Die britische Regierung nutzte laut kürzlich freigegebenen Akten während des Kalten Krieges Scheininstitutionen und gefälschte Dokumente, um ihre Gegner zu bekämpfen und ihre eigenen Interessen zu schützen.
Die Informationen stammen von zahlreichen hochsensiblen Akten, die dem Nationalarchiv in London übergeben wurden.
Die Dokumente gehörten dem Information Research Department (IRD), einer geheimen antikommunistischen Propagandaabteilung, die zwischen 1948 und 1977 dem Außenministerium zugeordnet war.
Innerhalb des IRD gab es eine streng geheime Unterabteilung namens „Special Editorial Unit“ (SEU), die sich mit Unterstützung des MI6 auf die „dunklen Künste“ der verdeckten Staatsführung spezialisiert hatte.
Dazu gehörte die Planung und Durchführung von geheimer Propagandaaktionen wie die Gründung fiktiver Organisationen und die Verbreitung gefälschter Dokumente.
Diese „Black Operations“ dienten laut dem Historiker Rory Cormac, dessen neues Buch sich mit den Schlüsselfiguren hinter der SEU befasst, dazu, „eine Reaktion zu provozieren, zur Gewalt anzustacheln oder rassistische Spannungen zu schüren“.
Die SEU kontrollierte zudem heimlich eine Reihe globaler Nachrichtenagenturen, die sich als seriöse Medienunternehmen ausgaben und der britischen Propaganda als Kanäle dienten.
Darüber hinaus versorgte sie „unabhängige“ Journalist*innen mit besonderen Hintergrundinformationen und vorformulierten Artikeln, die dann unter deren Namen veröffentlicht wurden.
Ein Großteil dieses Materials konzentrierte sich auf die Sowjetunion und ihre Aktivitäten im Ausland, doch richteten sich andere Kampagnen auch gegen linke und nationale Befreiungsbewegungen in den Entwicklungsländern.
Antikoloniale Führer wie Gamal Abdel Nasser aus Ägypten, Sukarno aus Indonesien und Kwame Nkrumah aus Ghana standen häufig im Fokus britischer Propagandaaktionen.
Auch sonst organisierte die SEU Propagandakampagnen zu ganz unterschiedlichen Themen wie den Fischereirechten im Nordatlantik, der Apartheid in Südafrika und den kommunistischen Parteien Europas.
Die Akten bieten neue Einblicke in die Rolle von Propagandaaktionen in der britischen Geheimdiplomatie und zeigen auf, dass Doppelzüngigkeit und Desinformation in weitaus größerem Umfang eingesetzt wurden, als bisher bekannt gewesen war.
Zu den Kernaufgaben der SEU gehörte es, Nachrichtenagenturen – in den Akten als „kontrollierte Medien“ bezeichnet – verdeckt zu betreiben und dafür zu sorgen, dass diese ständig mit Propagandamaterial versorgt wurden.
Zu den von Whitehall kontrollierten Agenturen gehörten Near and Far East News (NAFEN), der National Guardsman, der Guardian of Liberty, Lion Features und World Feature Services.
In den 1960er Jahren verfasste die SEU wöchentlich etwa zehn Artikel für NAFEN, die anschließend in ganz Asien verbreitet wurden, insbesondere in Indien, Pakistan, Ceylon, Japan und Malaysia.
The Guardian of Liberty war eine zweimonatlich erscheinende Zeitschrift, die an Politiker*innen, Regierungsbehörden, Gewerkschaften, Universitäten, öffentliche Bibliotheken, Journalist*innen und Geschäftsleute in den Entwicklungsländern verschickt wurde.
„Mit dem ungarischen Aufstand als angeblichen Ausgangspunkt“, so hieß es in einer Akte der SEU, konnte sich der Guardian of Liberty „einen Ruf als maßgebliche Informationsquelle zu kommunistischen Angelegenheiten“ verschaffen, was den sowjetischen Behörden oft „peinlich“ war.
Die SEU zeigte sich besonders erfreut darüber, dass sie als „schlagkräftiges, widerlegbares Sprachrohr für die Verbreitung besonders ‚heikler‘ Themen“ fungierte, wie etwa „die Namen von im Ausland tätigen KGB-Agenten“.
Ein weiteres bedeutendes, von der SEU kontrolliertes Publikationsorgan war Lion Features, das in der Regel jeden Monat drei Ausgaben mit jeweils fünf Artikeln veröffentlichte.
Laut einem Bericht der SEU wurde er „an Zeitungen und Radiosender in ganz Afrika sowie im Nahen Osten und in einigen Fällen auch in Asien“ verschickt, wobei im Jahr 1972 bis zu 80 afrikanische Zeitungen diesen Dienst nutzten.
Um wie seriöse Nachrichtenagenturen zu wirken, vermischten die „kontrollierten Medien“ der SEU politische Inhalte mit „harmlosen“, um das Propagandamaterial „schmackhafter zu machen“.
Diese „harmlosen“ Artikel behandelten Themen wie Frauenfragen, Gesundheit, Soziologie, Geografie, Geschichte und Sport.
„Um Redakteur*innen und Leser*innen anzulocken und den Anschein einer echten funktionellen Agentur zu wahren, besteht eine durchschnittliche Ausgabe in der Regel aus zwei polemischen Artikeln, ergänzt durch drei weitere Beiträge positiver oder harmloser Natur“, schrieb ein SEU-Vertreter über Lion Features.
Neben der Kontrolle über Nachrichtenagenturen versorgte die SEU „unabhängige“ Medien und Journalist*innen mit heimlichen Instruktionen und vorformulierten Inhalten, die unter deren eigenem Namen veröffentlicht werden sollten.
Einige dieser Berichte stammten aus Materialien des britischen Geheimdienstes und halfen Journalist*innen dabei, ihr eigenes Ansehen zu stärken und die Berichte international zu verbreiten.
Einer der wichtigsten Kontakte der SEU in dieser Hinsicht war eine Person, die in internen Memos geheimnisvoll als „Journalist in Wien“ bezeichnet, aber nie namentlich genannt wurde.
Als „erfahrener Korrespondent für sowjetische und osteuropäische Angelegenheiten“ schickte ihm die SEU wöchentlich durchschnittlich zwei bis drei vorformulierte Artikel zur Veröffentlichung in führenden Zeitschriften in ganz Europa. Die meisten davon erschienen in der deutschsprachigen Schweizer Presse.
Zwischen Oktober 1972 und September 1973 veröffentlichte er 211 Artikel der SEU in Schweizer Medien, die von bekannten Publikationen mit internationalem Ruf wie der Tageszeitung Neue Zürcher Zeitung bis hin zu kleineren Lokalzeitungen reichten.
Viele dieser Artikel wurden anschließend in bedeutenden Fachzeitschriften in ganz Europa und darüber hinaus aufgegriffen.
So wurde beispielsweise auf einen Artikel des Journalisten in der Neuen Zürcher Zeitung „in einer Artikelserie der linken französischen Tageszeitung Combat“ Bezug genommen, woraufhin er „den Chinesen auffiel“ und in China verbreitet wurde.
Der „Journalist in Wien“ versorgte einflussreiche Kontakte zudem mit „speziellem Material“, das von der SEU vorbereitet worden war, und fungierte als „wichtiges Bindeglied zu politischen und militärischen Kreisen in der Schweiz sowie zu den Regierungen bestimmter anderer Länder über deren Botschafter in Wien“.
Dieser Journalist war zwar vielleicht der aktivste SEU-Kontakt in Österreich, aber keineswegs der einzige.
Zu den weiteren Ansprechpartnern in Wien gehörten ein „bekannter österreichischer Journalist …, der eine wöchentliche Fernsehsendung zu aktuellen Themen moderiert“, ein Reuters-Korrespondent, der aktuelle „Insider-Informationen“ zu osteuropäischen Angelegenheiten erhielt, sowie ein Reporter, der „einen Hintertür-Zugang zur niederländischen Presse“ bot.
„Den Leitern der UPI- und Reuters-Büros in Wien“ wurde weiteres Material zur Verfügung gestellt, in der Hoffnung, dass dies einen „integrierten Multiplikatoreffekt haben und zu einer breiteren Berichterstattung führen“ würde.
In anderen Teilen Europas zählten zu den wichtigsten Kontakten der SEU ein „Schweizer Journalist“ in Genf und ein Vertreter des deutschen Springer-Verlags; letzterer bot „einen Zugang zur westdeutschen Presse … und zum Springer-Auslandspressedienst“.
Zusätzliche Inhalte wurden an die Swiss Press Review übermittelt, einem wöchentlichen Nachrichtendienst in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch; die SEU übernahm sogar die Kosten für die Reise ihres Redakteurs nach Hongkong in den frühen 1970er Jahren, „um eine intensivere Berichterstattung über die Ereignisse in China zu fördern“.
Auch auf seiner Seite des Ärmelkanals gelangte die SEU über den Sunday Telegraph, den Scotsman und den Newsletter Foreign Report des Economist in die britische Presse.
So wurde beispielsweise 1973 in einem SEU-Memo vermerkt, dass der stellvertretende Chefredakteur des Sunday Telegraph – vermutlich Gordon Brook-Shepherd, ein wichtiger Ansprechpartner des IRD – „sechs Sätze schriftlicher Unterlagen oder mündlicher Einweisungen“ erhalten habe.
Auf der Grundlage dieser Informationen verfasste der Redakteur dann eine „Reihe über arabische Guerillabewegungen und ihre internationalen Verbindungen“, deren Artikel „an vier aufeinanderfolgenden Sonntagen“ erschienen.
Die Einheit fälschte im Rahmen von geheimen Operationen zudem Dokumente von echten und erfundenen Gruppen, was die britische Propagandaoffensive weiter verstärkte.
Diese Maßnahmen wurden jedoch „selektiv“ und „nur in den Fällen eingesetzt, in denen eine wichtige Botschaft auf andere Weise nicht glaubwürdig übermittelt werden konnte“.
So verfasste die Einheit beispielsweise Artikel, die den Anschein erweckten, als stammten sie von echten Medien wie der sowjetischen Nachrichtenagentur Novosti, während Propaganda-Inhalte von der SEU auch über Gruppen wie das Comitato Milanese per la Pace (Mailänder Komitee für den Frieden) verbreitet wurden.
Die Fälschungen wurden dann weltweit an geeignete Ziele verschickt, darunter Regierungsvertreter, Gewerkschaften, Friedensorganisationen und Journalist*innen.
Im Zuge der Planung dieser verdeckten Propagandaaktionen kam es nicht selten vor, dass britische Minister eingriffen und Empfehlungen aussprachen.
Im Jahr 1964 fragte Außenminister Patrick Gordon Walker, ob „wir bei unseren Aktivitäten in Afrika nicht die Tatsache nutzen könnten, dass die Chinesen in ihrer Hautfarbe kaum dunkler sind als die Weißen“.
Er schlug vor, dass die SEU „einige Untersuchungen zu den rassistischen Vorurteilen der Afrikaner gegenüber den Chinesen“ durchführen solle, mit dem übergeordneten Ziel, jeglichen Eindruck von „Zusammengehörigkeit“ zu zerstören.
Ein anonymer Brief, der 1972 auf „Anregung“ des Außenministers an einen „Führer am Persischen Golf“ geschrieben wurde, soll „zu dessen Entscheidung beigetragen haben, keine diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion aufzunehmen“.
Ein wesentlicher Teil der Propagandaaktivitäten der SEU richtete sich gegen die Sowjetunion und zielte darauf ab, deren Aktivitäten zu behindern und sie geopolitisch zu isolieren.
Gemäß den jährlichen Berichten der SEU gehörten zu den wiederkehrenden Themen „die expansionistische Taktik der Sowjetunion in den Entwicklungsländern“ sowie die „wenig rühmlichen Aktivitäten des Sowjetblocks im Bereich der Spionage und Subversion weltweit“.
So trug die SEU beispielsweise dazu bei, eine von der Sowjetunion inspirierte Geheimdienstoperation in Tunesien sowie den Besuch eines sowjetischen Geheimagenten in den portugiesischen Kolonien in Afrika aufzudecken.
Andere Kampagnen zielten darauf ab, die Beziehungen der Sowjetunion zu ihren Nachbarn zu verschlechtern und ihren Ruf in den Entwicklungsländern zu schädigen.
Im Jahr 1965 wurden vier „Black Operations“ gestartet, mit dem Ziel, die „chinesisch-sowjetischen Spannungen“ auszunutzen und sowjetische „Scheinorganisationen“ zu entlarven.
Dazu gehörte unter anderem, dass einer echten sowjetischen Broschüre ein gefälschtes Begleitschreiben beigefügt wurde, in dem „chinesische Atomtests“ verurteilt wurden; außerdem wurde ein gefälschtes Plakat, auf dem Chinas Atomprogramm kritisiert wurde, an Jugendkomitees verschickt.
Die SEU gab 1972 zudem eine gefälschte Broschüre der Zeitung Novosti über die Lumumba-Freundschaftsuniversität heraus, eine Forschungseinrichtung in Moskau, die ausländische Studierende aufnahm.
Die Broschüre „wies auf die Schwierigkeiten hin, unter denen die [ausländischen] Studenten litten“, und „vermutete, dass ihre schlechten Ergebnisse eher auf ihre geringe Intelligenz als auf die sowjetischen Lehrmethoden zurückzuführen seien“.
Das Ziel bestand darin, „den Bemühungen der Sowjetunion, arabische Studenten zu rekrutieren, entgegenzuwirken“, wobei 1.060 Exemplare in Entwicklungsländer verschickt wurden und dem Nahen Osten „besondere Aufmerksamkeit“ gewidmet wurde.
Ein weiteres gefälschtes Novosti-Bulletin mit dem Titel „Die Rolle des Islam in der modernen Gesellschaft“ wurde an muslimische Länder verschickt, um zu zeigen, „wie der Islam und andere Religionen von der Sowjetunion unterdrückt werden“.
Andernorts wurden geheime Operationen vor allem durchgeführt, um die Sowjets in Verlegenheit zu bringen.
Im Jahr 1974 wurde eine „fiktive“ Erklärung des sowjetfreundlichen Weltfriedensrats (WPC) über die „Schikanierung und Ausweisung“ von Alexander Solschenizyn veröffentlicht.
Der russische Dissident und Schriftsteller wurde in jenem Jahr nach der Veröffentlichung von „Der Archipel Gulag“, einem Werk über das weitverzweigte Gefängnissystem der Sowjetunion, verhaftet und des Landes verwiesen.
Die 1950 gegründete WPC setzte sich angeblich für Abrüstung, Antiimperialismus und den Weltfrieden ein, war aber auch eine Tarnorganisation zur Förderung der sowjetischen Außenpolitik.
Die Erklärung der SEU wurde an rund 504 Empfänger verschickt, „die meisten davon in Westeuropa, einige im Nahen Osten und weitere in Asien und Afrika“, mit dem Ziel, „gemäßigte Linke zu verärgern“.
Daraufhin sah sich die WPC gezwungen, eine Gegendarstellung zu veröffentlichen, und machte damit „darauf aufmerksam, dass“ sie „es versäumt hatte, sich zu Solschenizyns Fall zu äußern – ein bedeutendes und aufschlussreiches Eingeständnis“.
Weitere bedeutende Operationen der SEU richteten sich gegen prominente Führer nationaler Befreiungs- und Entkolonialisierungsbewegungen im Globalen Süden.
Eine dieser Persönlichkeiten war Gamal Abdel Nasser, unter dessen Präsidentschaft in Ägypten zwischen 1954 und 1970 der Suezkanal verstaatlicht wurde.
Die SEU bemühte sich intensiv darum, einen Keil zwischen Ägypten und seine Nachbarländer zu treiben, wobei sie sich vor allem auf Nassers „Landhunger“ in Nordafrika und im Nahen Osten konzentrierte.
Die „Black Operations“ der 1960er Jahre widmeten sich vor allem „der Bevölkerungsexplosion in Ägypten im Vergleich zu Libyen“ und Ägyptens „Absichten in Bezug auf Libyens Erdöl“, während andere darauf abzielten, „Nassers expansionistische Bestrebungen“ im Jemen und in Syrien aufzudecken.
Ein weiteres Thema der verdeckten Propaganda drehte sich darum, dass Nassers „Haltung gegenüber der Sowjetunion mit den kommunistischen Grundsätzen zum Islam unvereinbar“ sei.
Sukarno, der von 1945 bis 1967 Präsident Indonesiens war, geriet ebenfalls unter die Räder der britischen Propagandaaktivitäten.
Die SEU hatte zum Ziel, Spannungen zwischen Indonesien und der internationalen islamischen Welt zu schüren, wobei im Rahmen geheimer Operationen „Indonesiens Pläne zur Übernahme der Führung in der muslimischen Welt“ hinterfragt wurden.
Das Ziel, so schrieb ein Agent, sei es gewesen, „muslimische Führer im Nahen Osten zu verärgern“.
Im Jahr 1964 wurden zudem etwa 500 Exemplare eines Bildprospekts verschickt, auf dem „Sukarno zwischen Hitler und Mussolini“ abgebildet war, um den indonesischen Präsidenten anzugreifen.
Im darauffolgenden Jahr verteilten britische Propagandisten Flugblätter, in denen gefordert wurde, den „kommunistischen Krebs“ aus Indonesien „herauszuschneiden“, und trugen damit dazu bei, Massaker an Linken anzustacheln, die die CIA später als „einen der schlimmsten Massenmorde des 20. Jahrhunderts“ bezeichnen sollte.
Und als die Massaker ausgebrochen waren, lobte das IRD laut Recherchen der Journalisten Paul Lashmar, Nicholas Gilby und James Oliver „die Streitkräfte und die Polizei“ dafür, dass sie „hervorragende Arbeit geleistet“ hätten.
In einer Broschüre des IRD hieß es: „Der Kommunismus muss in all seinen Formen abgeschafft werden. Die von der Armee begonnene Arbeit muss fortgesetzt und intensiviert werden.“
Ein drittes prominentes Ziel der SEU war Kwame Nkrumah, der von 1957 bis 1966 Präsident von Ghana war, nachdem er dem Land zur Unabhängigkeit von Großbritannien verholfen hatte.
Das übergeordnete Ziel des IRD bei seinen Angriffen auf Nkrumah bestand darin, „eine Stimmung“ zu schaffen, in der er „gestürzt und durch eine eher westlich orientierte Regierung ersetzt werden konnte“.
Die Anweisung für die Offensive gegen Nkrumah kam vom damaligen britischen Premierminister Alec Douglas-Home, der 1964 fragte: „Können wir nicht ein paar detaillierte Fakten über Nkrumahs Handlungen durchsickern lassen – über Kanäle, die nicht auf uns zurückgeführt werden können?“
Im Jahr 1965 wurden 450 Exemplare einer SEU-Broschüre, die von einer Gruppe „ghanaischer Exilanten“ herausgegeben worden war, verschickt und dazu genutzt, Kowo Addison, den Direktor des Kwame-Nkrumah-Instituts für Ideologie, anzugreifen.
„Ziel der Aktion war es, die Aufmerksamkeit auf die finsteren ausländischen Berater zu lenken, die Nkrumah dazu ermutigten, eine Politik zu verfolgen, die den tatsächlichen Interessen Ghanas zuwiderläuft“, schrieb ein Funktionär der SEU.
Außerdem wurden 500 Exemplare eines zweiten Flugblatts verteilt, in dem „die bösen Männer um Nkrumah“ angegriffen wurden, insbesondere der Generalsekretär der Panafrikanischen Journalistenvereinigung, Kofi Batsa.
Nkrumah begann eine Rede aus dem Jahr 1965 mit einem scharfen Angriff auf „diejenigen mit böswilligen Absichten, die … anonyme Briefe und Dokumente verfassen und in Umlauf bringen, welche Drohungen und Verleumdungen gegen andere Menschen enthalten“.
Nachdem Nkrumah 1966 durch einen Staatsstreich gestürzt und durch hochrangige Vertreter des ghanaischen Militärs und der Polizei ersetzt worden war, erklärte ein Diplomat, die Bemühungen des IRD sollten darauf abzielen, „sicherzustellen, dass die Lehre aus Nkrumahs Annäherung an den Kommunismus anderen Afrikanern nicht entgeht“.
Anderswo in Afrika wurde Kenias Jaramogi Oginga Odinga in von der SEU gelenkten Kampagnen als „Werkzeug der Chinesen“ bezeichnet, und man bemühte sich, „eine friedliche Lösung der südafrikanischen [Apartheid-]Situation zu fördern“.
Andere wiederum versuchten, „die Torheit der einseitigen Unabhängigkeitserklärung von Südrhodesien“ im Jahr 1965 aufzudecken und die Aufmerksamkeit auf die „Gräueltaten in Uganda“ unter Idi Amin in den 1970er Jahren zu lenken.
Obschon sich die meisten Operationen auf die Sowjetunion und die Entwicklungsländer konzentrierten, verfolgte die SEU auch die Geschehnisse in Europa mit großem Interesse.
Die „Kabeljaukriege“, eine Reihe von Konflikten zwischen Großbritannien und Island um Fischereirechte im Nordatlantik, wurden in den 1970er Jahren zu einem Schwerpunkt der Aktivitäten der SEU.
Die SEU verfasste mehrere Artikel „über das Interesse Chinas und der Sowjetunion an Island“, von denen einer anschließend „in mindestens fünf Schweizer Zeitungen“ erschien.
In den Artikeln wurde „das sowjetische Interesse an der Insel und die Hoffnung der Kommunisten auf einen unerwarteten Gewinn aus dem Streit“ angeprangert, in der Absicht, Islands Vorgehen als von äußeren Interessen beeinflusst darzustellen.
In einem Fall bat die SEU den Herausgeber der Swiss Press Review sogar darum, bei isländischen Zeitungsredakteuren „Abonnements zu akquirieren“, um so die Sichtweisen Großbritanniens ins Land zu schmuggeln.
Anderswo richtete sich das Material der SEU gegen den Einfluss der Kommunisten in Portugal, die „Unabhängigkeit“ der westlichen kommunistischen Parteien, die „Aufrichtigkeit“ der italienischen Kommunisten und die „Behauptungen über die Übernahme demokratischer Prinzipien“ seitens eurokommunistischer Kreise.
Das IRD wurde schließlich 1977 unter der Labour-Regierung von Harold Wilson aufgrund von Mittelkürzungen, der Entspannung im Kalten Krieg und Unklarheiten hinsichtlich seiner Arbeitsteilung mit dem MI6 aufgelöst.
Die verdeckte Propagandamaschinerie Großbritanniens verschwand damit jedoch nicht vollständig. Das Außenministerium führte über eine Nachfolgeeinrichtung namens „Special Production Unit“ (SPU) weiterhin einige Aktivitäten im Stil des IRD durch.
John McEvoy ist Chefreporter bei Declassified UK. Er ist Historiker und Filmemacher, wobei sich seine Arbeit auf die britische Außenpolitik und Lateinamerika konzentriert. Seine Doktorarbeit befasste sich mit den geheimen Kriegen Großbritanniens in Kolumbien zwischen 1948 und 2009, und derzeit arbeitet er an einer Dokumentation über die Rolle Großbritanniens beim Aufstieg von Augusto Pinochet.
