In Teheran regnet es Öl.
Nach den illegalen Angriffen der USA und Israels auf die iranische Energieinfrastruktur ist der brennende Treibstoff aus schwarzen Wolken auf die Erde zurückgefallen. Über der Stadt ziehen Rauchschwaden bis zum Firmament. In ganz Westasien weitet sich der Krieg aus: Der Libanon wird erneut bombardiert, der Gazastreifen ist vollständig abgeriegelt, das Westjordanland wird durch Annexionen und bewaffnete Siedler*innen zerstückelt.
Was als live aus Gaza übertragener Völkermord begann, breitet sich nun in der gesamten Region aus.
Seit fast zweieinhalb Jahren zerstört Israels Angriff auf den Gazastreifen Krankenhäuser, Universitäten und ganze Stadtviertel. Thermobarische Waffen – Vorrichtungen, die der Luft Sauerstoff entziehen, bevor sie eine Feuerkugel entfachen – haben belebte Straßen in Feuerhöllen verwandelt, die so heiß sind, dass sie menschliche Körper „verdampfen“ lassen, wie die palästinensische Wissenschaftlerin Yara Hawari letzte Woche auf dem Volkskongress in Amsterdam berichtete. Sie merkte an, dass die Zerstörungskraft mittlerweile ein Vielfaches der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe betrage, und erst noch auf einen schmalen Landstreifen konzentriert.
Und dennoch läuft die Maschinerie weiter.
Hilfskonvois werden aufgehalten, Grenzübergänge gesperrt. Die in Washington entworfenen Wiederaufbaupläne sehen vor, dass Gaza in ein Netz aus biometrischen Lagern und Konzessionen für Unternehmen verwandelt wird – ein dystopischer „Friedensrat“, der auf den Trümmern aufgebaut werden soll.
Die Lehre daraus ist eindeutig: Straffreiheit führt zur Eskalation.
Für Omar Barghouti, Mitbegründer der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestition und Sanktionen), ist der Gazastreifen zum Testfeld für eine neue Weltordnung geworden. „Die völlige Straffreiheit Israels“, warnte er in Amsterdam, führe zu einer Welt, in der „Macht des Stärkeren gilt“ – einer Welt, in der Strategien, die zuerst an den Palästinenser*innen erprobt wurden, in alle Welt exportiert werden.
Der Iran befindet sich nun mitten in diesem sich ausweitenden Kriegsgebiet.
Doch während sich der Konflikt weiter verbreitet, entsteht eine Gegenarchitektur.
Letzte Woche kamen in Den Haag vierzig Staaten unter dem Banner der Haager Gruppe zusammen – das größte Treffen seit der Lancierung dieser Initiative –, um gemeinsame Maßnahmen zur Verteidigung des Völkerrechts zu koordinieren. Ihre Gespräche gingen über bloße Erklärungen und Verurteilungen hinaus und befassten sich stattdessen mit konkreten Durchsetzungsmechanismen.
Im Mittelpunkt dieser Überlegungen stand ein einfacher Gedanke: Für Kriegsverbrecher darf es keinen sicheren Zufluchtsort geben.
Die Staaten prüften eine koordinierte Einwanderungsrichtlinie, die die Einreise von Personen, welche in Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Palästina verwickelt sind, einschränken würde – eine Maßnahme zur Sicherstellung, dass diejenigen, die für Gräueltaten verantwortlich sind, sich nicht ungehindert durch die Hauptstädte der Welt bewegen können.
„Wenn der Zugang zu Häfen verwehrt wird, verlagern sich die Routen“, sagte Varsha Gandikota-Nellutla, Generalsekretärin der Haager Gruppe. „Durch die koordinierte Durchsetzung des Völkerrechts wird es schwieriger, die Straflosigkeit aufrechtzuerhalten.“
Die jüngsten Ereignisse haben dies bereits deutlich gemacht. Als Namibia Schiffen, die im Verdacht standen, militärische Güter nach Israel zu transportieren, das Anlegen in seinen Häfen untersagte, mussten die Schifffahrtsrouten über Nacht geändert werden – ein Beweis dafür, dass koordiniertes staatliches Handeln der Kriegsmaschinerie echte logistische und politische Probleme bereiten kann.
Aber das Gesetz allein reicht nicht aus.
Außerhalb der Tagungssäle in Den Haag versammelten sich Gewerkschafter*innen, Parlamentarier*innen, Aktivist*innen und Organisator*innen in Amsterdam zum Volkskongress der Haager Gruppe – ein Versuch, die soziale Kraft aufzubauen, die in der Lage ist, solche Aktionen aufrechtzuerhalten – vor Gerichten, in Häfen und in Fabriken.
Die Schriftstellerin Sally Rooney erinnerte an die irischen Arbeiter*innen, die sich während der Apartheid einst weigerten, südafrikanisches Obst zu verladen – eine kleine Geste der Solidarität, die schließlich dazu beitrug, einen landesweiten Boykott auszulösen. Befreiungskämpfe, so argumentierte sie, seien dann erfolgreich, wenn gewöhnliche Menschen die Schwachstellen im Unterdrückungsapparat aufdecken und so lange Druck ausüben, bis dieser zusammenbricht.
Die Welt steht nun vor derselben Logik.
Wenn Gaza den Zusammenbruch der alten „regelbasierten Ordnung“ markiert, dann stehen Den Haag und Amsterdam für den Versuch, an ihrer Stelle etwas Neues aufzubauen: Staaten und Bewegungen, die bereit sind, eine Gegenmacht zu bilden und auszuüben.
Ob dieses Experiment gelingt, könnte weit mehr als nur das Schicksal Palästinas bestimmen.
Wie Barghouti am Kongress warnte: Palästina ist heute zur Nagelprobe dafür geworden, ob die Menschheit damit beginnen kann, Jahrhunderte kolonialer Herrschaft abzubauen – oder ob sie weiter in eine Welt abgleitet, die offen von Gewalt beherrscht wird.
In Amsterdam kamen Organisator*innen, Parlamentarier*innen, Jurist*innen und Gewerkschafter*innen zum Volkskongress der Haager Gruppe zusammen, der parallel zur Staatenkonferenz in Den Haag stattfand. Am Kongress kamen Organisationen aus der gesamten Palästina-Solidaritätsbewegung zusammen, um Strategien zu koordinieren, mit denen das Völkerrecht durchgesetzt und der Straffreiheit, die Israels Angriff auf Gaza ermöglicht hat, entgegengewirkt werden kann.
Am 8. März 2026 fand in Venezuela die sechste Nationale Volksbefragung statt, ein partizipativer demokratischer Prozess, der 2024 als Teil einer nationalen Strategie ins Leben gerufen worden war, um der US-Blockade entgegenzuwirken und die direktdemokratische Entscheidungsfindung im ganzen Land zu stärken.
Nachdem der französische Buchhändlerverband einen Boykott verhängt hatte, zog Amazon sein Sponsoring für das Pariser Buchfestival zurück – ein wichtiger Sieg im Kampf gegen die zunehmende Dominanz des Unternehmens in der Verlagsbranche.
Spanien hat humanitäre Hilfe für Kuba angekündigt, da die Insel unter einer sich verschärfenden Ölblockade leidet, die zu Engpässen bei der Kraftstoffversorgung und bei öffentlichen Dienstleistungen geführt hat. Diese Entscheidung verstärkt den wachsenden internationalen Druck gegen das seit Jahrzehnten gegen das Land verhängte Embargo.
In Kenia wurde Booker Omole, der stellvertretende Vorsitzende der Kommunistischen Partei Kenias, aus der Haft entlassen. Während seiner Haftzeit verwandelte Omole seine Zelle in einen politischen Unterrichtsraum und organisierte politische Schulungen und Diskussionen unter den Mitgefangenen.
In Kolumbien haben die progressiven Kräfte einen wichtigen Wahlsieg errungen, wodurch das Reformprogramm der Regierung gestärkt wird und deutlich gemacht wurde, dass die Bemühungen, jahrzehntelange neoliberale Politik und politische Gewalt zu überwinden, in der Bevölkerung weiterhin breite Unterstützung finden.
In Südafrika veranstaltete Abahlali baseMjondolo nördlich von Durban eine Gedenkfeier für fünf Kinder, die bei einem Brand in einer Hütte in einer besetzten Siedlung im Gebiet eKumimini ums Leben gekommen sind. Am vergangenen Samstag bestattete die Bewegung Zweli „Khabazela“ Mkhize, der ermordet wurde, weil er sich kriminellen Mafiabanden widersetzt hatte, die darauf aus waren, besetztes Land an sich zu reißen und gewinnbringend zu verkaufen. „Arm zu sein bedeutet, dem Tod nahe zu sein“, schrieb die Bewegung. „Man kann langsam sterben oder man kann schnell sterben. Man kann bei einem Brand ums Leben kommen oder durch einen Schuss.“
„Earth’s Greatest Enemy“, das zweite Filmprojekt von Abby Martin, ist ein bahnbrechender antiimperialistischer Umweltdokumentarfilm. Er startet diesen Monat seine Tournee durch Europa.
Das Pentagon, das von internationalen Klimaabkommen ausgeschlossen ist und in der Mainstream-Berichterstattung kaum unter die Lupe genommen wird, ist der weltweit größte einzelne institutionelle Umweltverschmutzer – es stößt Unmengen CO2 aus, verschmutzt Gewässer und hinterlässt weltweit Narben in der Landschaft. Durch den Zusammenschluss von investigativem Journalismus, eindrucksvollen Bildern und Berichten aus den betroffenen Gemeinden regt dieser Film das Publikum dazu an, die verborgenen Kosten eines globalen Militärimperiums und dessen weltweite Folgen neu zu überdenken. Provokativ, eindringlich und aufschlussreich – dieser Dokumentarfilm wird deine Sichtweise sowohl auf das Militär als auch auf den Umweltschutz verändern. Hier findest du den Tourenplan und kannst dein Ticket buchen.
2. März 1896 – Die Schlacht von Adwa
Äthiopische Truppen besiegten die einfallenden italienischen Truppen in der Schlacht von Adwa und errangen damit einen der entscheidendsten antikolonialen Siege der modernen Geschichte. Dieser Sieg sicherte Äthiopiens Souveränität und wurde zu einem Symbol des Widerstands in ganz Afrika und in der Diaspora.
8. März – Internationaler Frauentag Der Internationale Frauentag hat seinen Ursprung in den Arbeiterinnenkämpfen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Am 8. März 1917 demonstrierten Textilarbeiterinnen in Petrograd gegen die Brotknappheit und den Krieg und lösten damit die Februarrevolution aus, die zum Sturz des zaristischen Regimes führte.
Die Holzbibliothek am Königlichen Tropeninstitut (KIT) in Amsterdam ist ein „wissenschaftlicher“ Katalog, der einst von niederländischen Kaufleuten zur Bewertung von Holz aus ehemaligen Kolonien genutzt wurde. Ein Bereich mit der Bezeichnung „Israel, 1962“ enthält Holz aus verschiedenen Regionen des historischen Palästinas und lässt damit die Existenz palästinensischer Gebiete und Territorien außer Acht.
Im Mai 2025 drang der palästinensische Künstler Hamza Badran anonym in die Bibliothek ein, wobei er ein Stück Holz mit einer erfundenen Beschriftung dort platzierte, nachdem er die Handschrift und die Formen der Sammlung studiert hatte. Badrans Aktion kritisiert die anhaltende Verfälschung der Geschichte durch koloniale Artefakte und Objekte, obwohl das Museum seine koloniale Vergangenheit anerkennt. Hamza Badran (geb. 1993, Palästina) ist ein fachübergreifender Künstler, der in Basel lebt und derzeit Artist-in-Residence an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten ist. Im Jahr 2023 gewann er den Kiefer-Hablitzel-Göhner-Kunstpreis, und 2022 war er im Rahmen des Kollektivs „Jimmie Durham and a Stick in the Forest by the Side of the Road“ auf der documenta 15 vertreten.
