In der Nacht, in der ein Waffenstillstand im Libanon verkündet wurde, riefen die Amal-Bewegung und die Hisbollah die über eine Million durch den Krieg vertriebenen Menschen auf, ihre Rückkehr nach Hause so lange aufzuschieben, bis die Lage sicherer sei. Doch da viele Familien nicht einmal bis zum Morgengrauen warten wollten, strömten sie bereits zurück in den Südlibanon, sobald es Mitternacht schlug.
Israelische Luftangriffe hatten fast alle Brücken zerstört, die den Nordwesten mit dem Südwesten des Libanon verbinden. Libanesische Soldaten richteten einen provisorischen Übergang über die beschädigte Qasmiya-Brücke ein, über den Autos einzeln passieren konnten, während andere die Brücke zu Fuß überquerten. Manche umgingen die lange Wartezeit, indem sie mit ihren Autos direkt durch den Litani-Fluss fuhren.
Zu den Heimkehrenden gehörte auch Zeinab Nassereddine, die mit ihrer Familie in ihr Dorf Yater zurückging.
„Wir waren uns des Risikos bewusst. Wir wussten, dass Israel die Bombardements fortsetzen könnte, aber wir konnten unmöglich warten“, erzählt sie Mada Masr. „Wir wollten einfach nur das Dorf sehen, und sei es nur für einen kurzen Augenblick.“
Doch für viele wurde die Erleichterung über die Rückkehr nach Hause getrübt. Die israelischen Angriffe gehen ohne Vorwarnung weiter und wurden nördlich des Litani-Flusses ausgeweitet. Da die Hisbollah ihre Absicht bekundet, zurückzuschlagen, herrscht die ständige Angst, dass es jederzeit zu größeren Kampfhandlungen kommen könnte. Aufgrund dieser heiklen Lage können Familien unmöglich abschätzen, ob sie die Zeit oder die Möglichkeit hätten, sich bei erneuten Kämpfen in Sicherheit zu bringen. Gleichzeitig haben die israelischen Streitkräfte ihre Zerstörungsaktionen fortgesetzt und in den letzten Tagen Wohnraum und Infrastruktur in Dörfern wie Beit Lif, Shamaa, Bayyada und Naqoura sowie in Mays al-Jabal und Bint Jbeil zerstört.
Menschen aus dem Süden und aus Dahieh, die mit Mada Masr über ihre Lage seit Inkrafttreten des Waffenstillstands am 17. April sprachen, zeigten sich unsicher hinsichtlich ihrer Heimkehr. Für sie hat der Waffenstillstand kein Gefühl der Sicherheit gebracht, sondern einen Zustand der Ungewissheit: Da sie nicht vollständig zurückkehren können, wird ihre Trauer und Frustration nur noch größer.
Die mit ihrer Rückkehr einhergehenden Risiken beschäftigen sie, während sie über die ihnen auferlegten Bedingungen und die begrenzten Möglichkeiten sprechen, mit denen sie sich selbst und ihre Familien vor weiterer Gefahr schützen könnten.
Ihre Zurückhaltung spiegelt die allgemeine Stimmung im ganzen Süden und in Beirut wider, wo die Menschen nach wie vor auf der Straße und in Notunterkünften schlafen und nicht in ihre Gebiete zurückkehren können, weil diese weiterhin von israelischen Streitkräften besetzt sind.
Und diese Unklarheit hat dazu geführt, dass in politischen und Regierungskreisen weltweit Diskussionen über die Zukunft des Libanon geführt werden.
Zwar wurde der Waffenstillstand bei den Gesprächen zwischen den USA, Israel und dem Libanon in Washington D.C. in der vergangenen Woche um drei Wochen verlängert, doch werden die derzeit zur Debatte stehenden politischen Lösungsansätze für den Libanon laut Diplomat*innen, Analyst*innen und Politiker*innen, kaum dazu beitragen, die Lage für ein Land und ein Volk zu klären, das sich derzeit in einer ungewissen Situation befindet.
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Als Zeinab Nasereddine am Tag nach dem Waffenstillstand in Yater im Bezirk Bint Jbeil ankam, sprang ihr das Ausmaß der Zerstörung ins Auge. Ihr Haus stand zwar noch, aber die Fensterscheiben waren zerbrochen, die Wände beschädigt und im Inneren lagen Trümmerteile von Raketen verstreut.
„Wenigstens haben wir noch ein Haus“, sagt sie. „Viele haben keins mehr.“
Die Familie begann mit dem Aufräumen und überlegte kurz, ob sie bleiben sollte. Der Anblick ihres Hauses, des Dorfes und ihrer Nachbarn – auch wenn die Straßen noch immer von Schäden und Zerstörung gezeichnet waren – brachte ihnen zunächst Erleichterung. Nachdem sie anderthalb Monate lang bei anderen Leuten gewohnt hatten, fühlte sich das Heimkommen – selbst in diesen Trümmern – wie eine mögliche Rückkehr und ein Ende des Trennungsschmerzes an.
Aber es gibt keine Grundversorgung mehr. Es gibt keinen Strom, die Solaranlagen sind beschädigt, und angesichts der schlechten Straßenverhältnisse und der drohenden Gefahr weiterer Gewalttaten ist kaum mit einer schnellen Reparatur zu rechnen.
Anders als während des Waffenstillstands von 2024 hat die Hisbollah bislang weder Reparaturen in Aussicht gestellt noch Kontakt zu den Anwohner*innen aufgenommen, um die Schäden zu begutachten, zu bewerten und zu ersetzen, und Nasereddines Familie rechnet auch in nächster Zukunft nicht damit, da es sich um einen so kurzen Waffenstillstand handelt, der ohnehin wohl kaum von Dauer sein wird.
„Wir können nichts reparieren, solange wir nicht wissen, ob es wieder zerstört wird“, sagt Nasreddine gegenüber Mada Masr.
Sie und ihre Familie blieben nach dem Waffenstillstand nur einen Tag, bevor sie, von der Unsicherheit getrieben, nach Beirut zurückkehrten.
Zurück in der Hauptstadt, wo nach dem verheerenden Anschlag am „Schwarzen Mittwoch“ relative Ruhe eingekehrt ist, ist Rola Mostafa in ihr Zuhause in Haret Hreik zurückgekehrt, obwohl in der gesamten Gegend Bilder der Zerstörung zu sehen sind. An ihrem Haus sind die Fensterscheiben zerbrochen und einige Räume müssen repariert werden, aber sie sagt, die Rückkehr sei die Mühe wert.
„Das eigene Zuhause ist es immer wert“, betont sie gegenüber Mada Masr. „Es gibt kein Gefühl, das mit dem in den eigenen vier Wänden vergleichbar wäre, selbst wenn man in einen Palast umgesiedelt worden wäre.“
Dennoch ist sie bereit, im Notfall wieder fortzugehen. Sie erklärt, dass ihrer Familie bewusst ist, dass sie noch nicht dauerhaft nach Haret Hreik zurückkehren kann, und sie bewahrt ihre Habseligkeiten gepackt in einer Wohnung, die sie in Aley gemietet hat, auf.
Viele haben das Gefühl, dass die Gefahr unmittelbar bevorsteht. Noch in den Stunden vor dem Waffenstillstand rief der Vorsitzende des Exekutivkomitees der Amal-Bewegung, Mustafa al-Fouani, die Familien dazu auf, Vorsicht und Geduld zu üben, bevor sie nach Hause zurückkehren, während die Hisbollah die Zivilbevölkerung davor warnte, dass Israel in der Vergangenheit bereits Vereinbarungen gebrochen habe, und sie dazu aufrief abzuwarten, bis sich die Lage geklärt habe.
Und während der bislang kurzen Dauer des Waffenstillstands hat Israel weiterhin Dörfer im Südlibanon bombardiert und angekündigt, seine Operationen im Süden fortzusetzen. Dabei hat es die Evakuierungsbefehle für die Bewohner*innen des Gebiets vom Süden des Litani-Flusses bis nach Yohmor im Norden erneuert, dem höchsten Punkt der Südfront, von wo aus der Blick bis zur Westküste und im Osten über das Bekaatal reicht – und damit faktisch einen Streifen besetzt, der sich an einigen Stellen mehr als acht Kilometer in den Libanon hinein erstreckt und 55 Dörfer umfasst.
Einige dieser Gebiete sind seit Kriegsausbruch teilweise bewohnt geblieben, insbesondere Dörfer mit gemischter oder nicht-schiitischer Bevölkerung. Im christlichen Dorf Debel in der Nähe von Bint Jbeil im zentralen Abschnitt der Südfront leben nach wie vor Menschen, obwohl sie seit Wochen, seitdem Israel seine Einkreisungsoperation gegen Bint Jbeil gestartet hat, vollständig von der Außenwelt abgeschnitten sind. Der Zugang zum Dorf ist stark eingeschränkt, und israelische Streitkräfte haben 20 Häuser des Dorfes zerstört.
Vor dem Waffenstillstand konnten aufgrund der anhaltenden israelischen Bombardements keine Hilfsgüter nach Debel und in die nahegelegenen christlichen Dörfer wie Ain Ebel und Rmeish gelangen. Selbst der Botschafter des Vatikans im Libanon hatte keinen Zugang.
„Die Menschen konnten während dieses Waffenstillstands endlich etwas Aufatmen“, erklärt George Younes, Sprecher der Gemeinde Debel, gegenüber Mada Masr.
Am 20. April erreichte ein Hilfskonvoi in Begleitung des päpstlichen Gesandten endlich das Dorf, wo sich die Bewohner*innen zu ihrem Empfang versammelt hatten. „Die Hilfsgüter umfassten Gemüse, Wasser und Medikamente“, erzählt Younes und fügt hinzu, dass es sich dabei um Spenden verschiedener Initiativen handelte, die auf einen sicheren Korridor für die Lieferung gewartet hatten. Younes berichtet, dass es einigen Bewohner*innen von Debel gelungen sei, in ihre zuvor von israelischen Streitkräften besetzten Häuser zurückzukehren, wo sie noch Lebensmittelvorräte vorfanden.
Die Einwohner*innen sind vom Rest der Welt jedoch nach wie vor abgeschnitten. „Wir brauchen immer noch eine Genehmigung, um das Dorf zu verlassen oder zu betreten“, sagt er. „Und selbst wenn man verreist, gibt es keine Garantie, dass man zurückkommen kann.“
In Ain Ebel wurde eine kleine Klinik eingerichtet, doch der Zugang ist nach wie vor schwierig und muss oft mit der UNIFIL abgestimmt werden, berichtet Chadi Bechara, ein Bewohner des Dorfes.
In Rmeish gab der örtliche Priester Najib Amil eine Erklärung ab, laut der das Dorf Hilfe von der US-amerikanischen Organisation „Samaritan’s Purse“ erhalten habe, einer Gruppe, die seit 2023 Hilfsgüter nach Israel liefert und seit Ausbruch des Krieges in diesem Jahr auch Hilfe in den Libanon schickt.
Die Hilfsgüter wurden per Hubschrauber an einen Ort zwischen Rmeish und Yaroun abgeworfen, und eine Person vor Ort wurde laut Aussage des Priesters von israelischer Seite telefonisch darüber informiert, dass sie diese abholen dürfe.
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Die christlichen Dorfbewohner*innen, die das Risiko auf sich nehmen und den Süden nicht verlassen, unterstützen mit gewisser Zurückhaltung die laufenden diplomatischen Bemühungen unter Führung der USA. „Wir unterstützen den Präsidenten [Joseph Aoun] bei seinen diplomatischen Bemühungen um die Fortsetzung der Gespräche und wollen, dass dieser Krieg ein Ende findet“, sagt Younes. „Die Menschen sind dieser Kriegsinszenierungen überdrüssig. Es ist für alle besser, einfach in Frieden zu leben.“
Viele, die über die diplomatische Initiative Bescheid wissen, erachten es jedoch als unwahrscheinlich, dass Aoun über genügend Macht verfügt, um den Krieg zu beenden, und die USA und Israel sind wohl kaum ernsthaft daran interessiert, eine Initiative zu befürworten, die dem Libanon und seiner Bevölkerung Stabilität bringt.
Das alles hat Trump nicht davon abgehalten, weiterhin Druck auszuüben.
In einer Ansprache aus dem Oval Office im Anschluss an das Treffen am Donnerstag im Weißen Haus, an dem der libanesische und der israelische Botschafter sowie Mitglieder seines Kabinetts teilnahmen, erklärte Trump gegenüber Reporter*innen: „Wir gehen davon aus, dass der libanesische Präsident und der israelische Ministerpräsident Mitte Mai nach Washington, D.C. kommen werden.“
Ein regionaler Diplomat, der Gespräche mit den USA, Israel und Libanon führt, deutet die zeitliche Abstimmung eines Treffens zwischen Aoun und Netanjahu mit dem Ablauf des Waffenstillstands als Zeichen, dass „dies kein unbefristeter Waffenstillstand sein wird“.
„Keine der Seiten möchte, dass es so aussieht, als gäbe es eine automatische Verlängerung, denn das würde den Eindruck einer Art Pattsituation erwecken“, erklärt der Diplomat.
Die Frage, die sich heute jedoch stellt, ist, wie man aus einer Pattsituation herauskommt – sei sie nun real oder nur eingebildet – und jeder Seite etwas mitgibt, womit sie zufrieden sein kann.
Das Problem beginnt damit, dass Unklarheit darüber herrscht, was eigentlich zur Debatte steht.
„Es geht nicht darum, ob Aoun nach Washington reist oder nicht“, sagt ein ehemaliger arabischer Funktionär. „Wenn Aoun mit Naib Berri spricht und Berri mit der Hisbollah, mit Naem Qassem und den anderen sowie mit dem Iran, muss er ihnen sagen, dass dies sein Angebot ist. Und als ich [Ende letzter Woche] mit den USA sprach, sagten sie, sie hätten dem Libanon kein Angebot im Namen der Israelis unterbreitet, das an Berri oder gar an die Hisbollah weitergeleitet werden könnte.“
Für Michael Young, dem Chefredakteur am Malcolm H. Kerr Carnegie Middle East Center, geht es nicht nur darum, dass die USA ein Angebot machen, sondern auch um die Kohärenz innerhalb der libanesischen Innenpolitik.
„Zum jetzigen Zeitpunkt hat sich der Libanon noch nicht auf das geeinigt, was verhandelt werden soll. Wir haben gar kein Mandat für diese Verhandlungen. Der erste Schritt besteht darin, sich in irgendeiner Form auf ein Mandat zu einigen. Solange wir das nicht getan haben, werden wir von den Vorstößen Israels und der USA, dem Libanon einen umfassenden Frieden aufzuzwingen, überrollt werden. Wir müssen uns also irgendwie darauf einigen, was wir wollen“, stellt er klar.
Eine mögliche Konsensbildung sei denkbar, fügt er hinzu, wenn Berri „verstehe, dass die Verhandlungen nicht darauf abzielen, ein Friedensabkommen mit Israel zu schließen, sondern die Kämpfe im Grenzgebiet zu beenden“ – eine Formel, die eher dem Waffenstillstandsabkommen ähnelt, das der drusische Führer Walid Jumblatt Anfang dieser Woche vorgeschlagen hatte.
„Berri kann der Hisbollah gegenüber ein Friedensabkommen kaum rechtfertigen. Es wird für ihn sehr schwierig wenn nicht gar unmöglich sein, ein Friedensabkommen zu unterstützen. Und das entspricht in der Tat nicht der libanesischen Position. Berri möchte den Rahmen eines arabischen Konsenses nicht verlassen und seine Haltung gegenüber der schiitischen Gemeinschaft rechtfertigen können. Das kann er nur, wenn man von einem Waffenstillstand spricht, aber nicht, wenn man von Friedensverhandlungen spricht“, meint Young.
Joseph Daher, der Autor von „Hisbollah: Political Economy of Lebanon’s Party of God“ stimmt darin überein, dass ein Friedensabkommen – das sowohl Vizepräsident JD Vance als auch Außenminister Marco Rubio als Ziel der Verhandlungen bezeichnet haben – unter den derzeitigen Umständen nicht realisierbar ist.
„Die verschiedenen libanesischen politischen Akteure haben kein Interesse an einem Friedensabkommen, wie es von den israelisch-amerikanischen Kreisen gefordert wird“, bekräftigt Daher.
„In weiten Teilen der sunnitischen Bevölkerung wünscht man sich zwar ein Ende des Krieges, aber kein Friedensabkommen mit Israel.“ Jumblatt meint, dass der Libanon grundsätzlich keine Verhandlungen aufnehmen sollte, die zu einem Friedensabkommen führen, solange es hierzu keinen nationalen Konsens gibt. „Und selbst die verschiedenen christlichen Parteien – mit Ausnahme der Libanesischen Kräfte – würden jegliche Form des Friedens ablehnen.“
„Jeder mögliche Abschluss eines Friedensabkommens in der Zukunft“, so Daher, „wäre wahrscheinlich eher das Ergebnis eines langwierigen Prozesses und nicht einer überstürzten Verhandlungsrunde, trotz des Drucks seitens der USA und Israels, rasch zu einer Einigung zu gelangen.“
Er fügt hinzu, dass, um die Zustimmung großer Teile der libanesischen Bevölkerung zu gewinnen, dieser Prozess den Rückzug Israels aus dem Süden und aus allen libanesischen Gebieten, die Freilassung aller libanesischen Gefangenen sowie ein Ende der Verletzung der libanesischen Souveränität sowie den Wiederaufbau umfassen sollte.
„Allerdings ist Aouns politische Position in den Verhandlungen derzeit recht schwach, und er ist in hohem Maße auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft angewiesen, um seine Forderungen durchzusetzen. Er wird von Israel keine Zusicherung erhalten, dass es die trotz Waffenstillstand fortwährenden Angriffe einstellen wird“, schließt der Autor.
Der einheimische Diplomat stimmt dem zu und erklärt, dass Israels Rückzug und – was entscheidend ist – ein Plan für den Wiederaufbau, den Kern jedes ernsthaften Plans bilden. „Der Wiederaufbau des Südens ist der Kernpunkt“, erklärt er. Um das Gebiet wiederaufzubauen und den Menschen die Rückkehr in ihre Häuser zu ermöglichen, „muss man die Hisbollah dazu bringen, sich zur Nichtangriffspolitik gegenüber Israel zu verpflichten, und man muss Israel dazu bringen, sich zur Nichtangriffspolitik gegenüber der Hisbollah zu verpflichten“. Und das Zweite ist sehr, sehr schwierig, weil Netanjahu einen Krieg will. „Er kann nicht ohne Krieg auskommen, bis er wiedergewählt ist“, sagt er.
Für Israel besteht der naheliegendste Weg, um aus dieser Pattsituation herauszukommen, also darin, den Krieg wieder anzufachen.
Während des Treffens in Washington letzte Woche erklärte ein libanesischer Vertreter gegenüber Mada Masr, die Parteien hätten über „eine Festigung des Waffenstillstands und die Beendigung der Zerstörungen sowie der Angriffe auf Zivilisten“ gesprochen. Doch innerhalb von 48 Stunden warf Netanjahu jeglichen Anschein eines Einlenkens über Bord und ordnete neue Angriffe auf den Südlibanon an.
Trump hatte Druck auf den israelischen Ministerpräsidenten gemacht, den Krieg gegen den Libanon einzustellen, um Fortschritte bei seinen Gesprächen mit dem Iran zu erzielen, der darauf bestanden hatte, dass der Waffenstillstand auch für den Libanon gelten müsse. Auch der Iran betonte am 18. April, dass sich Israel aus dem libanesischen Hoheitsgebiet zurückziehen müsse. Israel wurde jedoch nicht dazu verpflichtet, die Besetzung libanesischer Gebiete aufzugeben oder gar die Angriffe auf den Libanon vollständig zu stoppen.
Unabhängig davon, inwieweit der ursprüngliche Waffenstillstand zu einer Entspannung der Lage geführt hat: Angesichts der schleppenden Verhandlungen mit dem Iran in der vergangenen Woche sucht Trump nun nach einem politischen Erfolg im Libanon und erhöht den Druck auf die libanesische Seite, eine Einigung zu erzielen, so ein ehemaliger arabischer Diplomat, der über gute Kontakte in westlichen und regionalen Regierungskreisen verfügt.
Dieser Druck fand gleichzeitig mit vermehrten Angriffen im Süden statt, mit denen versucht wurde, die libanesische Regierung zum Handeln zu zwingen. Das hat die Hisbollah jedoch nur noch weiter verstimmt.
Der Generalsekretär der Hisbollah, Naeem Qassem, hat am Montag den vom Staatspräsidenten und vom Regierungschef geleiteten diplomatischen Prozess so scharf wie nie zuvor verurteilt.
„Diese Regierung kann nicht weiterbestehen, solange sie die Rechte des Libanon untergräbt, Land abgibt und sich gegen das widerständige Volk stellt“, sagte Qassem in einer Fernsehsendung und bezifferte „den Widerstand und sein Volk“ auf mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes. „Wir lehnen direkte Verhandlungen kategorisch ab, und die Machthaber sollten wissen, dass ihr Vorgehen weder dem Libanon noch ihnen selbst nützen wird“, warnte der Generalsekretär.
Als Zeichen der sich auftuenden Kluft zwischen der Hisbollah und dem diplomatischen Prozess schloss Qassem mit den Worten: „Eines sei klar gesagt: Diese direkten Verhandlungen und ihre Ergebnisse sind für uns so gut wie nicht existent und betreffen uns nicht im Geringsten.“
Neben den zunehmenden politischen Spannungen wegen dem von den USA geleiteten politischen Prozess und dem parallel dazu vor Ort stattfindenden israelischen Militäreinsatz gibt es noch einen deeskalierenden Weg, der von Frankreich, Ägypten und Katar vorangetrieben wird und darauf abzielt, die Hisbollah in das libanesische Militär zu integrieren, so ein Diplomat in Paris, der ehemalige arabische Diplomat und der regionale Diplomat.
„Wenn man will, dass die Hisbollah ihre Waffen niederlegt, muss man ihr eine Alternative bieten“, erklärt der regionale Diplomat.
Es gibt jedoch eindeutige Schritte, die erforderlich sind, bevor ein Waffenmonopol unter der Hoheit des libanesischen Staates etabliert werden könnte.
„Es ist sehr kompliziert, denn die Einbindung von Mitgliedern der Hisbollah in die Armee ist aus Sicht der Armee ein sehr heikles Thema, da man keinen schiitischen Verband innerhalb der nationalen Armee schaffen möchte“, erklärt der regionale Diplomat.
Der ehemalige arabische Diplomat erklärt, Katar hätte einen Stufenplan für die Entwaffnung und Integration der Hisbollah ausgearbeitet, der mit dem schrittweisen Rückzug Israels sowie der Festlegung der israelisch-libanesischen und der libanesisch-syrischen Grenze einhergehen sollte. „Aber die Israelis lehnten dieses Angebot kategorisch ab“, sagt er.
Und trotz aller Aufmerksamkeit auf die libanesische Innenpolitik sowie die USA und Israel, lässt sich nicht leugnen, dass der Iran und seine Gespräche mit den USA nach wie vor einen erheblichen Einfluss auf die Geschehnisse im Libanon ausüben.
Ein ehemaliger ägyptischer Botschafter im Libanon sagt, die Hisbollah habe durch den jüngsten Krieg, nachdem der Iran ihr nach 2024 Unterstützung bei der Wiederbewaffnung gewährt hatte, „einen politischen Schub“ erhalten.
Der einheimische Diplomat betont, dass die Frage, ob die Hisbollah und der Iran weiterhin an einem Strang ziehen, für die aktuelle Lage ein entscheidender Faktor ist.
„Die Hisbollah hat sich seit Beginn des Waffenstillstands im Jahr 2024 angesichts aller israelischen Provokationen sehr zurückgehalten, bis der Iran am 28. Februar unter Beschuss geriet“, meint der Diplomat.
Seit der Vereinbarung im letzten Jahr hat die UNIFIL mehr als 7.300 Luftraumverletzungen durch die israelischen Streitkräfte (IDF) sowie mehr als 2.400 Aktivitäten der IDF nördlich der Blauen Linie registriert. Die Friedenstruppen haben zudem fast 1.000 Flugbahnen aufgezeichnet, die unter Verstoß gegen die Resolution 1701 die Blaue Linie überquerten, wobei die überwiegende Mehrheit von israelischer Seite ausging.
„Es ist also wirklich unrealistisch zu glauben, man könne den Iran von der Hisbollah trennen“, fährt der Diplomat fort.
Und laut mehreren Quellen, die über die Verhandlungen im Iran informiert sind, steht dies auch gar nicht zur Debatte. Vielmehr geht es um die Art und Weise, wie sich die Verbündeten des Iran in den jeweiligen nationalen Kontexten engagieren, sowie um die Art der Feindseligkeiten zwischen ihnen und Israel, wie mit den Verhandlungen vertraute Quellen verlauten lassen.
Laut einem in Europa ansässigen Diplomaten, der ebenfalls über die Verhandlungen informiert ist, gibt es erhebliche Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der „Stellvertreter des Iran“, da sich die Golfstaaten – wenn auch auf unterschiedliche Weise – der regionalen Bedrohung bewusst sind, die vom Iran ausgehen könnte. Sie wollen sicherstellen, dass jegliche Vereinbarung sie vor einer solchen Gefahr bewahrt.
Aus diesem Grund hat Saudi-Arabien in der vergangenen Woche versucht, Druck auf die libanesischen Parteien auszuüben, damit sie sich an den von den USA geleiteten Verhandlungen beteiligen, wie mehrere Quellen berichten.
„Die Saudis wollen im Libanon mitmischen, um den Einfluss des Iran im Libanon auszugleichen. Dies ist Teil der neuen saudischen Strategie, an möglichst vielen Orten präsent zu sein, wo auch der Iran präsent ist, um sicherzustellen, dass sie das Kräftegleichgewicht halten können“, erklärt der ehemalige arabische Diplomat.
Eine erzwungene Konfrontation zwischen den unversöhnlichen Standpunkten in Washington und im Libanon könnte jedoch zu einer Auseinandersetzung zwischen den Parteien im Libanon führen, die derzeit keinerlei Anzeichen einer Versöhnung zeigen.
Angesichts der völlig entgegengesetzten Standpunkte in Bezug auf die Gespräche in Washington „haben wir den Eindruck, dass der Libanon nicht mehr weit von einer Situation bürgerkriegsähnlicher Spannungen entfernt ist“, meint der ehemalige Botschafter.
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Über die regionale Dimension und die von den USA geforderte staatliche Lösung hinaus verweist der ehemalige ägyptische Botschafter darauf, dass es vor allem um jene Menschen geht, die auf die Hisbollah als Abschreckung gegen israelische Aggressionen angewiesen sind, da ihr Leben auf dem Spiel steht. „Vergessen Sie die Hisbollah als Hisbollah“, sagt er. „Es sind die Menschen, die die Hisbollah unterstützen, die zählen“ und die nicht ignoriert werden dürfen.
Und viele von ihnen mussten erhebliche Rückschläge hinnehmen, die bis in den Krieg von 2024 zurückreichen.
Die Lage während des derzeitigen Waffenstillstands hat sich bereits verschlechtert, da die israelische Aggression weitergeht. Mahmoud Qamati, der stellvertretende Vorsitzende des Politischen Rates der Hisbollah, erklärte am 18. April, die Organisation werde die anhaltenden Verstöße Israels nicht länger hinnehmen, und forderte einen vollständigen und sofortigen Rückzug der israelischen Streitkräfte aus libanesischem Gebiet.
Während Rettungskräfte diese Woche nach der Leiche von Amal Khalil suchten – der Journalistin, die letzte Woche bei einem israelischen Luftangriff getötet worden und die stundenlang nicht von den libanesischen Behörden geborgen werden konnte –, bekräftigte der Abgeordnete Hussein al-Hajj Hassan diese Haltung bei einem Gastauftritt bei Red TV noch nachdrücklicher. Mit Blick auf die Suche nach Khalil, die während der Ausstrahlung der Sendung von Red TV noch im Gange war, versicherte er den Zuschauer*innen: „Die Hisbollah sieht sich nicht mehr an den Waffenstillstand gebunden und wir werden entsprechend reagieren.“
Die Hisbollah hat ihre Raketenangriffe auf Israel wieder aufgenommen, und die Gegenangriffe haben in den letzten Tagen an Intensität zugenommen.
Da sie mit einem erneuten Kriegseinsatz der Hisbollah rechneten, brachen am Samstag viele weitere Bewohner*innen, die kurzzeitig in die Dörfer im Süden zurückgekehrt waren, wieder nach Saida und Beirut auf.
Qamati erklärte, die Unterbrechung der Kämpfe solle der Zivilbevölkerung eine kurze Atempause verschaffen, forderte die Menschen jedoch auf, „sich an den Orten im Süden und Dahieh nicht niederzulassen und sich weiterhin vor israelischen Hinterhalten in Acht zu nehmen“.
Da die Aussicht auf dauerhafte Stabilität offenbar in weite Ferne gerückt ist und sich die internen Beratungen über eine einheitliche libanesische Position unter zunehmendem Druck hinziehen, sagt Rana Hamzeh, eine Einwohnerin von Sur, sie nehme die Situation jeden Tag wie sie komme. „Sollte die Lage erneut eskalieren oder sollte es zu einem Schusswechsel kommen, werden wir das Gebiet verlassen“, meint sie. „Im Moment versuchen wir, die Zeit in unserem Heim zu genießen, auch wenn es nur für ein paar Tage ist.“
Die Klinik ihres Mannes wurde bei einem Einschlag in der Nähe schwer beschädigt, sodass sie nicht mehr betriebsfähig war. Im Moment hat die Rückkehr an den Arbeitsplatz jedoch keine Priorität. Sie ist froh, eine Pause von der ständigen Flucht einlegen und wieder ein klein wenig normalen Alltag bekommen zu können. „Die Menschen brauchen Ruhe nach allem, was sie durchgemacht haben“, bemerkt sie. Gleichzeitig berichtet sie jedoch, dass in ihrer Gegend einige Geschäfte bereits wieder öffnen und versuchen, den Betrieb wieder in Gang zu bringen: „Das Leben muss irgendwie weitergehen.“
Für Shady Abdallah, einen Bauern aus Saida, bietet der Waffenstillstand noch keine Sicherheit für seinen Lebensunterhalt. Er erwarb 2024 Ackerland in Naqoura, in der Hoffnung, dass die schwelenden Spannungen an der Grenze ihn nicht daran hindern würden, von der Landwirtschaft zu leben. Er war sich der Risiken bewusst, da bereits Kontakte zwischen Israel und der Hisbollah im Rahmen des Hilfsrahmens stattfanden, den die Hisbollah während der israelischen Aggression gegen den Gazastreifen ins Leben gerufen hatte.
Was er nicht vorausgesehen hatte, waren die aufeinanderfolgenden Eskalationen, zunächst im September 2024 und dann erneut im März dieses Jahres.
„Ich habe am ersten Tag des Waffenstillstands versucht, dorthin zu fahren, aber die libanesische Armee hat mich in Qlaileh aufgehalten“, sagt er. „Ich werde es noch einmal versuchen. Ich habe 15 Pick-ups mit Lebensmitteln beladen, die verderben werden, wenn ich sie nicht aus Naqoura zum Verkauf bringe.“
Warten kommt für Abdallah nicht in Frage. Die Anbausaison hätte zum Frühlingsanfang beginnen sollen. Jede weitere Verzögerung, insbesondere angesichts des früh einsetzenden Sommers, könnte die gesamte Saison aufs Spiel setzen.
„Welchen Grund hätten sie, es auf mich abzusehen? Ich bin nur ein Bauer“, argumentiert er. „Aber ich mache mir Sorgen um die Lastwagen. Ich habe versucht, mich mit der Armee oder der UNIFIL abzustimmen, um eine Genehmigung zu erhalten, aber das scheint kaum möglich zu sein.“
Diese Ungewissheit hat das Leben vieler Menschen auf Eis gelegt, da sie nicht mehr wissen, wie es nun weitergehen soll. Die Rückkehr in ihre Heimat und zur früheren Erwerbstätigkeit ist keine einfache Option und in manchen Fällen überhaupt nicht möglich. Insbesondere für Landwirte und Hirten, deren Leben eng mit dem Land verbunden ist und ganz davon abhängt, gibt es nur sehr wenige Alternativen.
Abdallah sagt, dass es ebenfalls keine Option sei, das Land in Naqoura aufzugeben oder zu verkaufen, selbst wenn dies finanzielle Einbußen bedeute. Die Qualität des Bodens, die Schönheit der Landschaft, seine Verbundenheit mit dem Land und der bisherige Aufwand – all das geht weit über den rein finanziellen Wert hinaus.
„Ich habe noch ein weiteres Grundstück, das näher an Saida liegt, aber meine Arbeit ist ausschließlich im Süden“, sagt Abdallah. „Ich weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir zurückkehren, aber das macht das Warten nicht leichter.“
In Dahieh ist Rola Mostafa darauf vorbereitet, dass der fragile Waffenstillstand nicht hält. „Dieses Mal sind wir bereit für eine weitere Vertreibung, sowohl emotional als auch körperlich. Ja, es wird anstrengend sein, aber wir wissen, dass wir es für einen höheren Zweck tun, nämlich um den Widerstand gegen Israel zu unterstützen“, sagt sie.
Und für die Bewohner*innen der Grenzdörfer im Süden, die bereits seit dem Krieg von 2024 nicht dorthin zurückkehren konnten, da Israel sich während des damaligen Waffenstillstandsabkommens vorbehielt, sich dort frei zu bewegen und ihre Häuser zu zerstören, setzen die neuen Umstände lediglich ein bereits begonnenes Kapitel fort.
„Niemand versteht unseren Schmerz, außer denen, die an der Grenze leben“, sagt Mariam Hamdan aus Mays al-Jabal gegenüber Mada Masr.
Mays al-Jabal ist ein Dorf an der Front, etwa einen Kilometer von der israelischen Grenze entfernt. Es wurde sowohl im aktuellen Krieg als auch bei früheren Eskalationen wiederholt zerstört. Während des Waffenstillstands von 2024 zerstörte Israel weite Teile der Ortschaft, darunter Wohnhäuser und Ackerland, bezog jedoch keine Stellung innerhalb der Stadtgrenze.
Diesmal haben israelische Streitkräfte mit ihren Bodenoffensiven systematische Abbrucharbeiten mit schweren Gerätschaften vorgenommen, wobei sie ganze Wohngebiete und ihre Infrastruktur dem Erdboden gleichgemacht haben – und so dafür gesorgt haben, dass auch das zerstört wurde, was vom letzten Krieg noch intakt geblieben war. Die Stadt liegt nun innerhalb der von Israel ausgerufenen Pufferzone, was die Rückkehr der Zivilbevölkerung einschränkt und Befürchtungen weckt, dass sie sich auf unbestimmte Zeit verschieben könnte.
Am Montag veröffentlichte Aouns Büro eine Erklärung, in der es jegliche Kritik an der Entscheidung, die Gespräche in Washington fortzusetzen, zurückwies. „Manche werfen uns unter dem Vorwand eines fehlenden nationalen Konsenses vor, dass wir uns für Verhandlungen entschieden haben, und ich frage: Als Sie in den Krieg gezogen sind, hatten Sie da zuerst einen nationalen Konsens erzielt?“
Laut Daher macht diese Bemerkung die harsche Realität der zyklischen Natur der Politik im Libanon deutlich.
„Auch wenn einige Stimmen innerhalb der schiitischen Gemeinschaft die Entscheidung der Hisbollah Anfang März, in den Krieg einzutreten, kritisiert haben mögen, haben die Reaktionen und die Politik der libanesischen Regierung ihnen gezeigt, dass es keine andere Wahl gibt als die Hisbollah, um sie zu schützen“, sagt Daher.
„Der libanesische Staat kann nicht behaupten, er strebe ein Gewaltmonopol an, um seine Souveränität zu bekräftigen, wenn er dazu nicht in der Lage ist. Er hat seine Truppen aus dem Süden abgezogen und bietet darüber hinaus weder der libanesischen Bevölkerung noch der schiitischen Basis der Hisbollah irgendeine Form von Schutz oder sozioökonomische Alternativen.
Zudem kam es während des letzten Krieges zu feindseligen Reaktionen gegenüber schiitischen Bevölkerungsgruppen, die in andere Gebiete vertrieben worden waren. Den Schiiten wurde oft eine Unterkunft verweigert, nicht nur aus Angst vor israelischen Luftangriffen, sondern auch, weil man sie für den Krieg gegen den Libanon verantwortlich machte, da man sie automatisch der Hisbollah zuordnete. Dies ist auch Bestandteil der israelischen Politik, konfessionelle Spannungen im Libanon zu schüren. Allgemeiner gesagt litten weite Teile der schiitischen Bevölkerung im Libanon unter der Ablehnung von Seiten des libanesischen Staates und der libanesischen Medien, während sie sich aufgrund der ihnen entgegengebrachten Feindseligkeit ständig von Israel und in geringerem Maße auch von der neuen syrischen Regierung sowie innerhalb des eigenen Landes bedroht fühlten.“
Und für Daher ist es heute die Hisbollah, die – vor allem dank der Finanzierung durch den Iran – wahrscheinlich weiterhin die Bedürfnisse großer Teile der schiitischen Bevölkerung erfüllen wird, da die libanesische Regierung weder Maßnahmen ergreift noch eine Politik umsetzt, um diese Probleme anzugehen, und zudem von ausländischen Finanzmitteln abhängig ist. Gleichzeitig wird sich die Isolation der Hisbollah auf nationaler Ebene höchstwahrscheinlich weiter verfestigen – sowohl aufgrund ihrer eigenen Politik als auch aufgrund des Drucks aus dem Ausland –, was zu weiteren Spannungen im Land führen wird.
Vor der jüngsten Eskalation hatte Hamdan gehofft, zumindest eine Wohnung näher an Mays al-Jabal mieten und dort ein neues Leben beginnen zu können, doch selbst diese Möglichkeit ist nun vom Tisch. Stattdessen setzt sie ihre Flucht fort, die sie bereits von Sur über Nabatieh in die Region Chouf geführt hat, wo sie nun lebt.
Hamdan hat die Hoffnung auf eine Rückkehr noch nicht aufgegeben, doch die Enttäuschung und Traurigkeit nehmen immer weiter zu – ein Gefühl, das alle Bewohner*innen der Grenzregion teilen, für die die kontroverse Debatte über politische Gespräche sehr weit entfernt von ihrem Alltag erscheint.
„Was kann die Regierung für uns tun?“, fragt sie. „Wir sind ihnen egal. Wir fühlen uns im Stich gelassen. Wir erwarten nichts von diesen Gesprächen.
Die Menschen sind der Meinung, Frieden bedeutet, dass ihr Umfeld sicher ist. Aber wir haben seit Jahren keinen einzigen Tag in Frieden verbracht.“
