In den letzten drei Jahrzehnten ist es den 30 UNO-Klimakonferenzen, bekannt als COP, nicht gelungen, einen Fahrplan für den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen vorzulegen. Erst bei der COP 28 wurde die Notwendigkeit einer Abkehr von fossilen Energien überhaupt erst in das Abschlussabkommen dieser Konferenz aufgenommen – ein Verweis, der in den letzten beiden COP auf Druck der Ölförderländer wieder gestrichen wurde. Währenddessen steigen die globalen Temperaturen aufgrund zunehmender CO₂-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe weiter. Mehrere kritische Kipppunkte des Planeten sind bereits erreicht oder steuern auf einen irreversiblen Kollaps zu. Am 28. und 29. April 2026 übernahm Kolumbien die Führung bei den Bemühungen, die Versäumnisse der COP zu beheben, und veranstaltete in Santa Marta das erste multilaterale Treffen überhaupt, dessen Hauptaugenmerk auf der Abkehr der Welt von fossilen Energien lag. Im Dezember 2024 veröffentlichte die Progressive Internationale einen Aufruf an den Globalen Süden, multilaterale Foren als Alternative zur COP zu schaffen, um die Klimadiplomatie voranzubringen. Die von Kolumbien in Zusammenarbeit mit den Niederlanden geleitete Konferenz von Santa Marta kam diesem Aufruf nach und brachte über fünfzig Staaten zusammen, die sich dazu verpflichteten, gemeinsam Lösungen für einen gerechten Übergang weg von den fossilen Energien umzusetzen, anstatt sich der ständigen Klimablockade zu beugen, die strukturell in den COP verankert ist.
In einer Zeit, in der die internationale Klimadiplomatie, die grenzübergreifende Zusammenarbeit und der Weltfrieden beispiellosen Angriffen seitens der Vereinigten Staaten ausgesetzt sind – dem weltweit größten kumulativen Klimaverschmutzer, der für den Klimawandel verantwortlich ist –, bietet die Konferenz von Santa Marta einen Weg, Staaten und Institutionen im Kampf gegen den Klimawandel zu mobilisieren. 57 Staaten, unterstützt von Hunderten von Basisorganisationen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen, beteiligten sich an einem einwöchigen Prozess, um einen Fahrplan für die Abkehr von den fossilen Energien zu erarbeiten.
Die Konferenz von Santa Marta ist der Startpunkt für eine multilaterale Rebellion, die Hoffnung weckt, doch gibt es laut mehreren Quellen bereits Anzeichen dafür, dass die niederländische Regierung den Radikalismus ihres Mitveranstalters gedämpft hat. Von der Streichung des Wortes „gerecht“ vor „Abkehr“ im Titel der Konferenz bis hin zur Zurückstellung wichtiger Tagesordnungspunkte wie der Investor-Staat-Streitbeilegung (ISDS) sprechen die Anzeichen eine deutliche Sprache. Der wissenschaftliche Teil vor der Konferenz wurde von Wissenschaftler*innen aus dem Globalen Norden dominiert, ebenso wie das im Rahmen der Konferenzergebnisse angekündigte Wissenschaftsgremium. Die drei laufenden Arbeitsgruppen, die für die Leitung der drei Säulen der Konferenz von Santa Marta zuständig sind, sollen von drei Institutionen mit Sitz im Norden geleitet werden: dem US-amerikanischen World Resources Institute (WRI), dem kanadischen International Institute of Sustainable Development (IISD) und der in Frankreich ansässigen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Das Auswahlverfahren für diese Einrichtungen war keineswegs transparent und hängt mit der Finanzierung der Durchführung der drei Arbeitsbereiche zusammen. Angesichts der guten Kontakte dieser Institutionen zu Entscheidungsträgern scheint die Auswahl auf Ministerebene getroffen worden zu sein.
Da die Klimakonferenzen der Vereinten Nationen (COP) in den letzten Jahren immer mehr in Verruf geraten sind, bietet die Konferenz von Santa Marta ein alternatives Modell dafür, wie man in der Klimadiplomatie seinen Worten Taten folgen lässt. Seit Januar 2023 hat Kolumbien die Vergabe neuer Konzessionen für die Gewinnung fossiler Energien ausgesetzt. Dies steht in krassem Gegensatz zu den jüngsten Gastgebern der Klimakonferenz wie den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Aserbaidschan, wo sogar der Leiter der COP 29 heimlich dabei gefilmt wurde, wie er während der laufenden Verhandlungen der Klimakonferenz für Geschäfte mit fossilen Energien warb. Nach Angaben des kolumbianischen Energieministeriums ist der Anteil von Solar- und Windenergie am kolumbianischen Energiemix unter der Führung von Präsident Gustavo Petro von zwei Prozent im Jahr 2022 auf 17 Prozent im April 2026 gestiegen. Im Rahmen der Konferenz legte Kolumbien freiwillig einen nationalen Aktionsplan 2050 für einen gerechten Übergang weg von fossilen Energien vor, während der andere Mitveranstalter, die Niederlande, diesen noch vorlegen muss.
In den letzten Jahren hat die Rekordzahl an Lobbyisten der fossilen Brennstoffindustrie, die an den Klimakonferenzen teilnahmen, die Delegationen der großen Länder zahlenmäßig übertroffen, und der Raum für abweichende Meinungen wurde sowohl innerhalb als auch außerhalb der COP-Foren deutlich eingeschränkt. Die Konferenz von Santa Marta hingegen bezog sechs Bevölkerungsgruppen oder Interessengruppen in den Entscheidungsprozess mit ein: Menschen afrikanischer Abstammung, Landwirte und Fischer, Nichtregierungsorganisationen und globale Netzwerke, soziale Bewegungen, Frauen und Diversitätsgruppen sowie Jugendliche.
Die kolumbianische Ministerin für Umwelt und nachhaltige Entwicklung, Irene Vélez-Torres, erklärte auf der Eröffnungspressekonferenz: „Wir verstehen uns als Ergänzung zum UNO-Prozess, frei vom Lobbyismus der Ölindustrie, damit diese keinen Einfluss auf diese Agenden hat. Jetzt ist der Moment gekommen, alle Karten auf den Tisch zu legen.“ Die kolumbianische Klimaaktivistin Yuvelis Natalia Morales Blanco, Preisträgerin des Goldman-Preises 2026 (ein jährlich verliehener „grüner Nobelpreis“ für Umweltaktivist*innen an der Basis) und Vorsitzende der Initiative Alianza Colombia Libre de Fracking, sagte: „Wir werden die Generation sein, der es auf die eine oder andere Weise gelingen wird, sich von der Abhängigkeit von fossilen Energien zu befreien.“
Entgegen den Erwartungen wird die Konferenz von Santa Marta voraussichtlich keinen sofort in Kraft tretenden, rechtsverbindlichen Vertrag zur Abkehr von fossilen Energien hervorbringen. Vielmehr besteht die erste Aufgabe darin, den Fokus der globalen Klimadiplomatie von der Debatte darüber, ob fossile Brennstoffe abgeschafft werden müssen, auf eine konkrete, finanziell abgesicherte und auf Gerechtigkeit ausgerichtete Diskussion darüber zu verlagern, wie dies geschehen soll.
Das ehrgeizigste konkrete Ziel, das in Santa Marta angestrebt wurde, war die formelle Anerkennung der Notwendigkeit, einen Vertrag über fossile Energien auszuhandeln. Dazu könnte die Unterstützung diplomatischer Bemühungen wie des Vertrags über die Nichtverbreitung fossiler Brennstoffe gehören, der bereits von 18 Ländern und 200 Städten unterstützt wird. Die drei Forderungen der Initiative für einen Vertrag über fossile Brennstoffe entsprechen den drei Säulen der Ergebnisse der Konferenz von Santa Marta: ein Mechanismus zur Entschuldung und ein globaler Fonds für einen gerechten Übergang, um die Länder des Globalen Südens aus der Schulden- und fossilen Brennstofffalle zu befreien; ein koordinierter Stopp neuer Projekte im Bereich fossiler Energien und der damit verbundenen Subventionen unter der Führung der wohlhabenden Nationen; sowie die Steuerung der Rolle fossiler Energien bei der Finanzierung globaler Konflikte durch Investitionen in dezentrale erneuerbare Energien.
Am Wochenende, im Vorfeld der Ministerrunde der Konferenz, stand die Überwindung einiger struktureller Hindernisse auf dem Weg zu einem Abkommen über fossile Brennstoffe im Mittelpunkt der Diskussionen. Der erste Punkt ist die Investor-Staat-Streitbeilegung (ISDS) – jener undurchsichtige Rechtsmechanismus, der es Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie ermöglicht, Regierungen vor nicht öffentlichen internationalen Schiedsgerichten zu verklagen, wenn klimapolitische Maßnahmen ihre Gewinne schmälern. Nach Angaben des Center for International Environmental Law (CIEL) haben Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie über diese Mechanismen insgesamt mindestens US$ 100 Milliarden erhalten, wobei die durchschnittlichen Entschädigungssummen in solchen Fällen bei US$ 600 Millionen lagen. Weltweit stehen über 10.000 Anlagen im Bereich fossiler Brennstoffe unter dem Schutz der ISDS. Auch hier lässt Kolumbien seinen Worten Taten folgen. Nachdem im März 2026 über 220 Ökonom*innen, darunter Stiglitz, Piketty und Ha-Joon Chang, in einem Brief an Petro darauf gedrängt hatten, eine Koalition für den Ausstieg aus dem ISDS-System zu bilden, kündigte er den vollständigen Rückzug Kolumbiens aus der ISDS an. In Santa Marta wurde zum ersten Mal bei einer großen internationalen Klimakonferenz das Thema ISDS auf die Tagesordnung gesetzt. Harj Narulla, ein auf Klimarecht und Klimaprozesse spezialisierter Anwalt, der die Salomonen auf der Konferenz in Santa Marta vertrat, schlug einen Weg vor, wie es in Bezug auf die ISDS weitergehen könnte – „Einseitige Austritte aus dem ISDS-System können wirkungslos sein und rechtliche Anfechtungen nach sich ziehen. Ein Ausweg aus dem ISDS-System besteht darin, dass sich eine Gruppe von Ländern zusammenschließt und vereinbart, dass die ISDS-Bestimmungen untereinander nicht mehr gelten.“
Die zweite Hürde ist der Widerstand gegen die Abschaffung von Subventionen für fossile Energien. Denn trotz ihrer Klimaschutzverpflichtungen pumpen Regierungen weltweit weiterhin öffentliche Gelder in genau jene Industrie, die die Krise verursacht. Nichtregierungsorganisationen drängten in Santa Marta auf verbindliche Rahmenbedingungen, um diese Subventionen in allen Sektoren abzuschaffen und die Mittel in erneuerbare Energien, Programme für einen gerechten Übergang und Schuldenerlass umzuleiten, damit das Geld, das derzeit das Problem finanziert, stattdessen zur Finanzierung der Lösung beiträgt.
Das dritte Hindernis ist eine ungerechte Staatsfinanzierung mit hohen Zinssätzen für den Globalen Süden sowie die Schulden, die Länder des Globalen Südens bei multilateralen Finanzinstitutionen haben. Jwala Rambarran, leitender Berater für Klimafinanzierung im Rahmen des Vertrags zur Nichtverbreitung fossiler Brennstoffe und ehemaliger Gouverneur der Zentralbank von Trinidad und Tobago, sprach mit der Progressiven Internationale und erklärte: „Ein Großteil der heutigen Klimafinanzierung reproduziert genau jene Schuldenfallen, die sie eigentlich beseitigen soll. Von den Ländern des Globalen Südens wird erwartet, dass sie den Übergang mithilfe von hochverzinslichen Krediten, komplexen Finanzinstrumenten und Finanzierungsstrukturen vollziehen, die sie oft in neue Abhängigkeiten zwingen, anstatt ihren politischen Handlungsspielraum zu erweitern. Ein gerechter Wandel kann nicht auf ungerechter Finanzierung beruhen. Multilaterale Finanzinstitutionen müssen ihren Schwerpunkt konsequent auf Zuschüsse, vergünstigte Finanzmittel, Schuldenerlass und Maßnahmen zur Senkung der Kapitalkosten für saubere Energie, Resilienz und wirtschaftliche Diversifizierung verlagern. Gleichzeitig muss der Globale Süden alternative, vom Süden geführte Finanzierungskanäle stärken – einschließlich der Schaffung neuer Institutionen wie des Schuldenregulierungsmechanismus der Initiative für einen Vertrag über fossile Brennstoffe –, die auf Gleichheit, Souveränität und Entwicklungsgerechtigkeit basierende Übergangswege unterstützen können.“ Mariana Paoli, Leiterin der Abteilung für Politik und Interessenvertretung bei Oxfam International, sprach mit der Progressiven Internationale und wies darauf hin, dass sich die Länder des Globalen Südens zusammenschließen und darauf drängen müssen, dass die Klimaschulden im Rahmen einer „Schuldenkonvention der Vereinten Nationen“ geregelt werden. Dieser Schritt würde dazu beitragen, dass Entscheidungen zur Umschuldung mit einfacher Mehrheit in der UNO-Generalversammlung getroffen werden können, anstatt von multilateralen Finanzinstitutionen kontrolliert zu werden, die den Interessen ihrer Hauptaktionäre – nämlich der USA, Großbritanniens, der EU, Australiens und Japans – dienen.
Anstatt Klimafinanzierungen für einen gerechten Übergang bereitzustellen, treiben die vom Norden dominierten multilateralen Institutionen die Länder des Globalen Südens in eine langfristige von fossilen Energien verursachte Schuldenfalle. Die Progressive Internationale hatte bereits darüber berichtet, dass europäische öffentliche Gelder afrikanische Länder dazu zwingen, verlustreiche Infrastrukturprojekte im Bereich fossiler Energien zu finanzieren, damit sie ihren eigenen kurzfristigen Gasbedarf decken können. Nafisa Shah, Abgeordnete aus Pakistan, sprach auf der Konferenz in Santa Marta ebenfalls mit der Progressiven Internationale und wies auf die Rolle des IWF und der Weltbank hin, durch die Pakistan in dieselbe Schuldenfalle aufgrund fossiler Energien geraten sei: „Wir müssen daraus lernen und die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Anfang der 1990er Jahre zwangen die Weltbank und der IWF Pakistan durch ihre Politik zur Privatisierung des Energiesektors und zur Abkehr von staatlich regulierter Infrastruktur. Dies führte zu einem Boom unabhängiger Stromerzeuger und machte das Land von importierten Brennstoffen, langfristigen Schulden und teuren Stromverträgen abhängig, anstatt öffentliche Investitionen in erneuerbare Energien zu tätigen.“
Die zweite Konferenz dieser Reihe ist bereits geplant und wird von Tuvalu ausgerichtet – einem kleinen Inselstaat, der besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen ist und für den der Ausstieg aus fossilen Energien existenzielle Bedeutung hat. Irland ist gemeinsam mit Tuvalu Gastgeber der zweiten Konferenz, womit die Süd-Nord-Partnerschaft ihre Fortsetzung findet. Dr. Amiera Sawas, Leiterin für Politik und Forschung bei der Initiative für einen Vertrag zu Nichtverbreitung fossiler Brennstoffe, merkte an: „Zwar spielen die Länder des Globalen Nordens eine wichtige Rolle bei der Sicherstellung der Finanzströme und des Technologietransfers, die für einen weltweiten gerechten Übergang erforderlich sind, doch sollten die Länder des Globalen Südens dies als Gelegenheit betrachten, ihre kollektive Stärke zu nutzen. Ohne sie ist ein Übergang nicht möglich, denn sie machen fast 90 Prozent der Weltbevölkerung aus und besitzen die dafür notwendigen Flächen und Ressourcen. Im Vorfeld der Konferenz in Tuvalu haben die Länder des Südens die Gelegenheit, einen neuen Kurs in Richtung Klimagerechtigkeit und einer fairen, finanziell abgesicherten Abkehr von fossilen Energien einzuschlagen.“
Die Konferenz von Santa Marta untermauert die Führungsrolle, die Kolumbien unter seinem linksgerichteten Präsidenten Gustavo Petro auf der internationalen Bühne einnimmt. Die Konferenz orientiert sich an der Haager Gruppe – einem Bündnis von Staaten des Globalen Südens unter dem gemeinsamen Vorsitz von Kolumbien und Südafrika, das darauf hinarbeitet, Israel für den Völkermord in Gaza rechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Die Konferenz von Santa Marta versucht ebenso wie die Haager Gruppe, genau jene internationalen Institutionen, die in der Vergangenheit gegen Länder des Globalen Südens eingesetzt wurden, nun dazu zu nutzen, Klimaverschmutzer zur Verantwortung zu ziehen. In beiden Fällen hat Kolumbien Verfahren und Urteile des Internationalen Gerichtshofs (IGH) genutzt, um die multilaterale Solidarität zu stärken und gegen die Komplizenschaft und Behinderung durch den Globalen Norden vorzugehen.
Im vergangenen Juli gab der Internationale Gerichtshof in einem von Vanuatu und anderen pazifischen Inselstaaten angestrengten Verfahren ein wegweisendes Gutachten ab, in dem bekräftigt wurde, dass Staaten eine rechtlich bindende Verpflichtung haben, Klimaschäden zu verhindern und zusammenzuarbeiten. Etwa zur gleichen Zeit bot Kolumbien offiziell an, die Konferenz in Santa Marta auszurichten. Susana Muhamad, Sonderbeauftragte des Vertrags zum Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe und ehemalige kolumbianische Umweltministerin, sprach mit der Progressiven Internationale und wies darauf hin, dass die bewusst gewählten Parallelen zwischen den beiden Veranstaltungen eine Kampfansage an die Komplizenschaft und die Blockadepolitik des Globalen Nordens im Kontext des laufenden Krieges gegen den Iran und des Völkermords in Gaza darstellten: „Es gibt bewusste Parallelen zwischen der Haager Gruppe und der Konferenz von Santa Marta, und diese zeugen vom politischen Willen und einem möglichen Weg für den Globalen Süden, die strukturellen Hindernisse zu überwinden. Mittel, die für Klimamaßnahmen eingesetzt werden könnten, fließen stattdessen in Kriege und Völkermorde, während der militärisch-industrielle Komplex selbst mehr Emissionen verursacht als ganze Ländergruppen.“
Die Idee für die Konferenz in Santa Marta entstand nach den Verhandlungen der COP 29 in Baku, Aserbaidschan, bei denen es erneut misslang, eine Einigung über die Abkehr von fossilen Energien zu erzielen. Der endgültige Text der COP 30 in Belém hat die Worte „fossile Brennstoffe“ oder die Notwendigkeit, sich davon zu lösen nicht einmal erwähnt, geschweige denn einen Fahrplan für den Übergang. Vor dem Hintergrund dieses Scheiterns kündigten die Regierungen Kolumbiens und der Niederlande, unterstützt von 18 weiteren Staaten, bereits am Tag vor Abschluss der COP 30 ihre Absicht an, die Konferenz in Santa Marta auszurichten.
Die Konferenz von Santa Marta orientiert sich zudem an anderen bewährten Erfolgen der multilateralen Diplomatie. Dazu gehören der Ottawa-Prozess, der 1997 zur Konvention über das Verbot von Landminen führte, der Oslo-Prozess, der 2008 zur Konvention über Streumunition führte, sowie die jüngste Konvention über das Verbot von Kernwaffen aus dem Jahr 2017. In jedem dieser drei Fälle fochten einige wenige Staaten einen bestehenden Regelungsrahmen an, bildeten eine breitere Koalition, um Blockaden zu umgehen, und veränderten das Völkerrecht und die internationalen Normen. Während Kanada und Norwegen einst die Vorreiterrolle bei den Initiativen spielten, die 1997 zur Konvention über das Verbot von Landminen und 2008 zur Konvention über Streumunition führten, übernehmen heute Staaten des Globalen Südens wie Kolumbien und Vanuatu die Führung im Kampf gegen den Klimawandel.
In der Ausgabe Nr. 108 von The Internationalist wurde eine Schwachstelle diagnostiziert, die den weltweiten Kampf gegen den Klimawandel beeinträchtigt: die strukturelle Vereinnahmung der COP durch die Interessen der fossilen Brennstoffindustrie und die Blockadehaltung des Globalen Nordens. Es wurden Mittel dagegen vorgeschlagen: Solidarität des Globalen Südens, alternative Foren und eine rechtlich fundierte internationale Koordination. Letzte Woche in Santa Marta wurde diese Rezeptur umgesetzt.
Und das Heilmittel wird in Gustavo Petros Kolumbien geschaffen. Dieselbe Regierung, die die diplomatischen Beziehungen zu Israel abgebrochen, Kohleexporte ausgesetzt und dreißig Nationen in Bogotá zusammengebracht hat, um das Völkerrecht durch die Haager Gruppe durchzusetzen, tut nun dasselbe für das Klima: Sie setzt ihre eigenen Verträge über fossile Energien aus, bringt die Willigen zusammen, umgeht die Blockierer und verweist die Frage der fossilen Energien dorthin, wo sie hingehört: auf den Weg zu einem rechtsverbindlichen internationalen Vertrag. In seiner Abschlussrede stellte Petro zudem die Fähigkeit des Kapitalismus in Frage, sich an ein Energiesystem anzupassen, das nicht auf fossilen Brennstoffen basiert, und prangerte damit dessen Mitschuld an der Aufrechterhaltung eines Systems der fortwährenden Zerstörung unseres Planeten an. Er warnte vor falschen Lösungen, die aus dem „grünen Kapitalismus“ hervorgehen.
All dies spielt sich nur wenige Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien am 31. Mai ab. Senator Iván Cepeda von Petros Koalition „Historischer Pakt“ liegt derzeit in den Umfragen vorn, und die Frage, ob diese radikale diplomatische Tradition ihren Schöpfer überdauern wird, schwebt über der Meeresluft der karibischen Stadt.
Indraneel Dharwadkar ist freiberuflicher Klimajournalist und berichtet über internationale Klimapolitik und Klimablockaden. Außerdem setzt er sich für die Sicherung von Finanzmitteln zur Klimaanpassung für den Globalen Süden ein.
