In einer Welt, die von Washingtons eskalierendem Streben nach Weltherrschaft eingekeilt ist, schaffen die Menschen immer noch Räume zum Atmen – und um sich zu entscheiden.
Souveränität ist kein abstrakter Begriff, der auf das Bild einer flatternden Flagge über einem Parlamentsgebäude reduziert wird. Sie ist das Essen auf deinem Teller. Sie ist deine Fähigkeit, ein besseres Leben zu führen, ohne befürchten zu müssen, dass fremde Bomben deine Städte verwüsten könnten, oder dass Sanktionen dir die Möglichkeit zum Bauen oder Heilen nehmen. Sie ist das hartnäckige Beharren – in Ländern, Familien, Fabriken und Feldern – darauf, dass das Leben nicht für den Profit anderer organisiert werden darf.
Diese Dringlichkeit wird durch die spektakuläre und tödliche Gewalt der Vereinigten Staaten in Venezuela – und die Gefahr weiterer Gewaltakte in Kuba, Mexiko, Kolumbien, Grönland, Iran und darüber hinaus – noch deutlicher hervorgehoben. Bei der Entführung von Präsident Nicolás Maduro geht es um mehr als die Übernahme des venezolanischen Erdöls und den Versuch, das bolivarische Projekt zu zerstören. Es geht auch darum, die rohe Macht der USA auf die ganze Welt zu projizieren. Das Ziel besteht zweifellos darin, Angst zu verbreiten: Staaten und Bewegungen überall zu warnen, die Washingtons Diktaten nicht folgen wollen. Für US-Strategen hängt der Erfolg der Operation in Caracas davon ab, ob sie es schaffen, all jenen, die um Würde kämpfen, das Vertrauen zu nehmen.
Die Operation zielt auf die Bemühungen ab, eine menschlichere Welt zu schaffen, für die progressive Bewegungen ihr Leben lang kämpfen. Ihr wahres Ziel ist nicht nur eine Regierung in Caracas, sondern alle Arbeiter*innen, Landwirt*innen, Gemeinden und Bewegungen, die es wagen zu glauben, dass eine andere Ordnung möglich ist – und aufgrund dieser Überzeugung handeln.
Von App-Fahrer*nnen in Indien bis hin zu Barackenbewohner*innen in Durban, von Bergarbeiter*innen in La Paz bis hin zu Hungerstreikenden in Großbritannien – all diese Kämpfe entfalten sich im Schatten dieser Bedrohung. Trotzdem weiterzumachen ist an und für sich schon ein Akt des Trotzes und schafft einen Hoffnungsschimmer.
In Indien haben Gig-Worker unter der Leitung der PI-Mitgliedsorganisation Telangana Gig and Platform Workers Union (TGPWU) zusammen mit der International Alliance of App-based Transport Workers (IAATW) eindringlich daran erinnert, dass selbst die algorithmistischsten Arbeitsplätze von der Basis aus organisiert werden können. Nach Blitzstreiks im Dezember 2025, bei denen mehr als 40.000 Lieferarbeiter*innen mobilisiert wurden, erzwangen die Organisator*innen eine öffentliche Konfrontation mit dem tödlichen Druck, den die Mandate einer „Lieferung innerhalb von 10 Minuten“ mit sich bringen – und hatten Erfolg: Die Plattformen wurden angewiesen, dieses Versprechen aus ihren Apps zu entfernen.
Die Lektion ist einfach: Wenn Arbeiter*innen strategisch vorgehen, wird die Unausweichlichkeit der Plattformökonomie geknackt, und die Leute, die das System tatsächlich betreiben, können Grenzen setzen, Schutzmaßnahmen fordern und Macht für die nächste Runde aufbauen. (Mehr über diesen Sieg findest du in einem Interview mit Shaik Salauddin, dem Gründerpräsidenten der Telangana Gig And Platform Workers Union (TGPWU).)
In Bolivien mobilisierten sich Arbeiter*innen und Bauern gegen eine neue neoliberale Reform. Per Exekutivdekret vom Dezember 2025 hob Präsident Rodrigo Paz die langjährigen Treibstoffsubventionen auf, die für die Mehrheit des Landes als Rettungsleine dienten. Dieser Schritt löste Streiks unter der Führung der bolivianischen Arbeitergewerkschaft sowie anhaltende Proteste und Blockaden in La Paz aus, da die arbeitende Bevölkerung sich nicht damit zufrieden gibt, dass die Bilanz auf ihrem Rücken ausgeglichen wird.
In Südafrika feierte PI-Mitglied Abahlali baseMjondolo sein zwanzigjähriges Bestehen, seit sie sich in Barackengemeinschaften zu organisieren begannen. In Ekhenana, einer Landbesetzung, die zu einer Kommune in Durban ausgebaut wurde, errichteten sie die Frantz Fanon School – einen Ort, an dem „das Wissen über den Widerstand“ gelernt und das gemeinsame intellektuelle Leben einer Bewegung vertieft werden kann, welche in einer gegen sie strukturierten Welt denken, sich organisieren und verteidigen kann. (Mehr über Abahlalis Projekt der städtischen Kommune und politischen Bildung erfährst du in einem Interview mit dem stellvertretenden Präsidenten Mqapheli Bonono.)
In Venezuela bestehen die Gemeinden weiterhin darauf, dass Demokratie materiell sein muss – sie muss in der Produktion und kollektiven Entscheidungsfindung verwurzelt sein und nicht darauf reduziert werden, alle paar Jahre nur eine Zuschauerrolle zu übernehmen. Ihre kommunalen Versammlungen sind die Grundzellen eines sozialistischen nationalen Projekts, das darauf abzielt, die Produktion unter demokratische Kontrolle zu bringen und den Überschuss zugunsten sozialer Bedürfnisse zu verwenden – von der Bildung über Kliniken bis hin zu Wohnungen. Die Kommunenbewegung stellt eine direkte Herausforderung für die imperiale Geschichtsschreibung dar, die behauptet, dass nur Märkte und Gewalt das Leben koordinieren können – und dass jegliche Alternative durch Sanktionen, Nötigung und Belagerung zunichtegemacht werden kann. (In diesem Interview mit der Volkserzieherin Cira Pascual Marquina kannst du mehr über Venezuelas Kommunenbewegung und ihre Rolle in der Bolivarischen Revolution sowie ihr Verhältnis zum Staat, der sich der US-Aggression widersetzt, nachlesen.)
Und in Großbritannien haben politische Gefangene ihre Körper für Palästina aufs Spiel gesetzt – einige weigern sich seit mehr als siebzig Tage zu essen, womit sie irreparable Schäden riskieren, um ihre Inhaftierung und Großbritanniens Komplizenschaft am Krieg in Israel anzuprangern. Ihr Hungerstreik trug dazu bei, ein wichtiges Zugeständnis zu erzwingen: die Ablehnung eines Regierungsauftrags über £ 2 Milliarden an den israelischen Rüstungsgiganten Elbit Systems. Aber die Bedeutung geht deutlich tiefer als dieser einzelne Sieg. Der Hungerstreik enthüllte sowohl ein System, in dem Solidarität kriminalisiert wird, als auch die Macht der einfachen Leute, es infrage zu stellen.
Diese Kämpfe sind vielfältig und unterschiedlich. Jeder hat seinen eigenen unmittelbaren Feind: ein Unternehmen, ein Dekret, eine Polizeieinheit, einen Grundbesitzer, ein Ministerium, eine Besatzungsmacht. Um zu gewinnen, muss man den Feind auf seinem eigenen Terrain besiegen. Aber niemand kann das alleine tun, weil alle auf dieselbe globale Architektur stoßen, die einschränkt, was erlaubt ist: imperiale Gewalt und finanzielle Nötigung; Sanktionen und Vermögensdiebstahl; militärische Bedrohungen und Investitionsregeln; die Disziplinierung von Regierungen und die Degradierung der Arbeit; die Umzäunung von Land und die Auslöschung von Zukunftsperspektiven.
Was sie brauchen, ist nicht nur Mut, wenn es zum Konflikt kommt, sondern auch eine Verbindung darüber hinaus: einen gemeinsamen Horizont, der jeden lokalen Kampf stärkt, indem er ihn in einen gemeinsamen Kampf gegen das System einordnet, das all diese Konflikte hervorbringt.
Deshalb erfordert dieser Moment der eskalierenden imperialen Aggression ein erneutes Bekenntnis zum Internationalismus.
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