Der französische Präsident Emmanuel Macron versprach im Kenyatta International Convention Centre in Nairobi ein „neues Kapitel“ in den Beziehungen zwischen Frankreich und Afrika. Unter dem Motto des Africa Forward Summit – „Afrika wartet nicht. Es ist im Aufbau“ – setzten sich Staatschefs, Unternehmensführungen, Investor*innen und Vertreter*innen multilateraler Organisationen in der wohlklingenden Sprache von Gleichberechtigung, Partnerschaft und afrikanischer Eigenverantwortung zusammen. Der Gipfel, der am 11. und 12. Mai 2026 gemeinsam von Macron und seinem kenianischen Amtskollegen William Ruto ausgerichtet wurde, war um sieben Themenbereiche herum organisiert: Energie, Finanzen, Landwirtschaft, künstliche Intelligenz, blaue Wirtschaft, Gesundheitswesen und Industrialisierung.
Ein paar Straßen weiter gab die kenianische Polizei eine andere Antwort auf die Frage nach der afrikanischen Eigenverantwortung. Die Delegierten des von der Communist Party Marxist Kenya – einem Mitglied der Progressiven Internationale – organisierten Pan-Afrikanismus-Gipfel gegen den Imperialismus, bestehend aus Aktivist*innen, Gewerkschafter*innen, Studierende, Intellektuelle und Organisator*innen aus Kenia und der ganzen Welt, versuchten, zu der Statue von Dedan Kimathi zu marschieren, jenem antikolonialen Kämpfer, der 1957 von Großbritannien hingerichtet wurde. Die Polizei sperrte den Demonstrationszug ab, setzte Tränengas ein und nahm Demonstrant*innen fest. Zu den Festgenommenen gehörte Gacheke Gachihi, ein Ratsmitglied der Progressiven Internationale.
Frankreich kam angeschlagen nach Nairobi. In weiten Teilen seines ehemaligen Kolonialgebiets in Afrika ist die alte Ordnung der „Françafrique“ ins Wanken geraten. Im Sahel haben Mali, Burkina Faso und Niger nach Militärputschen, die im Namen der Souveränität die Sicherheitsbeziehungen zu Paris abgebrochen hatten, die französischen Streitkräfte des Landes verwiesen. Senegal übernahm unter dem 2024 gewählten Präsidenten Bassirou Diomaye Faye im Juli die Kontrolle über Frankreichs letzte große Militäranlage im Land und erklärte, französische Stützpunkte seien mit der Souveränität des Landes unvereinbar.
Macron hat seine Verbitterung nicht verschleiert. Im Januar 2025 beklagte er sich vor französischen Botschafter*innen in Paris, dass „jemand vergessen habe, sich zu bedanken“, wobei er sich auf die französischen Militäreinsätze in der Sahelzone bezog. In Nairobi schlug er einen anderen Ton an. Er stellte Frankreich als Verfechter der afrikanischen Souveränität dar und behauptete sogar, Frankreich und Europa seien die „wahren Panafrikanisten“. Frankreich versucht, nach militärischen und politischen Rückschlägen seine kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen auszubauen, und Kenia wurde als Dreh- und Angelpunkt dieser neuen Strategie bestimmt.
Auf dem Gipfel wurde dieser Strategie ein fester Betrag zugewiesen: € 23 Milliarden. Macron kündigte Investitionszusagen in den Bereichen Energie, künstliche Intelligenz, Landwirtschaft und anderen Sektoren an, wobei € 14 Milliarden von französischen Unternehmen und € 9 Milliarden von afrikanischen Unternehmen stammen. TotalEnergies und Orange waren an diesem Gipfel ebenfalls vertreten. Der französische Reiseriese CMA CGM kündigte an, € 700 Millionen in die Modernisierung eines Terminals im Hafen von Mombasa zu investieren.
Kenia bietet Frankreich einen Weg aus der Blamage im Sahel hinaus und hin zum westlichen Indischen Ozean: Häfen, Logistik, Handelskorridore, Finanzdiplomatie, einen Staat, der sich der strategischen Planung des Westens zur Verfügung gestellt hat, und einen Präsidenten, der darauf bedacht ist, Nairobi zu einer diplomatischen Drehscheibe zu machen. Ruto wird auf Einladung Macrons am G7-Gipfel in Frankreich teilnehmen und Vorschläge zur Kreditreform sowie zu einer neuen „Risikoarchitektur“ für afrikanische Volkswirtschaften vorlegen.
Doch hinter der zurückhaltenden Sprache des Gipfels verbirgt sich eine härtere Realität.
Im Oktober 2025 unterzeichneten Kenia und Frankreich ein Abkommen über die Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich. Das kenianische Verteidigungsministerium gab bekannt, dass das Abkommen den Austausch von Geheimdienstinformationen, die Sicherheit auf See, Friedenssicherung, Ausbildung und humanitäre Hilfe umfasst. Es wurde im April ratifiziert. Etwa zur gleichen Zeit trafen 800 französische Armeeangehörige in Mombasa ein, um an einer gemeinsamen Übung mit den kenianischen Streitkräften teilzunehmen. Das Abkommen ist verlängerbar, gewährt den französischen Streitkräften diplomatischen Schutz, überträgt Paris die vorrangige Gerichtsbarkeit über bestimmte Straftaten, die von ihrem Personal auf kenianischem Boden begangen werden, und sieht vor, dass Streitigkeiten auf diplomatischem Wege beigelegt werden.
Frankreich füllte damit keine Lücke. In Kenia ist bereits die „British Army Training Unit Kenya“ stationiert, das größte britische Militärkontingent in Afrika, das hauptsächlich in Nanyuki am Fuße des Mount Kenya stationiert ist. Die USA bauen unterdessen die Start- und Landebahn auf der Marinebasis Manda in der Manda-Bucht aus – ein Projekt, das laut kenianischem Verteidigungsministerium die gemeinsame Einsatzreichweite, die Überwachung und die Vorwärtslogistik verbessern sowie die Truppenverlegung beschleunigen soll. Frankreich ergänzt diese westliche Militärarchitektur nun um einen weiteren Pfeiler in Form eines NATO-Mitglieds.
In den offiziellen Pressemitteilungen ist von Frieden, Stabilität, Ausbildung und Interoperabilität die Rede. Der politische Kernpunkt ist eine tiefgreifende Unterordnung: ausländische Streitkräfte, ausländische Ausrüstung, ausländische rechtliche Privilegien, ausländische strategische Korridore und ausländische Unternehmen, die in die Infrastruktur des kenianischen Staates eingebunden sind.
Macrons neue Afrika-Strategie aktualisiert die alten imperialen Beziehungen und verleiht ihnen neuen Glanz. Militärstützpunkte werden zu Einrichtungen der Verteidigungszusammenarbeit. Hilfe wird zur Koinvestition. Der Rohstoffabbau wird zum ökologischen Wandel. Die Kontrolle über ein Gebiet wird zur Logistik. Die alte Dynamik von „Françafrique“ wird für das anglophone Afrika neu verpackt, wobei die „Eigenverantwortung“ der Afrikaner*innen nur herangezogen wird, um die Bedingungen zu legitimieren.
Die Ironie ist kaum zu übersehen. Ruto verwendete in seiner Rede auf dem Gipfel achtmal das Wort „Souveränität“. Macron antwortete, dass „die Zeiten, in denen wir Hilfe geleistet haben, hinter uns liegen“, und versprach gemeinsame Investitionen. Daraufhin nahm die Polizei die Delegierten des Gegengipfels fest, die darauf bestanden, dass reale Souveränität ein Ende der Kenia und Afrika aufgezwungenen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Abkommen mit dem Ausland erfordere.
In Nairobi prallten zwei Zukunftsvisionen aufeinander. Auf der einen Seite werden afrikanische Staaten an den Verhandlungstisch einer im Niedergang begriffenen imperialen Macht gebeten und aufgefordert, diese Vereinbarung als Gleichberechtigung zu bezeichnen. Lokale Komplizeneliten erleichtern den Zugang, genießen diplomatisches Ansehen und setzen die Polizei ein, wenn ihre Bevölkerung sich weigert, die Abmachung zu akzeptieren. Auf der anderen Seite laufen die Erinnerung an Kimathi, die Wut der Sahelzone und die Organisation der panafrikanischen Linken auf eine einfache Forderung hinaus: Afrika ist kein Spielfeld für ausländische Mächte.
Frankreich kam nach Nairobi, um zu beweisen, dass es auf dem Kontinent noch eine Zukunft hat. Der Gegengipfel hat gezeigt, wer diese Zukunft infrage stellt. Der Kampf gegen den Imperialismus formuliert in ganz Afrika seine Forderungen und setzt ein Programm auf: Schließung der ausländischen Stützpunkte, Aufbrechen der Schuldenarchitektur, Rückgewinnung der Kontrolle über Häfen und Ressourcen, Verteidigung der demokratischen Freiheiten und Aufbau der Macht, um Souveränität zur Wirklichkeit zu machen. Die Progressive Internationale steht hinter diesem Projekt – und hinter den Organisator*innen, darunter unser Ratsmitglied Gacheke Gachihi, die wegen der Umsetzung dieses Projekts Repressionen erleiden müssen.
In Solidarität,
Das Sekretariat der Progressiven Internationale
Die Konferenz, die das Problem benannte: Santa Marta und der Anfang vom Ende der fossilen Energien Die Konferenz von Santa Marta ist die erste große multilaterale Initiative außerhalb des UNO-Klimakonferenzprozesses (COP), die sich mit einer vom Globalen Süden geleiteten Strategie für einen gerechten Ausstieg aus den fossilen Energien befasst.
„Hondurasgate“ entlarvt die Reaktionäre Internationale bei der Arbeit
Zwischen dem 30. April und dem 6. Mai 2026 wurde der Öffentlichkeit eine schockierende Sammlung von 37 Audioaufnahmen zugänglich gemacht, die aus verschlüsselten Messaging-Apps stammen. Die Aufzeichnung, die mittlerweile als „Hondurasgate“ bekannt ist, gibt Einblicke in Gespräche zwischen einigen der mächtigsten Politiker der westlichen Hemisphäre: Der honduranische Präsident Nasry Asfura, der ehemalige Präsident von Honduras und verurteilte Drogenhändler Juan Orlando Hernández, der argentinische Präsident Javier Milei sowie mit der US-amerikanischen und der israelischen Regierung verbundene Agenten.
Die Aufzeichnungen lassen auf eine grenzüberschreitende Verschwörung von erschreckendem Ausmaß schließen. Der verurteilte Drogen-Diktator von Honduras kam kurz vor den Wahlen 2025 frei, weil – wie die Audioaufnahmen nahelegen – Benjamin Netanyahus Netzwerke Donald Trump dafür bezahlt hatten, eine Begnadigung durch den Präsidenten zu erwirken. US$ 150.000 an öffentlichen Infrastrukturmitteln aus Honduras wurden zweckentfremdet, um eine Desinformationskampagne zu starten, die von Verbündeten der US-Republikanischen Partei konzipiert und gestartet wurde, um die Regierungen von Mexiko, Kolumbien und die scheidende linke Regierung von Honduras ins Visier zu nehmen. Unterdessen gibt es Pläne, Honduras selbst neu zu kolonisieren, indem auf der Insel Roatán ein neuer Militärstützpunkt errichtet, Peter Thiels Lieblingsprojekt der „ZEDEs“ wiederbelebt und in Tegucigalpa ein „Zentrum zur Eindämmung des Terrorismus“ nach dem Vorbild des CECOT in El Salvador gegründet wird.
Dies ist die Geschichte, wie Israel und die USA sich verschworen haben, um die Kontrolle über Honduras zu übernehmen – mit verheerenden Folgen für die Menschenrechte der Bevölkerung. Doch Honduras ist nur der sichtbarste Ort, an dem die Fäden der Reaktionären Internationale sich bündeln. Zieht man an einem x-beliebigen Faden, verwickelt man sich in einem Netz, das sich von Washington über Buenos Aires bis nach Tel Aviv erstreckt.
Lies hier den Untersuchungsbericht – und hilf uns, das Netz zu entwirren.
12. Mai – Der britische Generalstreik
Der Gewerkschaftsbund beendete den Generalstreik in Großbritannien am 12. Mai 1926.
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Der französische Präsident De Gaulle floh am 13. Mai 1968 aus Paris.
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13. Mai – Bombenanschlag auf das MOVE-Gebäude
Die Stadt Philadelphia in den USA hat am 13. Mai 1985 ihre eigene Bevölkerung bombardiert
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Im Jahr 1948 führten zionistische Milizen eine ethnische Säuberung durch, der zwei Drittel der palästinensischen Bevölkerung zum Opfer fiel.
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18. Mai – Aufstand von Gwangju
Der Aufstand von Gwangju brach am 18. Mai 1980 gegen die von den USA unterstützte südkoreanische Diktatur aus.
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Francis Bebey (1929, Douala) war ein kamerunisch-französischer Musikwissenschaftler, Schriftsteller und Komponist. Er gilt als der erste afrikanische Musiker, der neben traditionellen afrikanischen Instrumenten wie der Ndehu (Bambusflöte der Pygmäen) und der Sanza (Daumenklavier) auch elektronische Keyboards und programmierbare Drumcomputer einsetzte.
1957 wurde er vom Politikwissenschaftler und Revolutionär Kwame Nkrumah eingeladen, als Rundfunksprecher in Ghana zu arbeiten, und von 1961 bis 1974 war er für die UNESCO tätig, wo er Leiter der Musikabteilung in Paris wurde. Seine Musik enthält Texte, die westliche Sichtweisen auf Afrikaner*innen hinterfragen, zum Beispiel in „New Track“: „Ist dir aufgefallen, dass sich alle über das System beschweren?“, und dann: „Wir brauchen einen Wandel, eine neue Ordnung – kulturell, politisch, wirtschaftlich …“
