Briefing

PI-Rundbrief | Nr. 19 | Albanien steht nicht zum Verkauf

Albaniens Bevölkerung wehrt sich gegen die Landnahme der Trumps für ihren Luxus und betont, dass ihr Land nicht zum Verkauf steht.
Im neunzehnten Rundbrief der Progressiven Internationale des Jahres 2026 berichten wir aus Tirana, wo sich noch nie dagewesene Proteste gegen die Landnahme der Familie Trump zu einem landesweiten Aufstand gegen die Akkumulation von Luxus durch Enteignung ausgeweitet haben.

Tag für Tag, Woche für Woche füllen sich die Straßen von Tirana mit Demonstrant*innen, die selbstgemachte Transparente mit der Flagge ihres Landes mit dem doppelköpfigen Adler schwenken und aufblasbare Flamingos mit sich führen. Albaniens sogenannte „Flamingo“-Bewegung lässt sich trotz des Widerstands von Premierminister Edi Rama nicht unterdrücken.

Die Proteste politisieren eine ganze Nation, wobei viele zum ersten Mal ihre Stimme im Kollektiv erheben. Der Co-Generalkoordinator der Progressiven Internationale, David Adler, traf vor Ort in Tirana Aktivist*innen der PI-Mitgliedsorganisation Lëvizja Bashkë. „So etwas habe ich in Albanien noch nie gesehen“, schrieb er aus der Hauptstadt. „Tausende und Abertausende von Menschen auf den Straßen, von denen die überwiegende Mehrheit zum ersten Mal in ihrem Leben an einer Demonstration teilnimmt und offen, leidenschaftlich und eindringlich darüber spricht, was es bedeutet, gegen die Oligarchie in Albanien und jenseits des Atlantiks zu kämpfen.“

Der Antrieb dazu ist der Skandal um die Landnahme der Familie Trump an ihrer kostbaren Küste für ihren eigenen Luxus: Dieses Vorhaben soll die in öffentlichem Besitz befindliche Insel Sazan in eine „Privatinsel“ und das ökologisch wertvolle Gebiet Vjosa-Narta in ein exklusives Reiseziel für die Oligarchen dieser Welt verwandeln.

Die Projekte bedrohen die Lagunen, Dünen, Kiefernwälder, Schildkrötennistplätze, Mönchsrobben und mehr als 200 Zugvogelarten der Region. Sie sind zudem ein Affront gegen die Grundprinzipien der Demokratie, der Souveränität und der Rechtsstaatlichkeit in einem Land, das – unter der Herrschaft von Ministerpräsident Edi Rama – Stück für Stück, ein Luxusresort nach dem anderen, an den Meistbietenden verkauft wurde, um Schwarzgeld zu waschen, das durch die Adern der Reaktionären Internationale fließt.

Der Flamingo ist zum Symbol dieser vielschichtigen Bedrohung geworden. Er steht für das von Leben strotzende Land, das die Albaner*innen aufgeben sollen: eingezäunt, neu klassifiziert, planiert, bewacht und für ausländischen Reichtum neu verpackt.

Unser Forschungskonsortium zur Reaktionären Internationale hat nun eine neue Untersuchung zum Trump-Kushner-Vorhaben für die albanische Küste veröffentlicht. Sie zeigt, wie das Projekt durch ein Geflecht aus undurchsichtigen Unternehmen, umstrittenen Grundbesitzrechten, politischen Verbindungen und einem Weg vorangetrieben wurde, der von einem Staat geebnet wurde, welcher eigentlich zum Schutz da sein sollte. Sie erzählt die Geschichte eines Landes, dessen Küste für den Verkauf vorbereitet wird, noch bevor die Bevölkerung klare Antworten darauf erhalten hat, wem das Land gehört, wer den Deal genehmigt hat, wer davon profitieren wird und wer den Preis dafür zahlen muss.

Edi Ramas Reaktion war trotzig. „Fuck you“, sagte er zu Kritikern, die ihm vorwerfen, das System hinter dem Deal zu leiten. Er hat die Proteste als Fehlinformationen und ausländische Einmischung abgetan und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass noch keines der Projekte endgültig beschlossen wurde und dass eines auf jeden Fall umgesetzt werde.

Deshalb reicht der Aufstand weit über die Grenzen eines Resort-Projekts hinaus. Es geht um Land: die seit Urzeiten bestehende Küste, das Gemeingut und lebendige Ökosysteme, die von der Trump-Kushner-Entwicklungsmaschinerie bedroht sind. Es geht um die Wirtschaft: ein Land, das viel zu lange von einer kleinen Gruppe wohlhabender Insider regiert wurde, die Arbeiter*innen, Gemeinschaften und öffentliche Güter als Hindernisse für ihre Geschäfte betrachten. Es geht um Souveränität: das Recht der Albaner*innen, über die Zukunft ihres Landes zu entscheiden, anstatt zuzusehen, wie diese hinter verschlossenen Türen zwischen Edi Rama und der Familie von Donald Trump ausgehandelt wird.

Seit Jahren engagiert sich Lëvizja Bashkë gegen dieses System der Oligarchie und Enteignung. „Das Kushner-Projekt war der letzte Tropfen, der das Fass der Ungerechtigkeiten in Albanien zum Überlaufen brachte. Die Demonstrierenden haben die Nase voll von diesem gesamten oligarchischen System und unserem Ministerpräsidenten, der so tut, als gehöre ihm das Land persönlich“, meint Arlind Qori, der Vorsitzende von Lëvizja Bashkë. Diese Arbeit hat nun dazu beigetragen, Tausende auf die Straße zu bringen. Ihr Aufstand hat Albanien zu einer Frontlinie im globalen Kampf gegen die Reaktionäre Internationale gemacht: die Milliardäre, Politiker*innen, Bauträger und Maklerunternehmen, die grenzüberschreitend Land enteignen, die Demokratie unterlaufen und ganze Länder in Vermögenswerte verwandeln.

Die Progressive Internationale steht an der Seite von Lëvizja Bashkë und der albanischen Bevölkerung. Von Tirana bis zur Küste von Vjosa-Narta zeigen sie Europa, den USA und der Welt, wie Widerstand aussieht: Nein zu Trump, Nein zu Kushner, Nein zur Oligarchie, Nein zum Verkauf einer Nation.

Lest die Recherche und unterstützt die Kampagne noch heute. Jede Spende hilft uns, den Kampf fortzusetzen, während die Regierung von Edi Rama versucht, ihn mit harschen Maßnahmen zu unterbinden.

Das Neueste aus der Bewegung

Veröffentlichung von „A Predatory State“: Das Palestinian Feminist Collective veröffentlicht in Zusammenarbeit mit der Progressiven Internationale den Bericht „A Predatory State: Israeli Systemic Sexualized and Gendered Violence against Palestinians“ – einen wegweisenden, 200-seitigen Bericht*,* der den Zusammenhang zwischen Israels sexualisierter Gewalt und der systematischen Bekämpfung der reproduktiven Gesundheit und Freiheit, der Schändung der Leichen von Märtyrer*innen, den Übergriffen auf die Häuser von Palästinenser*innen, der erzwungenen Trennung palästinensischer Familien sowie dem Einsatz von KI zur Erleichterung von „Domicide“ aufdeckt. Der Bericht wird am 30. Juni 2026 um 19 Uhr im People’s Forum in Manhattan, New York, in Anwesenheit von Hadeel Shatara, Aaron Maté und Tara Al-Alami vorgestellt. Den Livestream der Veranstaltung findest du hier.

Südafrikas Bewegungen wehren sich gegen fremdenfeindlichen Terror

Die Beobachtungsstelle der Progressiven Internationale hat die rote Alarmstufe vor der Kampagne fremdenfeindlichen Terrors ausgerufen, die Südafrika bedroht. Dort vertreiben bewaffnete Gruppen, die mit „March and March“ in Verbindung stehen, Migrant*innen und Minderheiten aus ihren Häusern, Geschäften, Kliniken und Schulen. Da bereits Tausende vertrieben wurden und eine „Frist“ bis zum 30. Juni 2026 nun dazu genutzt wird, die Einschüchterung zu eskalieren, werden Migrant*innen zu Sündenböcken für eine Krise gemacht, die sie nicht verursacht haben: Massenarbeitslosigkeit, zusammengebrochene Versorgungssysteme, Hunger und Korruption. Progressive Kräfte – darunter Abahlali baseMjondolo, SAFTU und SERI – wehren sich gegen den Versuch, die Arbeiterklasse zu spalten und die für die Verelendung Verantwortlichen vor ihrer Rechenschaftspflicht zu schützen. Ihr Kampf ist unser Kampf. Thapelo Mohapi, Generalsekretär von Abahlali baseMjondolo, warnt davor, dass organisierte fremdenfeindliche Gewalt in Südafrika das Risiko einer gefährlichen Rückkehr zur ethnischen Mobilisierung birgt.

Befreit Gathanga Ndungu

In Kenia wurde der Schriftsteller Gathanga Ndungu – Mitglied des Kenyan Organic Intellectuals Network und des Mathare Social Justice Centre, einem Mitglied der Progressiven Internationale – während der Gen-Z-Feier am 25. Juni festgenommen. Während landesweit Hunderte von Menschen festgenommen wurden, wurde Ndungu zur Zentralpolizeistation von Nairobi gebracht, wo er laut Angaben von Kolleg*innen ohne rechtmäßige Grundlage festgehalten wird. Die Progressive Internationale schließt sich der Forderung nach seiner sofortigen und bedingungslosen Freilassung an.

Sozialist*innen legen in New York zu

Die Progressive Internationale gratuliert unserem Mitglied „Democratic Socialists of America“ in New York zu einer Reihe historischer Siege bei den Vorwahlen. Darializa Avila Chevalier und Claire Valdez haben die Vorwahlen der Demokraten für den US-Kongress gewonnen. Sie besiegten dabei ihre Rival*innen aus dem Establishment und ebneten damit den Weg nach Washington für Kandidat*innen, die sich für Frieden, Macht und Würde der internationalen Arbeiterklasse einsetzen.

Hinter verschlossenen Toren gefangen

In Indien hat die Amazon India Workers Union Beschwerde beim obersten Arbeitsbeauftragten und bei der Nationalen Menschenrechtskommission eingereicht, nachdem zwei Arbeiter*innen, Narendra Prasad und Amit Arya, bei einem Brand in einem Amazon-Lagerhaus in Haldwani ums Leben gekommen sind. Laut der von der AIWU zitierten Beschwerde waren die beiden im Inneren eingeschlossen, nachdem das Rolltor des Lagers von außen verschlossen worden war; der Untersuchungsbericht der Gewerkschaft weist zudem auf angebliche Mängel bei der Brandschutzzertifizierung, den Notausgängen, den Alarmanlagen, der Belüftung und der Sicherheitsschulung hin. Während Amazon seinen bislang größten „Prime Day“ in Indien vorbereitet, fordert die AIWU eine unabhängige Untersuchung, rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen, Sicherheitsaudits in allen mit Amazon arbeitenden Lagern sowie eine Entschädigung in Höhe von 10.000.000 Rupien (US$ 106.000) für beide Hinterbliebenenfamilien.

Unsere Geschichte

27. Juni 1954 – Staatsstreich in Guatemala

Am 27. Juni 1954 halfen die USA bei einem Staatsstreich gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Guatemalas, Jacobo Arbenz.

Erfahre mehr über diesen imperialistischen Staatsstreich, seine Unterstützer aus der Wirtschaft und das Projekt, das dadurch vernichtet wurde – mit diesem künstlerisch gestalteten Instagram-Karussell.

28. Juni 2009 – Staatsstreich in Honduras

Am 28. Juni 2009 fand der Militärputsch der honduranischen Armee gegen Präsident Manuel Zelaya statt, der von den USA verdeckt unterstützt wurde.

Erfahre mehr über den Staatsstreich mit diesem künstlerisch gestalteten Instagram-Karussell.

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Date
29.06.2026
Progressive
International
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