An diesem Wochenende sollen sich US-amerikanische und iranische Unterhändler in Pakistans Hauptstadt Islamabad treffen, die mit einem Sicherheitskordon abgesichert wurde, um einen wackeligen Waffenstillstand aufrechtzuerhalten.
Die strategischen Gewinne, die der Iran nach sechs Wochen Luftangriffen erzielt hat, lassen sich im Haupttraktandum der Agenda ablesen: dem Erdölfluss durch die Straße von Hormus.
Vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran – der mit der Ermordung hochrangiger iranischer Funktionäre mitten in den Verhandlungen begann – wurde die Straße von Hormus in Washington als fester Bestandteil des Imperiums betrachtet: eine schmale Seestraße, durch die das Erdöl der ganzen Welt unter US-Schutz fließen würde, in Dollar gehandelt, durch Sanktionen geregelt und von Stützpunkten am Golf, Wahrzeichen der US-amerikanischen Macht in der Region, flankiert.
Diese Tatsache ist inzwischen in Vergessenheit geraten – und wird wohl nie wieder Bedeutung erlangen. Auch nach dem am 7. April 2026 verkündeten Waffenstillstand liegt der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weiterhin weit unter dem Normalniveau und beträgt nur etwa 5 bis 10 Prozent des Vorkriegsverkehrs. Die Meeresenge, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Erdöls transportiert wird, steht nun faktisch unter iranischer Kontrolle, wobei die Revolutionsgarden die Schiffe durch die iranischen Gewässer um die Insel Larak leiten.
Teherans Zehn-Punkte-Plan für einen Waffenstillstand sieht eine Gebühr von US$ 2 Millionen pro Tanker vor, die nicht in US-Dollar, sondern in Kryptowährung zu entrichten ist – ein Zeichen nicht nur für militärische Macht, sondern auch für Teherans Bestreben, den Handel an den Finanzkanälen vorbeizuleiten, die Washington seit langem nutzt, um seine Feinde in die Knie zu zwingen.
Die alte Regelung war einfach: Iranisches Erdöl wurde mit Sanktionen belegt, während der Ölfluss aus den Golfstaaten weiterlief. Das ist schon alles. Die USA sahen sich nun gezwungen, vorübergehend die Sanktionen gegen iranische Ölexporte aufzuheben, um den Versorgungsschock abzumildern.
Dieselbe Macht, die jahrelang versucht hat, den Iran vom Zugang zu den Weltmärkten abzuschotten, schafft nun ad hoc Ausnahmen, um die Folgen ihrer eigenen Eskalation einzudämmen. Der Krieg zur Zerschlagung der Islamischen Republik hat stattdessen deren strategische Position gestärkt.
Und die Kosten wurden auch nicht allein vom Iran getragen. US-Stützpunkte, die einst als Instrumente regionaler Vorherrschaft dargestellt wurden, haben sich als Schwachpunkte erwiesen – sie wurden angegriffen, evakuiert oder im gesamten Golfgebiet und im östlichen Mittelmeerraum in Alarmbereitschaft versetzt. Die Schiffsversicherer haben die Risikoprämien in der gesamten Region neu berechnet. Die Energiemärkte bleiben volatil. Und nun fordert Washington von seinen Verbündeten, bei der Beseitigung des Chaos zu helfen: NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat den europäischen Regierungen mitgeteilt, dass Trump von ihnen innerhalb weniger Tage konkrete Zusagen zur Sicherung der Straße von Hormus erwartet – und das vor dem Hintergrund erneuter Drohungen, Washington könnte genau jenes Bündnis aufgeben, über das es seit langem sein Imperium organisiert.
Europa hat die Ereignisse unterdessen größtenteils nur aus der Ferne beobachtet. Da sie lediglich als Tankstellen für US-Bombenangriffe und als Zuschauer bei Verhandlungen dienten, an deren Gestaltung sie nicht beteiligt waren, hatten die europäischen Regierungen kaum Einfluss auf den Verlauf des Krieges oder dessen Folgen.
Die moralischen Rechtfertigungen für den Krieg verpufften mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Was mit der altbekannten Propaganda von „Befreiung“ und „Demokratisierung“ begann, entwickelte sich schnell zu einer Bedrohung, die iranische Zivilisation dem Erdboden gleichzumachen. Im ganzen Iran reagierten die Zivilist*innen mit Trotz und bildeten Menschenketten um wichtige Infrastruktureinrichtungen – Szenen, die die tieferen politischen Auswirkungen des Krieges verdeutlichten: Anstatt dass die Bombardements die iranische Gesellschaft spalteten, vereinten sie sie vielmehr gegen die ausländischen Zwänge. Wie es in der Teheraner Resolution heißt, die diese Woche von mehr als vierzig Bewegungen weltweit unterzeichnet wurde: „Der Krieg gegen den Iran ist im Kern ein Krieg zur Erhaltung der bröckelnden Architektur westlicher Vorherrschaft.“
Weit davon entfernt, sich einschüchtern zu lassen, hat der Iran nun mehr Einfluss auf die Energieversorgung der Region und einen stärkeren Anspruch auf Abschreckung. Das Land hat erneut bewiesen, dass weder Sanktionen noch Bomben es aus dem regionalen Machtgefüge verdrängen können. Die Golfmonarchien, die Energiemärkte, Washington und seine führungslosen Verbündeten müssen sich nun mit einer Realität auseinandersetzen, die in den westlichen Hauptstädten lange Zeit geleugnet wurde: Der Iran lässt sich nicht dermaßen isolieren, dass er bedeutungslos wird.
Für die Regierung von Benjamin Netanjahu stellt eine Situation, in der der Iran überlebt, seine strategische Tiefe bewahrt und seine militärische Widerstandsfähigkeit in diplomatischen und wirtschaftlichen Einfluss umwandelt, eine klare strategische Niederlage dar. Israels eskalierender Angriff auf den Libanon – und sein Beharren darauf, dass Beirut nicht unter den Waffenstillstand fällt – ist ein Versuch, mit anderen Mitteln das zu erreichen, was durch die direkte Bombardierung des Iran nicht erreicht werden konnte.
Wie das Kabinett der Progressiven Internationale diese Woche warnte, „kann Israels tödliche Aggression im Libanon nicht isoliert betrachtet werden“, sondern ist Teil „einer umfassenderen Strategie der verbrannten Erde, mit der das Groß-Israel errichtet und die Widerstandskräfte, die sich dem in den Weg stellen, erstickt werden sollen – sei es in Gaza, Beirut oder Teheran.“
Kein in Islamabad vereinbarter Text kann den Waffenstillstand sichern, solange die Mächte, die diesen Krieg ausgelöst haben, weiterhin dessen Ausgang zu bestimmen versuchen. Israel weitet seinen Angriff auf den Libanon aus, Washington behält sich das Recht vor, die Bombardierung nach Belieben wieder aufzunehmen, und selbst die Diplomatie vollzieht sich im mittlerweile vertrauten Schatten von Attentaten.
Doch nicht die USA und Israel haben die Eskalationsleiter im Griff, sondern der Iran, denn er hält die Schlüssel zur Straße von Hormus in der Hand.
Derzeit schlängeln sich Tanker unter iranischer Beobachtung durch die Meerenge, während sich Diplomat*innen unter bewaffnetem Schutz in Pakistan versammeln. Die alte Ordnung in Westasien bröckelt. Die Frage ist, was aus den Trümmern entstehen wird.
Für progressive Kräfte auf der ganzen Welt besteht die Aufgabe nicht nur darin, dem Niedergang des Imperialismus beizuwohnen, sondern eine gerechtere Ordnung zu schaffen, die an seine Stelle treten wird.
Am 30. März 2026 verabschiedete die Legislative Assembly von Telangana ein wegweisendes Gesetz, das Gelegenheits- und Plattformarbeiter*innen sozialen Schutz gewährt. Dies stellt einen der bedeutendsten Fortschritte für diese Arbeitnehmer*innen im Globalen Süden dar. Das Gesetz sieht die Einrichtung eines Sozialausschusses und eines Sozialfonds vor, die teilweise durch Beiträge digitaler Plattformen für Leistungen wie Unfallversicherung, Krankenversicherung und Einkommenszuschüsse finanziert werden; gleichzeitig wird ein formelles System für die Registrierung von Arbeitnehmer*innen und die Bearbeitung von Beschwerden geschaffen. Das Gesetz, das von der Telangana Gig and Platform Workers Union – einem Mitglied der Progressiven Internationale – begrüßt wird, wird allgemein als wichtiger Schritt zur Anerkennung der Rechte und der Würde von Hunderttausenden von Arbeitnehmer*innen in der Plattformwirtschaft angesehen.
Der Nordatlantikpakt (NATO) wurde an diesem Tag im Jahr 1949 gegründet. Für Fidel Castro war das Militärbündnis „das perfideste Instrument der Unterdrückung, das die Menschheit kennt“. Erfahre hier mehr über die NATO.
Die kubanische Revolutionärin und Gründerin des kubanischen Frauenbundes, Vilma Espín, kam an diesem Tag im Jahr 1930 in Santiago de Cuba zur Welt. Erfahre hier mehr über Espín.
Der palästinensische Schriftsteller, revolutionäre Marxist und Mitglied der Volksfront für die Befreiung Palästinas, Ghassan Kanafani, kam an diesem Tag im Jahr 1936 zur Welt. Erfahre hier mehr über Kanafani.
Innenkuppel der Schah-Moschee, Isfahan, Iran (fertiggestellt 1629).
Ein Meisterwerk der Safawiden-Architektur, zählen die spiralförmige Geometrie und die strahlend leuchtenden Kacheln nach wie vor zu den berühmtesten Errungenschaften der persischen Kunstgeschichte.
