Der Kampf zur Verteidigung der kubanischen Revolution – zur Erhaltung der Unabhängigkeit, Souveränität und des Selbstbestimmungsrechts Kubas – ist nicht einfach nur der Kampf einer kleinen karibischen Nation, die sich gegen einen mächtigen Nachbarn wehrt. Er beschränkt sich auch nicht auf die geografischen Grenzen einer Insel mit elf Millionen Einwohner*innen. Es ist vielmehr ein Kampf mit tiefgreifenden und unabsehbaren Folgen für Lateinamerika, die Karibik und den weltweiten Kampf für Gerechtigkeit, Menschenwürde und das Recht der Völker, frei von imperialistischen Zwängen zu leben. Was in Kuba auf dem Spiel steht, ist nicht nur Kuba selbst. Das Schicksal der kubanischen Revolution ist untrennbar vom größeren historischen Konflikt zwischen Herrschaft und Emanzipation, zwischen Imperium und Souveränität, zwischen einer Welt, die von Profit und Machtgier bestimmt wird, und einer Welt, die auf menschlichen Bedürfnissen und kollektiver Würde basiert.
Von Anfang an stellte die kubanische Revolution einen Bruch in der globalen Ordnung des Imperialismus dar. In der westlichen Hemisphäre, die Washington seit langem als sein privates Reservat betrachtet, vertrat Kuba die radikale These, dass ein kleines, ehemals kolonisiertes Land seinen eigenen Weg gehen, seine eigenen Ressourcen kontrollieren und soziale Gerechtigkeit vor ausländischem Kapital priorisieren könne. Diese Trotzhaltung war mehr als jede einzelne Politik oder Allianz das dauerhafte „Verbrechen” der kubanischen Revolution. Die seit über sechs Jahrzehnten andauernde unerbittliche Feindseligkeit gegenüber Kuba – Wirtschaftskrieg, politische Isolation, Sabotage, Terrorismus und ideologische Angriffe – kann unmöglich allein als Reaktion auf kubanische Handlungen verstanden werden. Sie ist eine Warnung an den Rest des Globalen Südens vor den Folgen des Ungehorsams.
1991, inmitten des Zusammenbruchs des Ostblocks und der triumphalen Bekanntgaben vom „Ende der Geschichte”, gab Fidel Castro eine schonungslose und weitsichtige Einschätzung der Lage ab. „Internationalismus bedeutet jetzt, die kubanische Revolution zu verteidigen und zu bewahren”, meinte er. „Diesen Graben, diese Bastion des Sozialismus zu verteidigen, ist der größte Dienst, den wir der Menschheit erweisen können.” Das war keine rhetorische Ausschmückung. Es war eine strategische und moralische Diagnose einer neuen globalen Konjunktur. Mit dem Zusammenbruch des sozialistischen Lagers und dem Aufstieg des Neoliberalismus wurde das Überleben der kubanischen Revolution selbst zu einem Akt des Internationalismus – zu einem objektiven Hindernis für die gnadenlose Ausbreitung der imperialen Macht und des Marktfundamentalismus.
Drei Jahre später, am 25. November 1994, schärfte Fidel dieses Argument in seiner Abschlussrede an der Weltkonferenz zur Solidarität mit Kuba. „Wir verstehen, was es für alle fortschrittlichen Kräfte, für alle revolutionären Kräfte, für alle Liebhaber*innen des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt bedeuten würde, wenn es den Vereinigten Staaten gelänge, die kubanische Revolution zu zerschlagen”, erklärte er. „Und deshalb betrachten wir es als unsere heiligste Pflicht, die Revolution gemeinsam mit Ihnen zu verteidigen, selbst wenn es uns das Leben kostet.” Diese Worte brachten eine Wahrheit zum Ausdruck, die im Mainstream-Diskurs oft verdeckt wird: Die Zerstörung der kubanischen Revolution wäre kein neutrales Ereignis. Es wäre eine historische Niederlage für alle, die gegen Ausbeutung, Rassismus, Militarismus und imperiale Vorherrschaft kämpfen.
Die Geschichte bestätigt diese wichtige Erkenntnis eindeutig. So wie die Russische Revolution von 1917 revolutionäre Bewegungen und antikoloniale Proteste in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika entzündete, fungiert die kubanische Revolution seit 1959 als objektive Kraft gegen den Imperialismus. Ihr bloßes Überleben hat gezeigt, dass Alternativen möglich sind – dass die Herrschaft des Kapitals und des Imperiums nicht unüberwindbar ist. Selbst unter materiellen Einschränkungen, Belagerung und Isolation hat Kubas Fortbestehen als souveränes, sozialistisches Projekt einen Einfluss weit über seine Grenzen hinaus ausgeübt, die politische Vorstellungskraft geprägt und in Zeiten des globalen Rückzugs Hoffnung geschürt.
Aber die kubanische Revolution war mehr als nur ein Symbol. Sie war ein aktiver, bewusster Faktor im ideologischen und politischen Kampf gegen den Imperialismus. Kuba hat eine beeindruckende Reihe von Konferenzen, Symposien und internationalen Treffen einberufen und ausgerichtet, die die vorherrschende weltwirtschaftliche und politische Ordnung des Neoliberalismus in Frage stellen. Von Solidaritätstreffen mit nationalen Befreiungsbewegungen über Foren von Intellektuellen und sozialen Bewegungen bis hin zu Initiativen, die Kämpfe im Globalen Süden miteinander verknüpfen, hat Kuba kontinuierlich daran gearbeitet, eine Einheit des Bewusstseins und der Erkenntnis aufzubauen – mit dem letztendlichen Ziel der Einheit im Handeln. Diese Arbeit basiert auf einer Vision des Internationalismus, der nicht als Wohltätigkeit oder Bevormundung verstanden wird, sondern als gemeinsamer Kampf.
In Lateinamerika und der Karibik war der Einfluss dieser Ausrichtung besonders tiefgreifend. Kubas unerschütterlicher Widerstand trug dazu bei, die politischen und moralischen Voraussetzungen für das Wiederaufleben progressiver Regierungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts und die Entstehung regionaler Projekte zu schaffen, die auf Souveränität und Integration abzielen. Selbst wenn solche Bemühungen Rückschläge erlitten haben, ist das kubanische Beispiel ein Bezugspunkt geblieben – eine Erinnerung daran, dass Würde, soziale Gerechtigkeit und Unabhängigkeit keine Abstraktionen sind, sondern gelebte Möglichkeiten, selbst unter Bedingungen extremen Drucks.
Auf globaler Ebene hat sich Kubas Rolle auf konkrete Solidaritätspraktiken ausgeweitert, die sich der Logik des Imperiums widersetzen. Seine Bereitschaft für internationale medizinische Zusammenarbeit, Bildung und Katastrophenhilfe hat ein radikal anderes Modell des globalen Engagements aufgezeigt – eines, das eher in menschlichen Bedürfnissen als in Profit oder geopolitischer Dominanz begründet ist.
Trotz der Belagerung vom Imperium, hat die heldenhafte Inselnation einen unschätzbaren Beitrag zum Wohl der Nationen und Völker der Welt geleistet und ein einzigartiges Erbe des Internationalismus und Humanitarismus geschaffen. Über 400.000 kubanische medizinische Fachkräfte haben in 164 Ländern im Kampf gegen Krankheiten gedient. Es ist das internationalistische Kuba, das selbstlos Zehntausende von medizinischen Fachkräften in Dutzende von Ländern auf der ganzen Welt entsandt hat, um Krankheiten wie Ebola oder COVID-19 zu bekämpfen.
Mehr als 2.000 Kubaner*innen opferten ihr Leben im Kampf um die Befreiung Afrikas von der Geißel des Kolonialismus und dem rassistischen Apartheidstaat Südafrika. Wie Nelson Mandela betonte: „Das kubanische Volk nimmt einen besonderen Platz in den Herzen der Menschen Afrikas ein. Die kubanischen Internationalist*innen haben einen Beitrag zur Unabhängigkeit, Freiheit und Gerechtigkeit Afrikas geleistet, der aufgrund seines prinzipientreuen und selbstlosen Charakters einzigartig ist.”
Diese Praktiken verdeutlichen, warum die kubanische Revolution sowohl ein symbolischer als auch ein konkreter Anker im Kampf für eine gerechtere Welt ist. Sie offenbaren eine Politik, in der Ethik und Macht nicht voneinander getrennt sind und in der der Wert einer Gesellschaft an ihrem Beitrag zur Menschheit gemessen wird, nicht an ihrer Akkumulation von Reichtum.
Genau deshalb darf Kuba nicht scheitern. Die Niederschlagung der kubanischen Revolution würde die imperialistische Aggression überall auf der Welt ermutigen. Sie würde die Doktrin verstärken, dass kein Land, wie prinzipientreu seine Bestrebungen auch sein mögen, sich den Diktaten des globalen Kapitals widersetzen und dabei überleben kann. Sie würde den Zynismus und die Verzweiflung unter den unterdrückten Völkern und Bewegungen, die für ihre Emanzipation kämpfen, vertiefen und die erschreckende Botschaft vermitteln, dass Widerstand zwecklos und Alternativen Illusionen sind.
Die Verteidigung Kubas hingegen bekräftigt eine andere historische Logik. Sie betont, dass Souveränität wichtig ist, dass kleine Nationen Rechte haben und dass soziale Gerechtigkeit kein utopischer Traum ist, sondern ein konkretes politisches Projekt, das es zu verteidigen gilt. Sich auf die Seite Kubas zu stellen, bedeutet nicht, seine Herausforderungen zu romantisieren oder seine Widersprüche zu ignorieren, sondern anzuerkennen, dass der allgemeine Kampf für Gerechtigkeit, Frieden und Menschenwürde untrennbar mit dem Überleben einer seiner beständigsten und trotzigsten Verkörperungen verbunden ist.
In diesem Sinne bleibt die Verteidigung der kubanischen Revolution, wie Fidel betonte, ein Akt des Internationalismus in seiner tiefgreifendsten Form. Es ist nicht nur die Verteidigung eines Landes, sondern eines Prinzips: dass die Menschheit das Recht – und die Fähigkeit – hat, sich eine Welt jenseits imperialer Herrschaft vorzustellen und aufzubauen. Kuba darf nicht scheitern, denn wenn es scheitert, wird der Verlust nicht nur Kubas sein. Er wird all denen gehören, die es wagen zu glauben, dass eine andere Welt möglich ist.
Isaac Saney ist Spezialist für Afroamerikanische Studien und Kuba und Koordinator des Programms „Black and African Diaspora Studies“ (BAFD, Schwarze und afrikanische Diaspora-Studien) an der Dalhousie University in Halifax, Nova Scotia.
