher fühlen können, wenn wir das Rentenalter erreichen oder in die Phase unseres Lebens kommen, in der wir bereit sind, in Rente zu gehen, und sagen können: „Ich bin abgesichert. Meine Familie ist abgesichert.“

Wir müssen an unserem Arbeitsplatz sicher sein, im wahrsten Sinne des Wortes, sicher und vor Angriffen geschützt – und wenn doch etwas passiert, müssen wir von der Geschäftsleitung und dem gesamten Unternehmen Rückendeckung erhalten. Wir brauchen Pausen-Krankenpfleger*innen [d. h. zusätzliche Krankenpfleger*innen, die während der Pausen ihrer Kolleg*innen für die Patient*innen sorgen]. 

Das brauchen wir. Insbesondere für die Notaufnahme brauchen wir generell mehr Sicherheit. Wir sollten nicht ausgebrannt sein. Wir sollten an den Wochenenden und an allen unseren freien Tagen Zeit mit unseren Familien verbringen können und nicht zwei Tage Ruhezeit nach einer Schicht benötigen.

Wir sollten mit voller Überzeugung sagen können: „Ich habe heute mein Bestes gegeben und einen Unterschied gemacht.“ Nicht: „Oh nein, ich konnte mich nicht um diesen Patienten kümmern oder ihn untersuchen, weil ich noch siebzehn andere Patient*innen habe.“ Das ist nicht fair und wir wollen faire Bedingungen.

Simone Way ist Pflegekraft und Mitglied des Vorstands der New York State Nurses Association (NYSNA) sowie Mitglied des NYSNA-Exekutivkomitees des Mount Sinai Morningside.

Shella Dominguez ist Pflegekraft im Mount Sinai Morningside.

Marvin Duncan ist Pflegekraft in der Notaufnahme des Mount Sinai Morningside.

Yashira Martinez ist Pflegekraft in der Notaufnahme des Mount Sinai Morningside.

Available in
EnglishSpanishPortuguese (Brazil)GermanFrenchItalian (Standard)TurkishArabicRussianBengali
Author
Sara Wexler
Translators
Sade-Chantal Mielczarek , Nathalie Guizilin and ProZ Pro Bono
Date
12.02.2026
Source
JacobinOriginal article🔗
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